Elektronik, Klamotten, Lebensmittel – der Online-Handel in Deutschland boomt. Es werden immer mehr Pakete verschickt. Nach Zahlen des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 4,37 Milliarden Kurier-, Paket- und Expresssendungen versendet. Und dafür werden natürlich unfassbar viele Pappschachteln, Kartons und Kuverts gebraucht.
Wie kann Versand nachhaltiger gehen? Das schauen wir uns heute an. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew. Schön, dass ihr mit dabei seid.
Mission Energiewende
Mission Energiewende – der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.
Ich gebe es zu, ich habe online eingekauft für mich und bin dabei auf eine wiederverwendbare Versandbox gestoßen. Je mehr ich dazu gelesen habe, desto spannender fand ich das Thema und wollte noch mehr darüber wissen. Deshalb bin ich jetzt mit Frank Schmeling verabredet. Er ist Vorstandsvorsitzender der Memo AG. Seit 20 Jahren arbeitet er dort. Zunächst hat er die Logistik geleitet, später kamen dann noch die Bereiche Marketing und Vertrieb dazu.
Er und sein Team haben eine wiederverwendbare Versandbox entwickelt. Wie man sowas anstellt, das kann ich ihn jetzt fragen. Herr Schmeling, willkommen im Klima-Podcast von detektor.fm.
Die Memo Box
Hallo, Frau Lebedjew. Kurze Verbesserung: Ich bin seit 30 Jahren in der Memo. Oh wow, okay, dann habe ich mich verrechnet. Ja, umso besser! Dann sind Sie ja einfach jemand, der sich wirklich gut auskennt.
Bevor wir aber in die Tiefe gehen und den Hintergrund Ihres Systems beleuchten, würde ich erst mal fragen: Wie funktioniert diese Box, von der ich jetzt gerade schon erzählt habe?
Das ist ein ganz einfaches System. Der Kunde muss sich aktiv dafür entscheiden, zu sagen: „Ich will meine Ware in der Memo Box haben.“ Wir haben drei verschiedene Größen in der Memo Box. Der Kunde muss beim Kauf sagen: „Ich will das Ding in der Memo Box haben.“ Wir entscheiden dann – also wir, das ist unsere Software – die entscheidet dann, ob die Ware, die er bestellt hat, auch in der Memo Box zu verschicken ist.
Dann verschicken wir das Ding in der Memo Box. Die Box wird dem Kunden auf sein Konto belastet und erscheint die Box nicht innerhalb von drei Wochen wieder bei uns, erinnern wir den Kunden daran, dass er noch eine Box vor uns hat. In der Regel schickt er uns die Box dann zurück. Allermeisten sagt er dann: „Ui, ich habe den Paketaufkleber verlegt.“ Wir legen zwei Paketaufkleber bei, mit denen der Kunde das gut zurückschicken kann.
Meistens sagt er dann: „Die habe ich verlegt, die sind nicht mehr da. Könnte er uns einen neuen schicken?“ Dann tun wir das und dann haben wir unsere Box wieder da. In den seltenen Fällen sagt der Kunde: „Die Box ist so praktisch, ich würde sie gerne behalten.“ Er kriegt eine Rechnung von uns und die Box gehört ihm.
Ein einzigartiges Versandsystem
Jetzt habe ich meine Box wieder abgegeben und im Supermarkt an der Annahmestelle hieß es dann: „Ach, sowas geht inzwischen auch schon?“ Das war so die spontane Reaktion auf diese grüne Kiste. Wie einzigartig und wie besonders ist denn Ihr Versandsystem?
Also ich weiß von niemandem, der ein solches System flächendeckend in Deutschland bei Privatkunden einsetzt. Wiederverwendbare Transportverpackungen gibt es natürlich ganz viele im Business-to-Business-Geschäft schon, wo man regelmäßig die gleichen Kunden bedient und dann die Boxen wieder zurückkriegt. Aber so wie wir das machen, kenne ich es nicht.
