Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber je öfter wir Hitzewellen, Schneechaos, Hagel oder Starkregen erleben, desto öfter geht es im Alltag darum, wie wir sinnvoll heizen, lüften oder eben kühlen können. Ich habe den Eindruck, dass diese Themen in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden sind, dass wir darüber diskutieren, uns austauschen, Tipps weitergeben. Und darum geht es irgendwie auch in dieser Folge und um vieles mehr.
Ihr hört den Klima Podcast von detektor.fm und ich bin Ina Lebedjew.
Mission Energiewende
Der detektor.fm Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 Prozent Ökostrom. Carsten Herbert war Energieberater, er ist YouTuber und Buchautor. Als Gründer eines Ingenieurbüros hat er mehr als 20 Jahre lang Hausbesitzer zur energetischen Modernisierung beraten. Er sagt, Energiesparen und Klimaschutz sind seine Mission.
Als Energiespar-Kommissar bespricht er im Netz wichtige Fragen rund ums Energiesparen im Haus und in der Wohnung und gibt Tipps und Ratschläge. Hallo Carsten, willkommen im Klima Podcast von detektor.fm. Hi Ina, ja vielen, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Ja, ich mich auch.
Energiesparen und Tipps
Du schreibst, Energiesparen war noch nie so wichtig wie heute und gibst, ja habe ich gerade gesagt, Menschen auf YouTube Tipps, wie es richtig geht. Du sprichst in deinen Videos zum Beispiel über Wärmepumpen, Solarstrom, Energiesparbrausen in der Dusche oder das richtige Lüften. Welcher ist denn dein, ich sage mal, wertvollster Rat, auch in diesen Zeiten?
Ja, also ich bin ja mein ganz großer Freund davon, wenn man erst mal wenig ausgeben muss und trotzdem in irgendeiner Form einen großen Impact hat, also trotzdem eine große Einsparung erzielen kann. Und da gibt es tatsächlich einen Tipp, an dem kommt niemand vorbei. Der gilt leider nicht für alle, aber es gilt für die, die in irgendeiner Form eine Heizung zu Hause haben, die man einstellen kann.
Weil die Heizung, die wir heute in unseren Häusern und Wohnungen haben, die haben eine Funktion. Man kann die also genau auf das entsprechende Klima anpassen, dass nur so viel Wärme produziert wird, wie am Ende in der Wohnung gebraucht wird, damit wir unsere Wohlfühltemperatur haben. Und diese Funktion der Heizung wird allerdings zu 70 bis 80 Prozent, schätzt man, überhaupt nicht genutzt. Das heißt, die Heizungen produzieren sehr viel mehr Energie, als am Ende gebraucht wird. Und das verursacht natürlich auch zusätzliche Verluste.
Und wenn das jetzt nur so zwei, drei Prozent wären, dann wäre das ja erst mal ich sage mal nicht schlimm und kein großes Ding. Aber das kann tatsächlich immer in einer Größenordnung von 5, 10, 15 und in Einzelfällen sogar über 30 Prozent gehen, die man mit einsparen kann. Und 30 Prozent, das sind wir in einer Größenordnung von Einsparpotenzialen von Dachdämmung, die dann viele 10.000, manchmal 100.000 Euro kosten. Und deswegen ist die Einstellung, die optimierte Einstellung einer Heizungsanlage so ein Lieblingstipp.
Energiepreise und Herausforderungen
Aber jetzt sind wir ja auch in Zeiten, wo Energiepreise, Lebensmittelpreise, also das Leben ist einfach so teuer geworden. Wieso machen wir dann, wenn wir da so einen großen Hebel haben, warum machen wir das so falsch? Was ist das Problem?
Ja, das sind verschiedene Ebenen, auf denen es passiert. Erstens, wir kommen aus einer Zeit, in der Energie eben nicht so sehr teuer war. Seit den 90er Jahren über die Nullerjahre hinweg und so. Wir hatten kaum Energiekrisen, so wie wir es jetzt im Moment mehrfach erlebt haben. Das heißt, Energie war über viele Jahre und Jahrzehnte gleichbleibend teuer. Und damit ist sie eigentlich gefühlt immer billiger geworden. Weil wenn man jetzt mal die Inflation noch mit rausrechnet.
Und das hat dazu geführt, dass das Thema Energie und Energieversorgung, Energiekosten, so bei vielen Menschen so ein bisschen aus dem Fokus gerückt ist. Jetzt ist es aber nicht mehr so. Wir haben jetzt eine ganz neue Situation. Energie wird extrem teuer. Die Energiekrisen, ich habe es eben schon gesagt, die spielen da auch eine große Rolle. Und es gibt aber auch noch so eine Transformation hin zu einer neuen Energieversorgung. Und auch da spielt es eine ganz, ganz große Rolle. Und deswegen rückt das jetzt ein bisschen stärker in den Fokus.
