Einleitung zur Energiewende
Photovoltaik, Wärmepumpe, Energiespeicher, E-Auto. Die Energiewende erklärt. Mein Gesprächspartner heute findet im Einfamilienhaus statt. Aber Statistiken zufolge leben gut 43 Millionen Menschen in Deutschland in Mehrfamilienhäusern. Und sie bleiben bei der Energiewende noch weitestgehend außen vor. Warum eigentlich und was lässt sich dagegen tun? Das ist das Thema dieser Folge. Ich bin Ina Lebedjew. Hi, Mission Energiewende! Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.
Gesetzliche Neuerungen
Seit Anfang Juni 2026 dürfen Haushalte überschüssigen Solarstrom lokal teilen. Das Gesetz ist ein Durchbruch. Doch der große Boom wird noch Jahre auf sich warten lassen, meint der Gründer und Unternehmer Julian Schulz. 2021 hat er das Green Tech Startup MieterGrid gegründet und arbeitet seitdem jeden Tag daran, Solarstrom in Mietshäuser und Quartiere zu bringen. Wie das geht und wo es hakt, darüber sprechen wir jetzt. Ich freue mich, Julian, herzlich willkommen hier im Klimapodcast von detektor.fm.
Gesprächsstart
Hallo Ina, freut mich, heute hier bei euch dabei zu sein. Ich glaube, wir müssen tatsächlich mal direkt an der Basis, am Grundverständnis, anfangen. Was macht ihr, wie arbeitet ihr, was ist das überhaupt? Ja, super gerne! Du hast ja schon im Einstieg gesagt, ein Großteil der Bevölkerung lebt eben auch in Mehrfamilienhäusern. Und vor einigen Jahren, als ich mich eben mit dem Thema Solar in meinem Einfamilienhaus oder im Gesamtmarkt beschäftigt hatte, ist mir eben die Lücke im Mehrfamilienhaus aufgefallen.
Herausforderungen im Mehrfamilienhaus
Der konkrete Fall ist, dass im Einfamilienhaus verbrauchst du den Strom selbst, also es ist ja dein eigenes Haus. Dann ist es viel leichter umzusetzen als in einem Mehrfamilienhaus, weil dort wird der Vermieter zum Stromversorger für seine Mieter. Und damit ist er ja eigentlich überfordert. Also wie sieht es eigentlich im Zählerschrank aus? Wie smart meter und wie bekomme ich die Daten raus? Wie verkaufe ich den Strom? Wie funktioniert die Abrechnung? Wer macht den Service für mich? Ist das Projekt profitabel, ja oder nein?
Und das bieten wir als Mieter den Vermietern an, eben die Mieterstromprojekte als No-Brainer, sage ich immer, umzusetzen. Sie müssen sich da um nichts kümmern. Wir stimmen alles mit den Behörden ab. Wir erstellen die Abrechnungen. Wir setzen die Smart Meter in den Keller. Also es ist sozusagen ein Rundum-Paket, dass sie den Strom an ihre Vermieter verkaufen können. Und als Ergebnis haben sie eine Rendite zwischen 8 und 15 Prozent sowie die Mieter eine Stromersparnis zwischen 20 und 30 Prozent. Und das ist sozusagen, was wir anbieten, was den Markt treibt.
Missverständnisse klären
Und wir haben jetzt mit über 70.000 Mietern aktuell auf der Plattform auch bewiesen, dass wir das in einem größeren Maßstab eben auch können. Da gibt es wahrscheinlich für Laien immer so ein Missverständnis. Also mir ging es eine Weile so, dass ich gar nicht verstanden habe, Smart Meter ist nicht das deutsche Wort Mieter, sondern eine Messeinheit, wie du gesagt hast, im Keller. Also es ist nicht derselbe Begriff. Smart Meter und Mieterstrom? Ne, genau. Das hat eigentlich erstmal gar nichts miteinander zu tun.
Smart Meter und Mieterstrom
Eigentlich ist Smart Meter genau die digitale Infrastruktur im Keller. Das ist ganz unabhängig von Mieterstrom. Also das braucht man eigentlich für die netzdienliche Steuerung, für die Überwachung der Anlagen, für ein intelligentes Stromnetz, kurz gesagt. Und das wirkt sich auf ganz viele Bereiche aus, eben in dem Markt, ob E-Mobilität, ob wann speise ich ins Netz ein oder nicht? Lade ich jetzt mein Auto zu einem gewissen Zeitpunkt, statt ins Netz einzuspeisen?