Es gibt verschiedene Modelle, wo man das mit Plastiktüten versucht hat, Repack und so weiter, die aber meines Wissens auch alle nicht richtig funktioniert haben. Jetzt weiß ich ja aus eigener Erfahrung und Sie haben es ja eben beschrieben: Sie stellen Ihren Kunden frei, ob sie diese Versandbox, diese Mehrwegbox nutzen wollen oder ob sie eine herkömmliche Pappkiste zum Versand bekommen möchten.
Wer sind erstmal Ihre Kunden vorrangig und wie wird das angenommen? Wie hat sich das entwickelt?
Also unsere Kunden sind hauptsächlich noch Business-Kunden, also Geschäftskunden. Da sind wir etwa so bei 70 Prozent, 30 Prozent sind Privatkunden. Und die Box wird von Kunden hauptsächlich gewünscht oder mehr von Stammkunden. Ich habe so das Gefühl, dass die neuen Kunden ganz oft dem System nicht trauen, weil wir ja den Leuten immer sagen: „Das kostet euch nichts.“
Also Stammkunden, die die Memo schon ein Stück weit kennen, die nehmen die Box lieber oder öfter. Und wir sind etwa bei 26 Prozent unserer Sendungen, die Memo Box fähig sind, und die werden auch in der Memo Box verschickt. Memo Box fähig heißt natürlich, es passt ja nicht alles rein. Wir verschicken Stühle, Tische, Möbel – die passen natürlich nicht in die Memo Box und die können wir dann auch nicht mit der Memo Box verschicken.
Der Weg zur Nachhaltigkeit
Jetzt interessiert mich natürlich, wie Sie das gemacht haben. Ihre Versandbox, die ist mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet worden. Die Jury hat mit dem Preis, so habe ich es gelesen, vor allem die Transformationsleistung im Unternehmen gewürdigt. Jetzt interessiert mich natürlich: Wie macht man sowas? Was hängt da alles dran? Also welche Schritte mussten Sie gehen? Wo haben Sie überhaupt angefangen, um das zu machen?
Jetzt gehen wir weit zurück. Ja, 2008 hat die Deutsche Post – und ich sage absichtlich Deutsche Post, weil es war noch die Deutsche Post damals – ihre Postbox eingestellt. Die Deutsche Post hatte von 1998 bis 2008 die Postbox als wiederverwendbare Transportverpackung als Poolsystem Kunden angeboten. Da waren wir von Anfang an dabei. Da waren wir ein sogenannter Erstkunde, mit dem wir das Ganze dann auch getestet haben.
Und als sie das eingestellt haben, habe ich gesagt, dass eigentlich jetzt die Zeit ist, um eine wiederverwendbare Transportverpackung zu haben. Und da die Post das aber nicht mehr gemacht hat und uns aber die Restbestände an der Postbox verkauft hat, haben wir einen großen Teil für viel Geld Bestände gekauft damals.
Die gelben Boxen haben wir das Posthorn runtergemacht und haben unser eigenes System geschaffen. Diese gelbe Box, die ist sehr gut gelaufen. Ich habe ja vorhin gesagt, dass wir sie auch an Kunden verkauft haben. Wir haben dann 2012, glaube ich, das erste Mal eine eigene Charge aufgelegt, wo wir dann Boxen nachproduziert haben.
Wir haben genau die gleichen Boxen, das gleiche System nachproduziert, aber natürlich in einer anderen Farbe, nicht mehr in Gelb, sondern in Grün. Und 2014 ist dann unser Nachhaltigkeitsmanager, als wir wieder bestellen mussten, hat er die Idee gehabt zu sagen: „Wir machen es nicht mehr aus Frischgranulat, sondern wir machen es aus Recyclinggranulat.“
Das ist im Grunde genommen das, was sie im gelben Sack sammeln. Da haben wir damals mit Interzero einen Partner gefunden, der uns ein Granulat zur Verfügung gestellt hat. Und der Hersteller von den Boxen hat uns das Ding dann in Recyclinggranulat zur Verfügung gestellt. Deshalb ist auch die Farbe heute etwas kräftiger, etwas dunkler als die allerersten grünen Boxen. Und heute sind unsere Boxen im Grunde genommen aus dem gelben Sack hergestellt und auch wieder recycelbar.