Das ist das eine. Also günstige Energiepreise der Vergangenheit. Und das Zweite ist, es gibt auch so ein paar strukturelle Probleme in Bezug auf, warum stellen wir unsere Heizung nicht ein. Wir verlassen uns eigentlich, wenn wir eine Heizung kaufen, neu einbauen lassen, dass die Profis sich darum kümmern. Und bei der Heizungseinstellung ist es aber leider so, der Profi oder die Profis können sich gar nicht darum kümmern, denn sie müssten mehrfach im ersten Jahr, wenn das Ding eingebaut wird, die neue Heizung, müssten die kommen bei verschiedenen Außentemperaturen, die diese Optimierungen vornehmen.
Also wir können das nicht an einem Tag oder in einer Stunde machen, wenn die Heizung irgendwann fertig ist, sondern wir brauchen zusätzliche Termine. Die kosten Geld, sind erklärungsbedürftig. Und das hat dazu geführt, dass es eben eine komplexe Sache und auch eine teure Sache ist, dass wir uns gesellschaftlich darauf geeinigt haben, dass die Anlagen nicht optimiert werden. Es gibt natürlich immer eine kleine Gruppe von Menschen, denen ist es bewusst, dass die Heizung das kann und die machen das dann selbst. Die ist aber eher so klein, so 20, 30 Prozent und eben nicht der Großteil der Hausbesitzenden.
Mieter und Heizungsanpassungen
Das geht aber wirklich nur für Hausbesitzende und nicht für Mieter, oder? Ja gut, es gibt auch Mietsituationen, wo wir so etwas wie eine Gasetagenheizung haben. Grundsätzlich würde es da auch gehen, dass die Systemtemperatur, also die Temperatur, die zum Heizkörper geschickt wird, in irgendeiner Form reduziert wird, wenn die zu hoch wäre. Das muss man natürlich immer mit den Vermietern und Vermieterinnen absprechen, dass man das auch machen darf, weil grundsätzlich ist es machbar.
Ich musste da gerade, also ist wahrscheinlich komplett, wirst du mir gleich sagen, Äpfel mit Birnen vergleichen, aber ich musste gerade an unseren Warmwasserboiler denken. Wir haben so ein Gerät in der Küche unterm Waschbecken und mir ist irgendwie nach fünf Jahren aufgefallen, dass man das Temperaturrädchen ja runterdrehen kann, also dass man sich nicht beim Heißwasser irgendwie komplett die Hände verbrennen muss. Genau, das ist eine ähnliche Situation.
Also auch da kann man im Prinzip das an den eigenen Bedarf anpassen. Es gibt auch, stimmt, das ein oder andere Waschbecken, wo es vielleicht überhaupt nicht erforderlich ist, dass warmes Wasser gebraucht wird. Dann könnte man das Ding sogar ausschalten oder zumindest während der Abwesenheit im Urlaub oder so komplett runterdrehen. Das würde tatsächlich gehen und es würde nichts kosten und trotzdem einen enormen Einspareffekt erzielen.
Verhaltensänderung und Energieeinsparung
Studien zeigen ja, dass Menschen vor allem dann Energie sparen, wenn sie überzeugt sind, dass ihr eigenes Verhalten einen Unterschied macht oder wenn sie eben glauben, das Richtige für die Umwelt zu tun. Alle anderen unterschätzen die Macht, die unsere Entscheidungen haben. Oder ist es eher ein Mythos?
Ja, also Verhaltensänderung ist halt auch immer so etwas, das geht halt ins Persönliche rein. Verhaltensänderung bedeutet, ich muss das, was ich gelernt habe über viele Jahre und Jahrzehnte, mir angewöhnt habe, abtrainieren. Und das ist anstrengend. Und viele Menschen sind nicht bereit oder wenig bereit, das zu tun.
Ich sehe mich deswegen auch als Energieberater schon jeher, seitdem ich in dem Bereich bin, also Anfang der Nuller Jahre, nicht als, ich sage mal, Verhaltenstherapeut, um Energie zu sparen. Also ich suche nicht nach den Suffizienzmaßnahmen oder versuche sie zu erklären. Das machen ohnehin schon viel zu viele. Oder da gibt es ausreichend Tipps zu. Ich versuche also nicht, das Verhalten der Menschen in erster Linie zu ändern, sondern sage, guck mal, es gibt Möglichkeiten, technische Möglichkeiten, mit denen könnt ihr euren Energieverbrauch, euren Energiebedarf herunterfahren, reduzieren, ohne dass ihr euer Verhalten ändern müsst. Das geht einfach so mit wenig oder auch mit gar keinem Geld.