Im Mieterstrombereich, wie bekomme ich die Daten von den verschiedenen Mietern? Was verbrauchen die? Also in einem ganz vielfältigen Umfeld. Und da haben wir eben auch Lösungen dafür, entsprechende Daten zu bekommen. Also dann nochmal kurz zusammengefasst: Mieterstrom ist sozusagen, wenn mein Vermieter im Mehrfamilienhaus zum Stromversorger wird. Genau, das ist auch so.
Veränderungen in der Energiewelt
Warum hatte ich mit dem Thema angefangen? Da verändert sich eine ganze Energiewelt. Also die ganze Logik wird anders. Wir haben jetzt irgendwie tausend Stromversorger in Deutschland. Und wenn wir jetzt in die Zukunft schauen, haben wir Millionen von Vermietern, Energiegenossenschaften, Einfamilienhäusern, die letztendlich Stromversorger sind. Also bei uns passiert es auch zum Beispiel, dass ein Elektriker nicht nur die PV-Anlage baut, sondern dann auch das Dach pachtet von der Wohnung, die man schon den Strom verkauft.
Also wir enablen letztendlich jeden, der es möchte, zum Stromversorger zu werden mit unseren Lösungen und als Kompetenzpartner sozusagen in dieser neuen Wirtschaft, die entsteht. Du hast gerade schon mal so ein bisschen angesetzt zu erzählen, dass du da so reingerutscht bist. Wie kommt man auf dieses Thema? Also ich als Mieterin habe ja da überhaupt keine Handhabe. Wie bist du überhaupt zu dem Thema gekommen oder ihr als Unternehmen?
Der Weg zum Thema Mieterstrom
Ja, das war also ich war in einem Forschungsprojekt an der Uni damals. Und dann wird es eher, das war 2018 bis 2019, so mit dem Thema Blockchain-Technologie. Das ist heute eigentlich gar nicht mehr so der Trend. Also es war wirklich so ein Hype. Sehr komplex. Da haben wir uns mit Bankentransaktionen beschäftigt, über Kryptowährungen und zwar irgendwie alles, aber auch in einem Forschungsgedanken.
Und dann kam tatsächlich ein Vermieter, hat bei uns geklopft und hat gesagt, was macht ihr eigentlich? Also von der Uni, das war so ein Nebengebäude. Also er macht gerade PV im Mehrfamilienhaus, ungefähr 2020. Dann funktioniert nichts, er hat keinen Anbieter, er weiß nicht, wie er es machen soll. Und dann hat es so meinen unternehmerischen Geist geweckt und ich habe mich dann da einfach mit beschäftigt. Wirklich mit 100 Vermietern Interviews geführt, versucht zu verstehen, warum machen die es eigentlich nicht? Also wo ist die Hürde?
Hürden für Vermieter
Und es ist einmal wirklich so, ich sage mal unternehmerisch, also die Lösung. Also wie funktioniert es? Wer wickelt es für mich ab? Wer macht die Abrechnung, die Software? Der andere Punkt ist aber auch eine Rendite. Also Vermieter machen das als in einem Business Case. Die wollen sehen, dass sich das lohnt, dass sie den Mietern günstigen Strom verkaufen können, dass sie noch was davon haben.
Das war damals nicht so interessant, weil einfach, du hast noch die EEG-Umlage gehabt, die Strompreise waren deutlich günstiger, PV-Anlagen waren viel teurer vor fünf, sechs Jahren als heute. Also ganz viele makroökonomische Daten haben sich geändert und dann noch waren die Projekte rentabel. Und für mich so ein Schlüsselmoment war der Überfall auf die Ukraine und ich hatte einen Tag später 300 Kundenanfragen im Postfach. Der Strom ist ja da so enorm teuer geworden und total unkalkulierbar.
Aktuelle Entwicklungen
Und dann ging es los bei uns. Jetzt verkaufen wir im Monat zwischen 120 und 150 Projekten. Das ist jetzt was wo einfach ein neues Thema ist und eine Win-Win-Win-Situation für viele Stakeholder der Gesellschaft. Und das ist auch was, was uns als Team und mich persönlich sehr, sehr antreibt. Jetzt haben wir ja auch einen Anlass für dieses Gespräch, denn am 1. Juni ist was gestartet. Energy Sharing ist seitdem in Deutschland erlaubt.