Entwicklung und Herausforderungen
Worauf muss man denn sonst noch achten bei diesen Boxen? Also ich habe in kurzen Videos gesehen, dass die Deckel stapelbar sind, dass die Boxen ineinander stapelbar sind. Sie haben gesagt, es gibt drei Größen. Wie haben Sie das alles entwickelt? Wenn Sie sagen, Sie sind mit einer einfachen Postbox gestartet, die steht auch hier hinter mir im Büro, auf jeden Fall irgendwo mit im Regal. Wie haben Sie es gemacht?
Schwierig war natürlich die Software. Die Software so weit zu kriegen, dass sie erstens mal dem Kunden im Bestellprozess sagt: „Du kannst das bestellen in der Memo Box, du musst es aber aktiv auswählen und du musst, wenn du sie nicht zurückschickst, einen Preis dafür bezahlen.“ Sie dürfen ja niemandem einfach eine Rechnung schicken über irgendwas, was er nicht bestellt hat.
Also er muss von Anfang an wissen, was da auf ihn zukommt. Und dann auch das ganze Thema buchen: Also die Box einem Kundenkonto zu buchen und wenn sie zurückkommt, einem Kundenkonto wieder abbuchen. Und auch mit den Dienstleistern reden, dass sie das Ding befördern für uns, voll und leer, dass sie es beim Kunden wieder zurücknehmen.
Aber da haben wir mit der DHL damals schon jemanden gehabt, der das sehr gut mit uns zusammengearbeitet hat und das dann auch funktioniert hat. Aber die wirkliche Herausforderung ist die Software.
Technische Lösungen
Und das heißt, wie haben Sie das gelöst? Also das programmiert man dann einfach? Ja, ich sage einfach. Die Programmierer sagen was anderes. Wir haben eine eigene Programmierabteilung hier mit fünf Softwareentwicklern und da haben wir uns schon eine ganz schöne Zeit hingesetzt und haben da die Köpfe zusammengesteckt, bis wir die Lösung so hatten, dass sie halt auch praktikabel ist.
Es macht ja keinen Sinn, irgendwas zu entwickeln, was hochkomplex ist, wo dann im täglichen Geschäft die Leute, die die Pakete packen, nicht mehr mit klarkommen, sondern das muss alles von alleine funktionieren. Und der Kunde muss auch wissen, was er zu tun hat. Das ist nämlich die nächste Herausforderung, dass er dem Dienstleister, also dem Fahrer, der das Paket zustellt, und auch dem Kunden – die müssen ja wissen, was sie zu tun haben.
Das müssen sie denen ja irgendwie mitteilen. Und das muss so einfach wie möglich gehen. Und das sind die Herausforderungen.
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Logistik und Bestände
Und wie ist das? Wie viele Boxen müssen Sie vorhalten? Wie viele haben Sie da? Und wie funktioniert das für die Leute? Sie haben es gerade angesprochen, die, die die Sachen packen. Hat sich da viel verändert?
Wir haben einige tausend Boxen immer hier. Müssen wir ja auch, weil wir natürlich – ich habe es ja schon gesagt – wir verschicken am Tag ungefähr 250 bis 300 Boxen. Wir haben vier Wochen, bis die Boxen zum Schluss wieder bei uns sind. Also wir müssen schon richtig viele Boxen vorhalten.
Und sie haben natürlich auch einen Wiederschaffungsprozess. Sie müssen ja das Granulat bestellen, weil es wird ja nur für uns in der Farbe gemischt. Sie müssen danach die Boxen bestellen. Also Sie haben da schon einen massiven Vorlauf, wo Ihr Einkauf sehr genau aufpassen muss, dass Sie nie out of stock gehen mit den Boxen.