Beispiele für Energiesparen
Hast du da noch mal ein paar Beispiele, wie wir das anstellen können? Ja, du hast vorhin ein wunderbares Beispiel auch schon in der Anmoderation gehabt. Und das ist die Sparbrause. Die ist bei mir immer auch so ein bisschen unter dem Radar gelaufen. Früher als Energieberater bin ich ja gewohnt gewesen, mit den großen Maßnahmen an Gebäuden zu tun zu haben: Dachdämmung, Wanddämmung, Fensteraustausch, Anlagentechnik, die irgendwie erneuert wird und optimiert wird. Ja, das waren ja so meine Themen.
Und damit habe ich mich identifiziert. So die kleinen Maßnahmen, die habe ich erst viel später kennen und schätzen gelernt. Und da gehört die Sparbrause also eine Duschbrause, mit der man Wasserverbrauch reduzieren kann, mittlerweile dazu. Und zwar ganz oben auf der Liste. Du musst wissen, wir haben ungefähr 70 bis 80 Prozent des Wasserbedarfs in einem Haushalt fürs Duschen. Das ist also der größte Warmwasserverbraucher oder beziehungsweise der Bedarf, den wir haben für die Körperhygiene, Duschen.
So, und diese Duschbrausen, die wir heute verwenden, die sind so in der Größenordnung eines Verbrauchs von 12 bis 15 Liter, die da pro Minute durchlaufen. Also das ist natürlich wenig greifbar, aber wie viel ist das? Also 12, 15, so ein Eimer Wasser, anderthalb Liter Wasser kann man sagen. So in die großen Putzeimer, anderthalb Eimer, ne? Genau, so pro Minute, die da durchlaufen. Und einen Großteil dieses Wassers können wir gar nicht nutzen.
Und wenn man jetzt eine clevere Duschtechnik, also Duschbrausentechnik verwendet, wo das Wasser anders verteilt wird, kann man tatsächlich mit der Hälfte des Wassers duschen, ohne dass man es eigentlich merkt. Also wir müssen nicht länger duschen, damit wir sauber werden, sondern wir brauchen nicht doppelt so lange Zeit, um den Schaum aus den Haaren rauszubekommen. Es ist ja quasi ein Podcast, ihr könnt es nicht sehen, aber ich habe lange Haare, ich habe das ausprobiert. Das funktioniert tatsächlich auch mit einer Sparbrause in der selben Zeit, den Schaum aus den Haaren zu bekommen.
Man hat also dasselbe Duschergebnis, einfach nur mit der Hälfte des Wasserverbrauchs. Also anstatt 12 bis 15 Liter brauchen wir dann vielleicht noch 5, 6 Liter, die am Ende da durchlaufen. Wir haben also eine Reduzierung um die Hälfte des Hauptverbrauchs in einem Haushalt für warm Wasser. Ich spreche immer ganz gerne über Rendite. Also selbst wenn so ein Ding die Kosten so zwischen 20 und 50 Euro, so eine Duschbrause, also 20 ist der Standard, 30 hat man schon ein extrem gutes Modell und 50 wäre quasi das absolute Luxusmodell.
Aber selbst wenn ich das Luxusmodell mir anschaue, habe ich eine Rendite von 200 Prozent. Das heißt, im ersten Jahr macht sich diese Investition schon zweimal bezahlt. Die bezahlt sich zweimal zurück. Also in einem halben Jahr habe ich das Geld raus und ab dann verdient das Ding Geld. Ich spreche mir ganz gerne über Rendite, weil Rendite ist ein bisschen greifbarer als Return of Invest. Ich vergleiche das dann mit meinem Sparbuch, wo ich dann 2 Prozent bekomme. 2 zu 200 Prozent, das macht was her. Auf jeden Fall.
Themenauswahl und Recherche
Das hat mich jetzt schon mal irgendwie gecatcht. Schaue ich mir mal an, was wir eigentlich für eine Duschbrause haben. Wunderbar. Jetzt hast du es ja gerade gesagt, die großen Themen hast du früher gemacht. Jetzt auch einfach Energiesparen hat ja irgendwie so endlose Facetten. Also du könntest ja auf deinem YouTube-Kanal kannst du ja irgendwie alles und nichts machen als Themen. Wie entscheidest du denn, was eigentlich als nächstes ansteht?