Energy Sharing
Das bedeutet, zum ersten Mal dürfen Haushalte lokal erzeugten Solarstrom über das öffentliche Netz virtuell mit der Nachbarschaft teilen. Und zwar relativ unkompliziert und über Grundstücksgrenzen hinweg. Wie funktioniert denn das oder was ändert sich da jetzt dadurch? Genau, also Mieterstrom beziehungsweise gemeinschaftliche Gebäudeversorgung sind Konzepte, die man im Gebäude den Strom verkauft.
Also das ist sozusagen bis heute der Standard gewesen. Und Energy Sharing ist dann der Fall, dass ich es letztendlich auch noch an meinen Nachbarn verkaufen kann. Also sozusagen in einem ganz leichten, also über die Grundstücksgrenze hinweg. Und das ist auch genau der richtige Zeitpunkt oder auch eine EU-Direktive, die jetzt in Deutschland umgesetzt wird gesetzlich. Und das ist auch richtig, weil letztendlich, dass sich so eine Anlage lohnt oder so eine PV-Anlage hat mit dem Direktverbrauch zu tun.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Also wie viel wird im Haus verbraucht, wie viel an meine Nachbarn? Also wie viel wird eigentlich nicht im Netz verpufft, sage ich mal so ganz leicht. Und deswegen ist es genau ein super Konzept und wir stehen da auch dahinter, hinter diesem Punkt. Nur man sieht eben, also es wird noch Jahre auf sich warten lassen, weil die Kinderkrankheiten, die sozusagen in so neuen Konzepten eben stattfinden, die sind eben da.
Also Mieterstrom gibt es schon zehn Jahre im Markt und jetzt können zum Beispiel Netzbetreiber die Logiken überhaupt erst umsetzen in ihren Systemen. Also diese verstehen, wie man sowas abrechnet, wie man sowas in die internen Systeme implementiert. Und gerade im Thema Energy Sharing ist es eben wieder ein neues Konzept, wo die erstmal adaptieren müssen.
Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit
Also man hat eben ein Thema bei den Verteilnetzbetreibern, die eben sehr schwierig umzusetzen sind. Smart Meter braucht man flächendeckend in dem Bereich und wir in dem Gebäude setzen die dann. Aber wenn ich in einem Nachbar verkaufe, muss ich ja sicherstellen, dass der das auch hat. Das heißt, also dieses, ich bau da jetzt ein Unternehmen und sofort eine Lösung und jeder hat das und ich kann sofort verkaufen, funktioniert einfach de facto nicht, weil die Infrastruktur nicht da ist.
Und ein sehr wichtiger Punkt ist, dass es sich wirtschaftlich aktuell noch nicht lohnt. Also eigentlich müssten Netzentgelte reduziert werden. Das heißt, ich schweiß es zwar ins Netz ein und mein Nachbar verbraucht, aber der Weg ist ja viel kleiner, sozusagen. Und in Österreich hat man zum Beispiel dann gesagt, man reduziert die Netzentgelte je nach Kilometer, wie weit man das shared. Und in Deutschland hat man so einen Vorteil nicht eingebaut.
Aktuelle Situation und Ausblick
Das heißt, letztendlich ist es gerade noch kein Konzept, wo sich wirklich im Sinne der Umsetzung eben rentiert. Also das ist was, wo wir halt eben sehen, weshalb wir jetzt aktuell dann noch nicht davon ausgehen, dass es jetzt auf einmal alle. Ich meine, wir kriegen die Anfrage gerade täglich, eben auch mit der Erwartungshaltung geweckt, wird okay, jetzt kann ich den Strom in meinen Nachbar verkaufen. So funktioniert Energiewirtschaft leider nicht.
Also ihr freut euch theoretisch sozusagen, aber es wird noch nichts passieren jetzt erstmal. Genau, also es wird passieren, dass erste Bürger-Energiegenossenschaften Piloten angehen, dass man mit den Netzbetreibern spricht, dass man auch die Standards erstmal setzt. Also das ist sozusagen ein Punkt.
Herausforderungen in der Energiewirtschaft
Und viel, was ich in der Energiewirtschaft gesehen habe, es gibt ja auch das Konzept der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung, das in Mieterstrom ähnliches Konzept, dass quasi der Vermieter auch den Strom an seine Mieter verkauft, aber nur den PV-Strom, also nicht auch noch den Strom aus dem Netz. Das hat jetzt auch ungefähr drei Jahre gedauert, bis man jetzt in Projektzahl kommt, wo jetzt wirklich relevant werden, weil einfach und immer noch ein Großteil der Netzbetreiber das nicht kann.
Ich bin immer ganz vorsichtig, wenn ich auch bei anderen höre, denen sagen, ja, jetzt ist Energy Sharing und jetzt ist das Konzept und das klappt. Wir arbeiten jeden Tag mit allen 850 Netzbetreibern zusammen und wir verstehen genau die Probleme und die Herausforderungen und Konzepte können nicht einfach so umgesetzt werden. Es ist jahrelange Arbeit an Abstimmung, an Standardsetzen, bis sowas anfängt, wirklich zu fliegen.
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Nächste Schritte für Mieter
Kannst du mal versuchen zu erklären, was jetzt sozusagen passieren muss, damit… Also wir hatten ja am Anfang gesagt, es geht eigentlich darum zu überlegen, wie können Mieter an der Energiewende teilhaben. Also was sind die nächsten Schritte dann? Genau, also das ist sehr übergreifend über alle Konzepte eigentlich fast schon.
Also ob Mieterstrom, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung oder Energy Sharing. Die haben letztendlich zum Teil ähnliche Probleme. Was sich jetzt im Markt durchgesetzt hat, was funktioniert bei den Netzbetreibern, ist ein Mieterstrommodell. Das heißt, wir sagen, auf Kunden, lass uns ein Mieterstrommodell anschauen. Man kann Energy Sharing danach eben draufsetzen.
Herausforderungen im Markt
Es ist noch nicht klar, wie die ganzen Regeln sind, aber man sollte auch nicht abwarten. Diese drei Modelle bei Mieterstrom, gemeinschaftliche Gebäudeversorgung sieht man eben jetzt immer funktionierende Konzepte und im Energy Sharing hat man wirklich auch noch dieses Thema der Netzentgelte also wirtschaftlich, dass man daran arbeiten muss.
Aber über alle hinweg hat man eben das Thema des Smart Meter Rollouts. Also wir haben aktuell eine 5-5-Abdeckung in Deutschland. Das heißt, es wäre einfach viel leichter für uns, in eine größere Skalierung zu kommen, viel mehr davon teilzuhaben, wenn man halt nicht immer warten müsste, ist jetzt ein digitaler Zähler verbaut, muss man den verbauen oder nicht, sondern die Infrastruktur da ist.
Abhängigkeiten im Energy Sharing
Im Mieterstrom kann man das halt eben Gebäude für Gebäude machen. In dem Energy Sharing muss man sich ja irgendwie verlassen können, dass der andere das auch kann. Also man ist noch viel mehr abhängig vom anderen letztendlich, ob er es auch macht, was das Problem nochmal vergrößert.
Im Energy Sharing hat man immer fehlende Marktprozesse und aber auch im Mieterstrom hat man eben noch, wir haben 850 Netzbetreiber in Deutschland, die unterschiedlich agieren. Also da wirklich Standardisierung reinzubringen in ganz verschiedene Logiken ist unabdingbar. Und das ist eben auch ein Evergreen im Energiemarkt.
Notwendigkeit der Vereinheitlichung
Also durch die föderale Struktur, aber das macht Sachen langsamer und insbesondere neue Dinge. Das ist einfach de facto so. Das müsste letztendlich vereinheitlicht werden. Also man braucht einheitliche Standards aller Netzbetreiber, wie Marktkommunikation funktioniert, wie Daten übertragen werden, wie Formulare aufgefüllt werden. Da gibt es sehr, sehr viele Sachen.
Und was eben auch ein Thema ist, speziell beim Energy Sharing, was passieren muss, ist, wir haben eine Direktvermarktungslogik. Das heißt, es wird auch Strom wie an der Börse gehandelt, letztendlich ein überschüssiger Strom. Und diese Direktvermarkter sind noch gar nicht in der großen Skalierung aktuell vorhanden. Also die braucht man dazu. Man braucht günstige Lösungen, wie man das zentral handeln kann dann auch.
Gesetzgeber und Reformbedarf
Und das sind so Punkte, wo man dann eben sieht, der Gesetzgeber macht ein Gesetz und das andere wird nachgezogen. Das ist so, aber es wäre natürlich schöner, wenn es andersrum wäre. Wenn man letztendlich die Kinderkrankheiten schon gelöst hätte und dann natürlich neue Konzepte auf den Markt wirft.
Aber nochmal, also wirklich zum Energy Sharing ist auch die wirtschaftliche Logik so zentral. Also wenn wir nicht an die große Reform der Netzentgelte rangehen, dynamisieren, flexibler machen, auch wenn wir sozusagen vor Ort verbrauchen, das günstiger zu machen, dann werden so Energy Sharing Modelle nicht den Durchbruch erlangen. Also da hat der Gesetzgeber nochmal Nachschärfungsbedarf.
Zusammenarbeit mit Netzbetreibern
Aber wenn du jetzt beschreibst, ihr arbeitet jeden Tag oder oft mit 850 Netzbetreibern zusammen, die alle irgendwie unterschiedlich ticken, sage ich mal, oder unterschiedlich arbeiten und funktionieren, wie kommt ihr da überhaupt voran? Also das stelle ich mir einfach wahnsinnig schwer vor, da irgendwie ein System reinzukriegen. Genau, man sieht das richtig.
Also die Mietergruppe gibt es jetzt fünf Jahre und so wirklich an Fahrt aufgenommen haben wir die letzten zwei. Weil wir einfach die ersten Jahre auch damit beschäftigt waren, die Prozesse mit den Netzbetreibern abzustimmen, das deutschlandweit auszurollen, Datenbanken aufzubauen, Ansprechpartner zu finden, diese Lösung sozusagen standardisiert in den verschiedenen zu setzen.
Fortschritte im Markt
Als wir das geschafft haben und dann sich die Projekte zunehmend gelohnt haben, haben wir es auch geschafft, jetzt in größerem Maßstab auch sowas erst umzusetzen. Also in den Markt reinzukommen und zu schnippen. Und jetzt baue ich Mehrfamilienhäuser und das ist so gar nicht so leicht. Also man muss sich letztendlich in diesem Netzwerk der Netzbetreiber und der Standards eben erstmal setzen und das verstehen und standardisieren und digitalisieren, bevor man überhaupt in größerem Maßstab sowas umsetzen kann.
Das ist einer der komplexesten Märkte, auch mit anderen Unternehmerkollegen, die man so fast sehen kann. Das ist enorm. Ja, ich habe ja auch, ich habe es dir vorhin schon vorneweg kurz gesagt, ich hatte mehrere Gespräche so ein bisschen mit angehört, die du schon geführt hast in anderen Podcasts.
Detailarbeit in der Energiewirtschaft
Und also wie krass detailliert ihr über Sachen gesprochen habt. Da versteht sozusagen der Orthonormalverbraucher echt erstmal einfach nur Bahnhof, weil einfach wirklich viel Detailarbeit da drin steckt. Unglaublich. Das ist auch was, wo jetzt zum Teil, wenn wir auch Managementmitglieder einstellen oder Mitarbeiter, die sagen, Julian, beeindruckend, wie du dich da reingefuchst hast über Jahre, bis es jetzt wirklich läuft.
Also man braucht so richtiges Durchhaltevermögen. Aber was treibt auch? Demokratisierung der Energiewende, Akzeptanz der Energiewende. Wird man doch nicht schaffen, wenn man 40 Millionen Menschen in Deutschland nicht mitnimmt. Also das erlebbar zu machen, das fühlbar zu machen, Demokratieprozesse auch in dem Bereich eben nachhaltig zu untermauern, das wird nur dann funktionieren, wenn man auch Energiewende in die Mehrfamilienhäuser bringt.
Zukunftspläne
Und das ist das, für was ich und das Team jeden Tag aufstehen. Müsst ihr denn, also man fragt ja immer, was kommt jetzt als nächstes? Was plant ihr? Müsst ihr denn irgendwie klein träumen, sage ich mal in Anführungsstrichen, weil es so große Herausforderungen und so viel zu gestalten noch gibt in den Prozessen? Also wir denken immer groß.
Wir wollen eine Million Mieter bis 2030 schaffen. Und ich denke, 100.000 knacken wir auf jeden Fall dieses Jahr schon. Aber danach fängt schon die Arbeit im Detail an. Also wir müssen wirklich Expertenteams bilden. Wir wollen wie so ein Ökosystem ums Mehrfamilienhaus.
Innovative Ansätze
Also ein Beispiel: Wir haben jetzt auch mit einem Partner einen Stromtarif noch vom Netz gelauncht. Also dann kriegt der Vermieter von uns das Mieterstrommodell, die Software, die Abrechnungen, Smart Meter, aber auch den Strom aus dem Netz, weil wird ja ungefähr 50 % im Gebäude verbraucht. Und allein das macht das schon leichter, weil der Vermieter dann die Prozesse sind abgeschlimmt.
Er muss jetzt nicht noch irgendwo einen Stromversorger suchen. Er hat das von uns. Also es sind ganz, ich sage immer ganz viele Puzzleteile, die man zusammen machen muss. Und dann wird es immer ein bisschen schneller und leichter und dann kriegt man auch größere Projektanzahlen um. Ich meine, wir haben gestartet 2023 so 10 Projekte im Monat. Jetzt sind wir bei 100 Projekten.
Erfolge und Herausforderungen
Also es ist alles möglich, so im Sinne von, wir müssen halt den Mut haben, an diese Themen ranzugehen. Und da braucht es eben auch Unternehmer, die da irgendwie Lust drauf haben. Und da bin ich einer davon. Gibt es denn irgendwas, was ihr in den vergangenen Jahren erreicht habt? Also du hast jetzt schon ein paar Sachen genannt, wo du sagst, oder ein Beispiel, wo du sagst, das ist total spannend oder da haben wir eine ganz individuelle Lösung gefunden oder das war knifflig.
Gibt es irgendein Thema, wo du sagst, das ist spannend zu erzählen? Also das ist ein guter Punkt. Ich finde, wir sind gerade dieses Thema Reststrombelieferung ist zum Beispiel echt ein Thema. Also jeder Vermieter muss sich eben noch den Strom aus dem Netz besorgen. Man hat so zwischen 40 und 70 Prozent Autarkiegrad, also wie viel im Haus verbraucht wird.
Innovative Lösungen
Und das umzusetzen, alle Stromversorger sind im Einfamilienhaus unterwegs, die kennen diese Prozesse gar nicht. Und da haben wir uns wirklich hingesetzt und mit zwei Stück jetzt das ausgearbeitet, standardisiert, um das den Vermietern anbieten zu können. Und da gibt es auch Punkte, was auch auf den Markern ein bisschen technisch jetzt virtuelles Konzept.
Also die waren immer physisch, du hast wirklich einen Zähler gebraucht. Jetzt kannst du das virtuell machen. Und dann sind wir wieder auf die Netzbetreiber zu und haben gesagt, so, jetzt gibt es ein virtuelles Modell, das kann man virtuell abbilden. Dann waren die so, oh, was neu? Und dann haben wir das mit denen wieder ausgearbeitet.
Regionale Unterschiede
Also wir machen wirklich auch Workshops mit den Netzbetreibern, um das denen zu erklären. Also wir sind wirklich da auch ein Treiber und da gibt es ganz verschiedene Punkte sozusagen. Gibt es regionale irgendwelche Unterschiede? Also ihr arbeitet deutschlandweit, glaube ich, ne? Ja, genau. Gibt es da irgendwelche Spezialitäten? Ne, das ist wahrscheinlich Strom ist Strom. Strom ist Strom, genau.
Netzbetreiber und ihre Herausforderungen
Die Unterschiede sind, wie gut flutscht es durch, sozusagen. Und das ist netzbetreiberabhängig. Wir haben welche, die agieren super, da geht es durch. Das ist super leicht. Manche ghosten uns einfach, schreiben uns nicht zurück. Also das gibt es auch. Also es ist immer so ein bisschen abhängig davon, wer Netzbetreiber ist.
Aber wir haben schon auch Cluster. Also wir haben viele Projekte in Berlin, Hamburg, in Baden-Württemberg. Da ist ja auch Solar schon sehr lange ein Thema. Das ist in Deutschland glaube ich gar nicht so. Aber Baden-Württemberg ist eines der Treiber auch der Energiewende in diesem Thema. Das heißt, da haben wir sehr viele Anlagen. Es gibt viele Energiegenossenschaften, die sich diesem Thema annehmen so in der Umsetzung.
Motivation für Klimaschutz
Aber von den Regeln her ist das deutschlandweit gleich. Dieses Thema umzusetzen, das ist ja auch ein Aspekt finanziell von Spahn, aber auch eben Energiewende, Ökologie, Klimaschutz. Wie sehr hast du das Gefühl, dass da Klimaschutz für die Leute auch mit drin steckt? Wo kommt die Motivation her, zu sagen, ich mache jetzt Mieterstrom? Ja, die ist ganz unterschiedlich. Das ist echt ganz spannend, auch so ein bisschen je nach Kunde.
Also man hat zum Beispiel Wohnbaugenossenschaften, wo wir echt viele Kunden haben. Und da ist wirklich auch dieses Thema ESG-Kriterien, langfristige Mieterbindung, Nachhaltigkeit echt ein super zentrales Thema, weil das sozusagen im Gesamtkonzept, im genossenschaftlichen Konzept auch wirklich reinpasst und auch eine super Sache ist.
Regulatorische Motivationen
Also das hat man. Man hat regulatorische Motivationsfaktoren. Also in Baden-Württemberg oder in vielen Bundesländern Deutschlands hat man PV-Dachpflichten. Also man muss das eben machen. Oder zum Beispiel auch in Baden-Württemberg auf Dachsanierungen. Also es gibt so einen gesetzlichen Druck oder Motivation, das zu machen.
Und dann gibt es eben eine Gruppe, die neben den ökologischen auch die finanziellen Vorteile sehen und sagen, naja, ist ein Win-Win für mich. Ich vermiete die Wohnung eh, dann kann ich da auch noch eine Rendite erzielen und habe noch was Gutes für meinen Mieter gemacht.
Fazit
Und in der Summe, und das ist was, wo ich wirklich voll dahinter stehe. Es ist ein ökonomisch, soziales und ökologisches in sich stimmiges Konzept. Und das haben wir jetzt auch mit über zweieinhalbtausend Projekten bewiesen. Und das ist wirklich einzigartig. Also oft hat man dann eben Modelle oder Geschäftsmodelle, die dann sehr sozial sind, aber vielleicht eher auf Förderungen basieren, aber gar nicht im Sinne in sich kohärent dann auch in unserem Umfeld wirtschaftlich funktionieren können.
Und wir machen das. Also wir haben es geschafft, ein Modell zu etablieren, das quasi wirklich eine Win-Win-Win-Situation, ökologisch, Gebäudebestand, CO2-Reduktion, soziale Energiewende, ein Riesenthema von uns eben ermöglicht, aber auch in einem ökonomisch sinnvollen Modell. Also ich sage immer, das Gebäude muss eine Rendite erwirtschaften. Nur dann kann ich dem Mieter einen günstigeren Preis geben. Also das funktioniert anders.
Und Vermieter haben auch den ökonomischen sozusagen Anreiz, das zu machen. Aber es gibt auch Genossenschaften, die sich zusammentun von verschiedenen Mietern, sowas auf die Beine stellen. Es gibt da verschiedene Logiken, die man umsetzen kann. Das sagt Julian Schulz. Er hat 2021 das Green Tech Startup MieterGrid gegründet und arbeitet daran, Solarstrom in Mietshäuser und Quartiere zu bringen. Ganz vielen Dank für die Eindrücke aus eurer Arbeit und das interessante Gespräch. Vielen Dank für die Einladung. Hat mich sehr gefreut.
Und das war’s für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm.
Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch gern ein Abo da und teilt den Podcast mit Menschen, die sich für Klimathemen interessieren könnten.
Produziert hat diese Folge Benjamin Serdani. Und die Redaktion hatte ich. Ich bin Ina Lebedjew und sage danke für eure Aufmerksamkeit.
Macht’s gut, bis hoffentlich nächste Woche. Tschüss!
Mission Energiewende!
Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.