Also wir haben einige tausend, 20.000 Boxen haben wir immer mindestens da liegen. Und wir haben auch Kunden, die bei uns ja die Boxen kaufen. Also wir verkaufen die ja auch. Wenn jemand sagt: „Hey, ich will sowas auch. Ich habe eine Filialbelieferung mit vier oder fünf oder sechs Filialen und das geht mir gegen den Strich, dass ich da jeden Tag Kartons hinschicke. Ich würde gerne das mit der Memo Box machen.“
Dann kaufen die die bei uns und verschicken ihr eigenes Zeug in der Memo Box. Also wir haben schon immer mindestens 20.000 Boxen hier bei uns stehen.
Branchen und Kooperationen
Ich habe am Ende meines Studiums im Buchhandel gearbeitet und muss gerade daran denken, dass es auch da solche wiederverwendbaren Kisten gab. Gibt es irgendwelche Branchen, mit denen Sie kooperieren, sich austauschen oder irgendwie sich besprechen, um zu gucken, wie können wir das System verbessern, sukzessive?
Also wir haben aktuell keine Branchen, mit denen wir sprechen. Wir haben aber zu Anfang mit einigen Branchen, als wir angefangen haben, einige auf uns zukommen haben, gesagt: „Können wir das für uns adaptieren? Können wir da irgendwas mit machen?“
Da gab es ein paar Versuche, zum Beispiel auch mit einem Weinhändler, dass wir ein Inlay bauen, wo wir dann Weinflaschen reinbringen. Aber das ist alles viel zu aufwendig gewesen. Das haben wir alles wieder gelassen. Heute machen wir das so mit unserer Memo Box zum Kunden und wieder zurück. So einfach wie möglich. Also es gibt keine Gespräche in dieser Form aktuell.
Rückblick und Ausblick
Sie haben jetzt gesagt, 2008 hat das angefangen. Das ist jetzt ja auch einfach schon eine sehr lange Zeit, in der Sie diese Erfahrungen gemacht haben. Gibt es irgendwas, wo Sie sagen: „Das haben wir so nicht kommen sehen“ oder „Das war ganz anders, als wir uns das gedacht hatten?“
Also ganz am Anfang gab es da schon Themen. Die Postbox, wenn man sich da mal kurz dran erinnert, die Postbox ist – der Postbote hingefahren und hat dem Kunden das Ding hingehalten und der musste sie auspacken. Also der musste immer warten und der Kunde musste es gleich auspacken.
Da hatten wir immer Probleme, dass die Kunden dann keine Zeit hatten und die Box dann stehen geblieben ist. Hatten immer Probleme. Als wir unser eigenes System dann eingeführt haben, war es genau umgekehrt. Der Postbote hat die Box dagelassen, weil er die Zeit nicht hatte, um zu warten.
Und dann gab es immer das Problem, dass die die Box gleich wieder mitnehmen wollten. Das war so am Anfang, wo ich mir gedacht habe: „Das kann ja gar nicht sein.“ Erst hatten wir das Problem des gleich wieder Mitnehmens und danach haben wir das Problem des Darlassens. Also das war so am Anfang das skurrilste Thema.
Nachhaltigkeit im Handel
Und Sie kümmern sich um nachhaltigen Handel, also nicht nur im Versand, auch in den Produkten, mit denen Sie arbeiten. Was bringt Sie dazu, sich auf dem Gebiet rumzutreiben, sozusagen?
Naja, die Memo ist 1990 gegründet worden und ist damals gegründet worden von vier Studenten, die sich dem Thema ökologischer Versandhandel verschrieben haben. Also das war der Grund, die Memo zu gründen.
Also die Memo ist nie auf die Idee gekommen, sich jetzt dem Thema Nachhaltigkeit zu verschreiben, sondern sie ist gegründet worden als ökologischer Versandhandel. Also die ist von Anfang an genau so entstanden. Und das ist, glaube ich, auch der große Unterschied zu ganz vielen anderen, die halt heute sagen: „Naja, dann Nachhaltigkeit machen wir halt auch so ein bisschen“ oder „Wir machen dort noch ein bisschen Nachhaltigkeit, da machen wir eine grüne Seite“ oder „Wir ändern jetzt was und machen mehr Nachhaltigkeit.“
Sondern wir sind von Anfang an nur mit diesem Thema gestartet.