Ja gut, meistens ist es so, dass ich gleichzeitig an fünf bis zehn Themen arbeite und recherchiere. Bei mir liegen jetzt auf dem Schreibtisch oder auf meinem Zettel, der hier an der Wand hängt, hängen ganz viele Themen, an denen ich jetzt schon arbeite. Weil es ist nicht so, dass ich quasi jetzt habe ich ein Thema fertig, dann fange ich mit dem nächsten an. Sondern ich habe immer Ideen, die schreibe ich mir dann auf.
Und alles das, was im Moment auch so mir gerade, wo das Leben mir irgendwas liefert, wo ich sage, das ist eine gute Gelegenheit, zu dem Thema jetzt noch mal tiefer einzusteigen. Da kann ich hinfahren, kann mir das angucken, weil die macht das gerade. Oder jetzt gibt es gerade eine neue Entwicklung bei dem anderen Thema. Dann nutze ich diese Geschichten. Wenn ich ausreichend Material zusammenhabe, dann merke ich, da bin ich relativ weit bei dem einen Thema. Das bringe ich jetzt zu Ende.
Es gibt also keine Liste, die ich so sklavisch abarbeite, sondern das, was sich am weitesten entwickelt anfühlt, das wird dann irgendwann zu Ende gebracht. Oder manchmal habe ich auch so eine Sache, wo ich sage, krass, das mache ich jetzt mal als ganz schnelles Ding zwischendrin. Das finde ich jetzt irgendwie gerade eine clevere Idee. Da habe ich ausreichend Material von irgendjemandem bekommen. Hatte ich vor Kurzem, kam so etwas auf mich zu, eine Solarmarkise. Hat mir jemand die Idee geschickt. Da dachte ich, krass, der hat dann aber auch ganz viel Filmmaterial zugehabt. Super, dann nehme ich das jetzt einfach mal auf und bastle das als Beitrag so zwischen Reihen mal zusammen. Dann habe ich das auch ganz schnell veröffentlicht.
Wunderbar. Das war eine Sache von einer halben Woche, dann war das durch. Aber sonst dauert es auch ein bisschen länger. Du hast ja gerade gesagt, wenn du an mehreren Themen gleichzeitig arbeitest, ist es wahrscheinlich so wie bei uns im Journalismus, dass man ja nicht einen Anruf macht und dann wartet man drei Wochen, bis sich jemand meldet, sondern in der Zwischenzeit macht man dann noch ein paar andere Themen.
Auf meiner Liste steht im Moment auch schon seit bestimmt zwei Jahren das Thema Fertighaus. Weil Fertighäuser, die haben noch mal so besondere Anforderungen, besondere Themen, die gibt es in anderen Häusern nicht. D.h. das muss man im Prinzip gesondert von den massiven Häusern betrachten. Entsprechend arbeite ich auch schon relativ lang an der Recherche für die Fertighäuser und sammle Filmmaterial. Damit ich Filmmaterial bekomme, muss ich auf Baustellen. Die Baustellen sind aber nicht gerade um die Ecke. Die laufen auch nicht ständig irgendwo direkt, wo ich schnell hinfahren kann. D.h. ich brauche eine relativ lange Zeit, um überhaupt das erforderliche Bildmaterial zusammenzubekommen. Dann kann so etwas auch mal ein Projekt sein, was dann so zwei, drei Jahre dauert, bis es zu Ende gebracht ist.
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Veränderung im Beruf
Du hast mir, bevor wir die Mikros angeschaltet haben, gesagt, du hast so eine Veränderung hingelegt vom Energieberater in deinem Unternehmen, in deinem Ingenieurbüro, hin zum Wissensvermittler und machst jetzt einen ganz anderen Job. Wie ist das alles gekommen?
Ich habe, wie gesagt, schon relativ lange seit 2004 dieses Ingenieurbüro gehabt. Im Jahr 2020, wir erinnern uns noch an Corona, hatte ich damals für das Land Hessen 10 Beratungsstandorte betreut, die aber alle in Rathäusern waren. Wir wissen, Rathäusern durch den Lockdown, die waren alle zu über Nacht. Dadurch hatte ich so zwei Tage die Woche Zeit und hatte die Möglichkeit, mal zu überlegen, wie kannst du diese Zeit nutzen.
Dann habe ich mal recherchiert, was machen Kollegen, Kolleginnen im Bereich Energieeffizienzberatung von Gebäuden in den sozialen Medien. Dann ist mir relativ schnell aufgefallen, bei meiner Recherche, da gibt es nichts. Da war damals noch nichts, was in irgendeiner Form sich konkret mit dem Thema Energieeffizienz in Gebäuden auseinandergesetzt hat. Also weder eine Person noch eine Institution, die das Thema für sich vereinnahmt hat und hat gesagt, das ist unser Thema, das machen wir.
Damals habe ich dann entschieden, dass ich eben diesen YouTube-Kanal, der Energiesparkommissar, entwickeln, also auf ein Konzept geschrieben und habe dann ein Vierteljahr später mein erstes Video hochgeladen. Und aus dieser Sichtbarkeit des Kanals, die sich dann entwickelt hat in Folgemonaten und Jahren, kamen immer mehr Anfragen auf mich zu: Du, du kannst das schon mal ganz gut erklären. Erklär uns doch mal unser Produkt oder kannst du bei uns einen Vortrag halten und so weiter und so fort.
Also es gab sehr, sehr viele Anfragen aus einem ganz anderen Bereich als der eigentlichen Energieberatung. Und die habe ich dann auch forciert. Also mittlerweile bin ich fast ganzjährig als Vortragsreisender unterwegs und erkläre den Menschen Wärmepumpen, Energiesparthemen und so weiter und so fort. Und dann musste ich irgendwann entscheiden, das Büro zu organisieren und das zu machen. Das ist schwierig, das wird mir schwerer.
Und dann habe ich mit meinen Mitarbeitenden die Lösung gefunden, dass die eine Partnergesellschaft gründen und das Büro fortführen im Geiste des alten Chefs. Und ich gehe eben in diesen neuen Bereich des Wissenstransfers hinein und bin jetzt der Energiesparerklärer.
Neue Erfahrungen und Zufriedenheit
Und wie fühlt sich das an? Was ist an dem, was du machst, für dich spannend? Das ist ganz anders. Also jeden Tag nach Darmstadt ins Büro zu fahren, fahre ich jetzt mehrfach im Monat in irgendwelche Städte, die ich meistens noch nicht gesehen habe, vorher und lerne neue, meistens sehr, sehr nette Menschen kennen. Also die Leute, die irgendwie so im Bereich Naturschutz, Klimaschutz, Energieeffizienz unterwegs sind, das sind meistens sehr, sehr nette Menschen, mit denen ich dann auch zu tun habe.
Und das macht mir unheimlich viel Spaß. Also dieser Kontakt zu diesen Menschen und dann aber auch die Veranstaltung, den Kontakt zu den Besuchenden, die dann im Auditorium sitzen. Das ist etwas, was mir sehr gut gefällt, insbesondere dann, wenn ich merke, dass die Menschen was mit nach Hause nehmen.
Also ich hatte jetzt gerade in den letzten zwei Jahren das Thema Wärmepumpen im Fokus. Die Wärmepumpe spielt momentan eine ganz große Rolle bei meinen Vorträgen. Und da gab es ja unglaublich viel Verunsicherung seit dem Gebäudeenergiegesetz, was dann da novelliert wurde und was dann durch die Springer Presse ziemlich auseinandergenommen worden ist. Und diese Verunsicherung lässt die Menschen in meine Veranstaltungen strömen.
Und hinterher merke ich so richtig, okay, denen fällt alle oder ist allen ein Stein vom Herzen gefallen. Und dann passiert es tatsächlich. Also kommen immer ganz viele Menschen nach dem Vortrag auch noch zu mir. Die stehen so in einer riesengroßen Traube um mich herum und haben dann mehrere Fragen, die sie mitgebracht haben. Und dann ab und zu mal ist auch jemand dazwischen, die warten dann eine halbe, dreiviertel Stunde, bis sie dran sind und sagen nur: „Herbert, vielen Dank! Jetzt kann ich endlich wieder gut schlafen“ oder irgendetwas ähnliches, weil das Thema sie umgetrieben hat.
Also die hatten wirklich so Angst, so Zukunftsängste. Was mache ich mit meinem Haus? Muss ich das jetzt abreißen lassen oder ich kann mir das alles gar nicht leisten? Und da ich dann doch für alle in irgendeiner Form auch eine Lösung im Paket habe, gehen alle nach Hause und sind erst mal sehr zufrieden und froh. Und das fühlt sich sehr gut an, das zu spüren.
Wärmepumpe und Erleichterung
Wie machst du das denn, dass du jetzt gerade, wenn du sagst Thema Wärmepumpe, dass du den Menschen so viel Erleichterung mitbringst mit deinen Vorträgen? Also die Wärmepumpe muss man erst mal verstehen, dass es ja kein Hexenwerk ist. Und ich fange da extrem niederschwellig an. Ich fange da erst mal zum Beispiel an: Wie funktioniert die Bezeichnung von der Wärmepumpe?
Ich fange nicht an von Kreisprozessen und irgendwelchen komplizierten technischen Geschichten, sondern erkläre erst mal überhaupt, was bedeutet das: Luftwärmepumpe, Luftwasserwärmepumpe, Wasserwasserwärmepumpe und zeige ein paar Beispiele. Und dann haben die das schon mal kapiert. Ah, okay, habe ich schon ein paar Mal gehört, ja, nie kapiert. Jetzt weiß ich das schon mal.
Dann wird besprochen, was ist überhaupt relevant und warum ist die Wärmepumpe überhaupt so ein Zukunftsheizsystem? Warum glaube ich, dass es tatsächlich das Heizsystem der Zukunft ist, das auf der breiten Fläche wohl die größte Rolle spielen wird? Das versuche ich zu erklären. Und das wird meistens dann auch verstanden, weil einfach es mangelt an Alternativen, die ähnlich großes Potenzial und Möglichkeiten haben und so effizient sind wie die Wärmepumpe.
So, und dann erkläre ich den Menschen noch so, wenn er das Ding einbauen wollte, dann habt er verschiedene Situationen. Die einen haben ein Haus, das ist relativ neu, nach 95 gebaut. Da habt ihr überhaupt kein Problem, könnt ihr einfach loslegen, weil der Wärmeschutz ist schon so gut. Und dann gibt es eine zweite Kategorie, die ist ein bisschen schlechter. Da müsst ihr darauf und darauf achten. Und bei der dritten Kategorie geht ihr so und so vor.
Das heißt, egal in welchem Haus die Menschen wohnen, die haben am Ende eine Idee, wie und was sie bei sich umsetzen können, um in Richtung Wärmepumpe zu gehen. Und die haben schon die ersten, ich sage mal, Skills auch mitgenommen, um ihrem Heizungsbauer, ihrem Fachplaner zu sagen, was sie brauchen und was sie wollen. Und damit gehen die nach Hause und sind auf einmal handlungsfähig, entscheidungsfähig. Und das waren sie vorher nicht.
Und diese Entscheidungsfähigkeit, die sie dann mitnehmen, das führt dazu, dass sie auch wieder so etwas wie eine Selbstwirksamkeit spüren können, weil sie die ganze Zeit nicht hatten. Ich glaube, das führt zu dieser großen Zufriedenheit.
Energiesparen und Nutzung
Selbstwirksamkeit ist ja wirklich auch ein Stichwort. Also generell, dass Leute irgendwie verstehen wollen, wie funktioniert die Welt und wie mache ich das jetzt als Nächstes. Und gerade wenn es dann um so viel Geld geht, dann kann das wahrscheinlich schon schlaflose Nächte bereiten, wenn die Politik diskutiert und immer wieder irgendwie andere Entscheidungen im Raum stehen.
Ja, also ja, genau. Oftmals wird in der Politik oder in der Presse auch eher werden eher die Probleme in den Vordergrund gestellt. Und das habe ich mir zum Eigen gemacht, dass bei mir gibt es keine Probleme, bei mir gibt es immer nur Lösungen. Also wenn ich ein Problem erkläre, dann nur deswegen, damit ich die Lösung nur nacherklären kann. Ansonsten gibt es keine Probleme.
Ich versuche lösungsorientiert ranzugehen, weil kein Mensch interessiert sich für das Problem, sondern die meisten, die interessieren sich für Lösungen. Ja, generell Menschen wahrscheinlich.
These zum Energiesparen
Ich habe noch so eine Frage. Es gibt so eine These, die sagt, dass es eigentlich gar nicht um Energiesparen gehen sollte, dass das so eine Art falsches Framing ist, weil es eher darum gehen müsste, Energie dann zu nutzen, wenn sie da ist. Wie schätzt du das ein? Also ist das so oder ist Energiesparen eigentlich outdated, so oder so ein bisschen?
Nein, das würde ich nicht so sagen und würde es ein bisschen anders formulieren. Also das, was du sagst, dass man Energie dann nutzt, wenn sie da ist, also zum Beispiel dynamische Stromtarife in Zukunft, das wird etwas sein, was immer öfter auf uns zukommt. Was ist das? Ja, wir haben Zeiten, wo die Sonne und der Wind ganz viel Strom liefern und da muss ja eben auch genutzt werden.
Und dann haben wir Zeiten, wo es weniger ist und dann wird der Strom teurer. Und dann sollte man auch weniger Strom nutzen oder beziehungsweise aus unseren Speichern Strom speichern, die wir dann irgendwann mal in unseren Häusern oder Wohnungen stehen haben, den Strom zu nutzen. Das stimmt alles. Das wird auch alles gebraucht werden, wenn wir uns auf den Weg machen, eine Transformation unserer Energiesysteme voranzubringen.
Die Transformation erfordert genau das, dass wir mehr darauf achten, wann steht Strom zur Verfügung und wann ist er weniger da. Das ist ganz klar etwas, was auf uns zukommt. Und das wird dazu führen, dass wir sehr viel mehr Speichertechnologie in Zukunft haben werden und zwar nicht nur überregional in den Städten, Kommunen, sondern eben auch in unseren privaten Eigenheimen und möglicherweise sogar noch verstärkt auch in Mietwohnungen. Auch da könnte es sein, dass das eine Rolle spielt.
So, aber bleiben wir gerade mal vielleicht bei der Wärmepumpe. Das ist ein sehr, sehr gutes Beispiel dafür. Die Wärmepumpe ist ja quasi auch ein Umbau unserer Wärmeversorgung. Wir machen es nicht mehr…
. mit Öl und Gas, also nicht mehr mit den fossilen, sondern jetzt mit Strom über eine Wärmepumpe. Die kann das sehr, sehr effizient, aber die kann das noch effizienter, wenn sie mit möglichst niedrigen Temperaturen nur arbeiten muss. Man muss nämlich wissen, eine Wärmepumpe ist gar kein Wärmeerzeuger, sondern es ist ein Wärmetransportsystem.
Also, wir transportieren Wärme von draußen, zum Beispiel aus der Außenluft, nach drinnen, ähnlich wie ein Kühlschrank. Da entziehen wir im Innenraum die Wärme und geben das außen an die Küchenluft ab. Und genauso ist auch eine Heizungswärmepumpe. Die transportiert Wärme von draußen, aus der Umgebungsluft, nach drinnen. Und dafür braucht sie Strom. Und die braucht dafür sehr viel weniger Strom, als sie Wärme transportieren kann.
Deswegen ist auch eine Wärmepumpe deutlich oder vielfach besser als ein Elektroheizlüfter. Der macht nämlich genau aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, und die Wärmepumpe kann mit einer Kilowattstunde Strom drei, vier, fünf Kilowattstunden Wärme transportieren. Es ist aber nicht immer drei zu eins das Verhältnis oder vier zu eins, sondern es ist umso besser, je geringer die Temperatur ist, die die Wärmepumpe transportieren muss, weil hohe Temperaturen die Wärmepumpe anstrengen.
Dann braucht es mehr Strom, und dann ist quasi das Verhältnis die Effizienz geringer. So, wenn ich jetzt also schaffe, mit geringen und kleinen Maßnahmen meinen Wärmebedarf in meinem Gebäude oder meiner Wohnung zu reduzieren, brauche ich weniger Temperatur, die die Wärmepumpe am Ende zum Heizkörper transportieren muss. Und damit ist sie effizienter.
Das heißt, ich habe einen doppelten Effekt. Ich spare einmal was, weil ich ja eine Energiesparmaßnahme durchgeführt habe, und gleichzeitig ist mein Wärmeerzeuger auch noch effizienter. Doppelter Effekt. Und deswegen darf man das nicht so einseitig sehen. Wir machen jetzt alles mit erneuerbaren Energien und werden das schon hinhauen, sondern auch bei der Erzeugung von erneuerbaren Energien und Speichern.
Die werden immer billiger, aber Kosten tun sie trotzdem was. Und wir werden es nicht schaffen, einfach den Bestand, wie er jetzt ist, einfach so auszutauschen, alles gegen Wärmepumpen auszutauschen. Es klappt. Und dann machen wir das mit Strom, und das ist eine gute Idee.
Besser ist es, wenn man diese, gerade diese geringen investiven Maßnahmen, wie wir vorhin schon ein paar angesprochen haben, die Sparbrause, die Einstellung der Heizungsanlage, und da gibt es noch eine ganze Menge mehr. Ich habe die jetzt gerade alle zusammen mal gesammelt in einem Buch, das jetzt demnächst rauskommt. Wenn wir die alle nutzen, dann haben wir einen doppelten Endeffekt, und zwar für ganz wenig Geld.
Und deswegen spielt das Energiesparen in Zukunft auch weiterhin eine Rolle. Da bin ich ganz fest von überzeugt. Du sagst ja, die Energiewende sollte auch ein bisschen Spaß machen und vermittelt seine Themen auch gerne mit einem Augenzwinkern und einer Prise Humor. Und das schätzen auch die Menschen, die deine Videos sehen.
Freude am Thema
Wo steckt denn für dich vor allem die Freude in dem Thema? Ach, na ja, gut, das Thema selbst bietet jetzt nicht immer nur Lachen an. Ich muss ja ganz klar sagen, vielleicht muss man die Lache einfach dazu bauen. Und genau das ist das was ich mache. Das ist die Strategie, die ich fahre.
Also ich baue einfach immer mal ein paar Gags und ein paar Witze in meine Beiträge ein und genauso auch in meine Vorträge. Da gibt es immer Witze und Stellen, wo gelacht wird. Und das ist ein bisschen Storytelling, damit es einfach interessanter ist.
Also, was ich einfach verlassen habe, ist dieser Pfad, Energie sparen so mit dem Zeigefinger irgendwie, ich sage mal, zu vermitteln, zu sagen, du müsstest das und das machen, und dann könnt ihr sparen. Und die verantwortungsvolle Energieverwendung, das ist unsere gemeinschaftliche Aufgabe.
So hieß es mal auf einer Kassette, auf einer Energiesparkassette vom Bundeswirtschaftsministerium in den vier Jahren, auf denen so Pop und Tipps hieß. Die Pop und Tipps quasi Tipps zwischen irgendwelchen Pop-Hits, irgendwie eingebettet worden sind. Das ist der falsche Weg, glaube ich.
Also, das war zwar schon so irgendwie gut gedacht, aber das Gegenteil von gut gemeint ist ja auch gut. Also, es ist ja eher so, dass ich versuche, einfach den, wie nennt man das, neumodisch Infotainment, also, dass man einfach so das Thema einbettet in ein unterhaltsames Format.
Und wenn es unterhaltsam ist und immer ein bisschen Spaß gemacht wird, dann macht das Ganze insgesamt mehr Spaß und dann kommt es nicht mehr so biederüber. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen die Strategie.
Geringinvestive Maßnahmen
Gibt es jetzt irgendwas bei allem Humor, was ich dich jetzt nicht gefragt habe, wo du sagst, das muss unbedingt noch mitvermittelt werden, wenn es um Energiesparen geht? Naja, ich würde sagen, ihr lieben Leute, kümmert euch um die geringinvestiven Maßnahmen.
Also, es gibt einfach eine ganze Latte. Und wir haben jetzt ja so ein paar aufgespürt oder schon besprochen. Und es gibt aber deutlich mehr als das, was wir besprochen haben. Und wenn man sich so ein bisschen danach umschaut, findet man sie auch.
Und ich kenne Menschen, die haben auf Basis der Inhalte, die ich so bereitgestellt habe, ob das jetzt die YouTube Videos sind oder irgendwelche anderen Inhalte oder meine Vorträge, in denen ich auch immer geringinvestive Maßnahmen als Inhalt drin habe.
Die haben es geschafft, mit diesen Dingen, die kaum was kosten oder wenig kosten, bis zu 25, teilweise 30 Prozent Energie einzusparen. Es ist verrückt. Also, da muss man normalerweise sehr, sehr viel Geld ausgeben, um in diese Größenordnung reinzukommen.
Und ich sage, nutzt genau diese geringinvestiven Maßnahmen, diese low hanging fruits, also die niedrig hängenden Früchte, für die man eben nicht die Leiter aus dem Schuppen holen muss, damit man ganz oben den Bauch zusammen drankommt, sondern das sind die Früchte, die man quasi direkt, wenn man unter dem Apfel- oder Birnbaum steht, einfach nur so greifen kann und vom Baum, vom Zweig abziehen kann.
Die machen am meisten Spaß, die kosten am wenigsten Geld, sind schnell umsetzbar. Man nimmt sich einfach vor, am nächsten Wochenende in den Baumarkt zu rennen, holt ein bisschen Material, ein bisschen Rohrleitungsdämmung oder was auch immer, und legt los.
Das ist das was dann auch wirklich Spaß macht, wenn dann sofort der Effekt spürbar wird.
Abschluss
Das sagt Carsten Herbert. Er war Energieberater, ist YouTuber und Buchautor. Vielen, vielen Dank für deine Zeit, für das Gespräch und auch die Einblicke in deine Arbeit. Vielen Dank, Ina. Hat mir sehr viel Spaß gemacht, war sehr nett.
Und ja, allen anderen wünsche ich viel Erfolg bei den geringinvestiven Maßnahmen. Danke dir. Und das war’s für diese Woche mit dem Klimapodcast von detektor.fm. Wenn euch gefällt, was wir hier machen, dann lasst uns doch gerne ein Abo da.
Teilt den Podcast mit vielleicht einer Person, die sich für Klimathemen interessieren könnte. Das hilft uns sehr. Produziert hat diese Folge Paula Bültemann. Und die Redaktion hatte ich, Ina Lebedjew. Und ich sage danke fürs Zuhören. Ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder mit am Start seid. Macht’s gut. Tschüss.
Mission Energiewende. Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen. In Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.