Risiken und Herausforderungen
Wie ist das denn? Also warum steigen Sie nicht komplett auf die Versandbox um? Ist das ein zu großes Risiko? Machen da zu wenig Leute noch mit?
Naja, das können wir ja nicht. Ich habe Ihnen ja vorhin gesagt, dass der Kunde aktiv sagen muss, dass er die Memo Box will. Weil wenn er sie nicht zurückschickt, kriegt er eine Rechnung von mir. Und ich kann niemandem eine Rechnung schicken, der etwas nicht bestellt hat. Und die großen Teile sind auch dabei. Und die großen Teile passen nicht rein.
Hat es viel Mut gebraucht, um diesen Prozess anzustoßen oder ihn auch weiterzuführen? Gab es irgendwann mal Stellen im Prozess, wo Sie sagen: „Man, eigentlich würde man hier jetzt doch lieber den Kopf in den Sand stecken oder die Flinte ins Korn?“
Also da gab es natürlich mehrere Momente. Also der erste Moment war, dass wir 85.000 Euro in die Hand nehmen mussten, netto, um die Boxen zu kaufen. Also wir haben erstmal Boxen für 85.000 Euro gekauft, ohne zu wissen: Klappt das denn überhaupt, was wir vorhaben?
Weil die Post – und das ist ja der größte Logistikdienstleister der Welt – hat gesagt: „Wir geben das auf und wir sagen, wir machen das.“ Also da war schon ein großes Risiko, so viel Geld in die Hand zu nehmen und dann die ganzen Systeme so umzustellen.
Die Leute davon bei uns hier davon zu überzeugen, dass sie jetzt diesen zusätzlichen Schritt machen müssen, also dass sie Pakete packen müssen in Boxen oder in Kartons, das Ganze wieder zurücknehmen, die Gespräche mit den Dienstleistern führen – also das war schon teilweise besonders.
Unterstützung für nachhaltigen Versand
Sie haben vorhin gesagt, also wenn man die Box am Ende nicht kauft, dann entsteht einem auch kein zusätzlicher Kostenaufwand. Also man bezahlt einen normalen Versand, soweit ich weiß, und nicht mehr dafür, dass man das Mehrwegsystem benutzt. Wie haben Sie das zum Laufen gekriegt? Wie kriegen Sie das hin?
Also wir machen bis heute keine Extrakosten für einen Kunden, der die Memo Box bestellt, weil wir immer gesagt haben: „Wir müssen das unterstützen, dass die Leute nachhaltig agieren.“ Das war von Anfang an unser Thema.
Ob wir das auf Dauer durchhalten, das kann ich Ihnen heute nicht sagen, weil die Kosten für Transport, die sind ja schon extrem gestiegen. Also kann durchaus sein, dass wir dann irgendwann sagen müssen: „Wir müssen ein Obolus verlangen in irgendeiner Höhe.“ Aber das haben wir bis heute so hingekriegt, dass wir es ohne zusätzlichen Kosten machen.
Und es war halt einfach unsere Überzeugung zu sagen: „Wir müssen nachhaltigen Versand unterstützen.“
Persönliche Motivation
Jetzt machen Sie das einfach schon seit Jahrzehnten. Was begeistert Sie persönlich daran? Was hält Sie am Laufen bei dem Thema?
Persönlich begeistert mich, dass man etwas schafft, etwas umsetzt, wo andere sagen: „Das geht nicht, das kannst du nicht machen.“ Wo andere, die mit viel Geld agieren, das einfach nicht auf die Reihe kriegen. Und wir kriegen das hin als kleiner Laden.
Wir machen das und wir stehen dazu und wir machen das schon so lange. Und das ist eigentlich mein Antrieb, dass wir sagen: „Wir machen nicht immer nur 0815 und egal, was nach uns kommt, sondern wir versuchen, die Dinge so zu machen, dass sie einfach eine Zukunft haben, dass alles seine Zukunft hat.“ Das ist unser Antrieb.
Zukunftsprojekte
Stichwort Zukunft: Gibt es irgendwelche Projekte, Erweiterungen oder Sachen, die ich jetzt nicht sehen kann, nicht wissen kann, wo Sie sagen: „Das wird spannend mit Blick auf die MemoBox oder auf andere Prozesse in Ihrem Unternehmen, die Sie transformiert haben?“
Also es gibt natürlich immer den Antrieb, Dinge weiterzutreiben. Auf unserem Thema Nachhaltigkeit gibt es ganz viele, was Produkte angeht. Da gehe ich jetzt nicht drauf ein. Aber die MemoBox gibt es durchaus, Nachhaltigkeit, Verpackung gibt es durchaus.
Auch eine neue Entwicklung, wo wir jetzt versuchen mitzumachen, wo wir versuchen, dabei zu sein, das voranzutreiben. Das ist nämlich ein wiederverwendbarer Transportkarton. Da haben wir einen Partner und da versuchen wir, Kartons die wir verschicken, mit einem Barcode zu versehen.
Und der Karton kann dann an einer Sammelstelle abgegeben werden und geht dann zurück, wird dort sortiert und wird dem Versender wieder zur Verfügung gestellt. Das ist gerade so eine Sache, wo wir dabei sind. Und in dem Zusammenhang wollen wir mit dem Partner versuchen, ob wir unsere MemoBox in dieses System auch hineinkriegen.
Ökobilanz der MemoBox
Also das ist gerade so eine ganz super spannende Sache. Gibt es noch irgendwas, was ich Sie nicht gefragt habe, wo Sie sagen: „Das gehört zu dem Thema auf jeden Fall noch dazu?“ Könnte sein, muss nicht.
Vielleicht wäre interessant für Ihre Zuhörer zu hören, dass wir eine Ökobilanz gemacht haben. Ist denn die MemoBox wirklich ökologischer als der Faltkarton? Das ist die MemoBox ab 35 Umläufen. Wenn wir Recyclingmaterial einsetzen, ab 35 Umläufen etwa ist die MemoBox ökologischer.
Wir haben MemoBoxen heute mit über 280, 270 Umläufen. Wir haben in den fast 20 Jahren, wo wir die MemoBox einsetzen, ein einziges Mal Boxen zum Recycling gebracht. Die sind ja komplett recycelbar und haben dort das wieder in Zuckernulat gemacht und könnten da wieder neue Boxen draus machen.
Aber das haben wir natürlich nicht in unserem Kreislauf, da sind es zu wenige, sondern die sind dann wieder in den ganz normalen Kreislauf eingelaufen. Aber das ist auch immer etwas, was wir oft gefragt werden: Ist es denn wirklich ökologischer als ein Karton? Weil sie muss ja zurücktransportiert werden.
Das kommt auf die Umläufe an und unsere MemoBox, wie gesagt, die macht viel mehr Umläufe, als sie müsste. Das Einzige, was der Menge an Umläufen im Wege steht, ist, dass ein Kunde sie behält und sie dann nicht mehr in den Umlauf geht.
Das sagt Frank Schmeling. Er ist Vorstandsvorsitzender der Memo AG, dem Unternehmen, das ein Mehrwegversandssystem entwickelt hat. In der Branche Konsumgütergroßhandel wurde das Konzept mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet.
Abschluss
Ganz herzlichen Dank für das Gespräch und für die Einblicke in Ihre Arbeit. Gerne geschehen. Vielen Dank dafür, dass ich da sein durfte und was über die MemoBox erzählen durfte.
Und das war es für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch ein Abo da und schickt den Link zu dieser Folge an eine Person in eurem Umfeld weiter, die uns noch nicht entdeckt hat. Vielen Dank!
Liebe geht raus ans Team. Audio produziert hat diese Folge Clemens Möller. Vielen Dank dafür. Und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Danke auch fürs Zuhören. Wir sind nächste Woche wieder da. Seid dabei, wenn ihr mögt. Ciao, macht’s gut. Tschüss!
Mission Energiewende – der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom.