Aktuelle Waldbrandlage in Europa
Europa brennt. Hunderttausende Menschen mussten bisher in Sicherheit gebracht werden. Spanien und Frankreich sind besonders stark von den Waldbränden betroffen. Hier wüten schwere Großbrände. Wieso sich die Brände gerade enorm ausweiten und wie gut wir in Europa auf solche Lagen vorbereitet sind, darum geht es heute. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew.
Podcast-Informationen
Hi Mission. Energiewende. Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom. Im vergangenen Jahr hat Europa seine schlimmste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Mehr als eine Million Hektar Wald sind 2025 in der EU verbrannt. In diesem Jahr waren es laut dem European Forest Fire Information System, kurz EFIS, bisher mehr als 500.000 Hektar. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldeten Spanien und Portugal einen Anstieg der Brände um mindestens 100 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und auch in Frankreich und Ungarn ist die Anzahl der Brände stark gestiegen.
Ursachen und Vorbereitung
Woran liegt das und was können wir tun, um uns in Zukunft besser auf Waldbrände vorzubereiten? Das möchte ich von Lyndon Pronto wissen. Er war viele Jahre lang Feuerwehrmann beim US Forest Service und ist dann nach Deutschland übergesiedelt, um hier unter anderem für das Global Fire Monitoring Center und das European Forest Institute zu arbeiten. Er ist inzwischen ein wichtiger Experte für Waldbrandmanagement in Deutschland und natürlich darüber hinaus. Herzlich willkommen im Klimapodcast von detektor.fm. Schön, dass Sie da sind. Danke, ich grüße Sie.
Über Social Media würde ich sagen, sehen gerade sehr, sehr viele Menschen Bilder von den Bränden in Europa, zum Beispiel eben aus Madrid und Bordeaux, und die zeigen sich bestürzt und betroffen. Ist das nur so eine persönliche Wahrnehmung oder brennt es tatsächlich mehr, öfter, intensiver als in anderen Jahren? Es ist schon ein heftiges Jahr, was wir begegnen. Da spielen verschiedene Faktoren zusammen, die es noch schlimmer machen, vor allem in dieser Region.
Wetterbedingungen und Vegetation
Im Frühjahr gab es viel Regen und das hat dazu geführt, dass viel Wachstum war. Und dann kamen die Hitzewellen. Durch diese Hitzewellen und Trockenheiten hat sich diese Vegetation sehr schnell ausgetrocknet und sehr verfügbares Brennmaterial gebildet. Also das heißt, das sind schon mal zwei Faktoren: die aktuelle große Hitze und Biomasse, die brennen kann. Ganz viel. Genau, und eine ist eine aktuelle Witterungslage und die andere ist natürlich das Ergebnis von Jahrzehnten unseres Managements dieser Landschaften und was wir gemacht haben oder nicht gemacht haben.
Notstand in Spanien
Jetzt hat Spanien erstmals wegen Waldbränden den Notstand nationaler Tragweite ausgerufen. 2025 habe ich ja schon gesagt, war bereits so ein Rekordjahr. Könnte denn 2026 jetzt noch heftiger, noch schlimmer werden? Es ist noch am Anfang des Sommers, also von daher würde ich sagen, dass es hochwahrscheinlich nochmal ein Rekordjahr werden wird. Das ist überall so. Eigentlich wird jedes Jahr irgendwie zu einem neuen Rekordjahr oder es kommt vielleicht ein nasses Jahr dazwischen. Aber in der Regel, ob es in Europa oder Nordamerika ist, da sprechen wir immer von neuen Rekorden, ob es jetzt bei Temperaturen oder ob es von der Anzahl der Hektar, die brennen, oder auch andere Sachen, so wie die Kosten, die dazu kommen oder die Schäden.
Regionale Unterschiede
Also wir haben auch ähnliche Rekorde, so letztes Jahr bei Los Angeles, teuerste Klimakatastrophe für das Jahr 2025. Und das wird uns leider nicht in Zukunft anders gehen. Jetzt habe ich ja gerade gesagt, viele Leute gucken besonders auf Frankreich und Spanien. Warum sind denn diese beiden Länder so besonders stark betroffen? Erstens sind es Landschaften, die feueranfällig sind. Also Feuer gehört grundsätzlich in diese Landschaften. Und es gibt auch diese Herausforderungen, diese Bedingungen, die ein bisschen unterschiedlich sind, je nach Land.
Brandverhalten und Löscharbeiten
Also dieses große Brand in Bordeaux oder in der Nähe von Bordeaux, das sind Kiefermonokulturen, also Plantagen. Und in diesem Kontext bewegt sich Feuer auch anders. Das ist anfälliger und wenn es schon mal brennt, ist es noch schwieriger aufzuhalten. In Spanien geht es auch darum, dass diese Feuer dann auch auf sehr topografischen Landschaften stattfinden, was die Löscharbeiten aus anderen Gründen sehr erschwert und die Sicherheitsmaßnahmen dann auch anders betrachtet werden müssen.
Wie kann ich da herangehen? Wie kann ich so einen Brand bekämpfen? Denn die Topografie beeinflusst auch lokale Windbedingungen, was wiederum das Feuerverhalten beeinflusst. Und in Frankreich haben sie, so wie in den USA, eine sehr aggressive Brandbekämpfungsstrategie verfolgt in den letzten Jahren. Das heißt, so schnell wie möglich jeden Brand irgendwie schnell unter Kontrolle zu kriegen, mit Unterstützung aus der Luft und mit Bodenkräften.
Herausforderungen der Brandbekämpfung
Und das im Prinzip ist nicht schlecht, aber auf der anderen Seite, wenn es jetzt ein feueranfälliges Landschaft ist, wenn Feuer eigentlich auch im Ökosystem gehört, teilweise dann, wenn keiner jetzt diese Brandlastreduktion macht oder an diese Schraubstelle dann dreht, ist es ein Problem, das wir quasi nach hinten schieben. Und das haben wir, also durch harte Lehren haben wir aus den USA gelernt, dass Feuer immer frühzeitig auszumachen, ohne diese Brandlast irgendwie zu reduzieren, ob es durch kontrolliertes Brennen oder Beweidung oder wie auch immer.
Das heißt, man müsste dort sozusagen für die kommenden Jahre anders vorbeugen oder kontrollieren. Was gibt es da noch für Möglichkeiten? Wie könnten die das ändern, damit die Situation in Zukunft nicht mehr so sich verschärfen? Das sind alles wichtige Dinge, die in unserem Werkzeugkasten passen und gehören. Allerdings müssen wir auch die Kosten irgendwie abwägen.
Kosten und Verantwortlichkeiten
Wie viel fließt in dieses Reaktionsportfolio rein und wie viel wird dann auch an die unterschiedlichen Interessensgruppen, die die Prävention dann umsetzen könnten oder sollten. Und dann wird es sehr kompliziert, weil für diese Reaktionsmaßnahmen, das ist ganz klar, also das geht an die Zivilschutzbehörden, das fällt dann immer unterhalb des Ministeriums für Inneres oder sowas Ähnliches. Das ist dann ganz klar.
Aber wenn man jetzt das Ganze in große, diese Querschnittsaufgabe von einheitlichem Waldbrandmanagement, dieses Integrated Fire Management, wie wir das nennen, das betrifft allen möglichen Akteuren und Interessensgruppen, viele Behörden, viele Ministerien. Und dann ist es oft so eine Art von Tragedy of the Commons, also dass niemand sich irgendwie die Verantwortung übernimmt, wirklich zu gucken, dass diese Arbeit dann auf die Fläche umgesetzt wird, dass die Akteure, die das gerne machen würden oder können, auch Finanzierung und institutionelle Unterstützung bekommen.
Fehlende Unterstützung und Frustration
Und das ist was dann auch etwas, ja, ist irgendwie frustrierend, weil das sind alle Faktoren, die wir seit Jahren kennen. Das sind alle Warnungen, die wir seit Jahren ausrufen. Wir wissen, nicht nur die Experten oder Fachleute wissen, was umgesetzt werden muss, sondern auch die lokalen Leute, also diese Communities, die wissen auch genau, was stattfinden muss. Aber da fehlt einfach die Unterstützung, Gelder und ja, das ist leider so, dass wir jetzt in einer Situation sind, wo dieses Feuerschuld, wie wir das nennen, einfach in dieser Landschaft ist. Und wenn es brennt, dann brennt es so heftig, dass es wirklich für alle große Schwierigkeiten bereitet.
Europäische Zusammenarbeit im Katastrophenfall
Ja, also man sieht ja auch einfach Leute, die wahnsinnig verzweifelt sind und sagen: Ich weiß gar nicht, warum wir auf diesen Fall nicht vorbereitet sind. Also die Betroffenen, die das eben auch äußern. Frankreich hat ja jetzt schon vor einigen Tagen auch Hilfe von der EU angefordert und auch erhalten, genauso Spanien. Es geht da um Unterstützung am Boden, aber auch aus der Luft. Sie haben ja schon gesagt, die Lage ist sehr prekär und es ist zu wenig da an Möglichkeiten.
Aber wie funktioniert denn eine europäische Zusammenarbeit im Katastrophenfall? Im Grunde genommen gut. Also wir halten uns gut zusammen, wir unterstützen uns gerne gegenseitig. Die Bereitschaft ist auf jeden Fall da. Aber das ist auch ein Thema, was nicht so schwarz-weiß ist, denn jetzt haben wir eine ganze Region, die betroffen ist, eigentlich fast ganz Europa.
Ressourcenknappheit
Also jetzt brennt es wieder in Deutschland. Heute auch, wo ich bin, in Oberbayern, wieder auf einem Truppenübungsplatz, seit ein paar Stunden. Es brennt in vielen Regionen in Europa und diese parallelen Ereignisse, vor allem in den Ländern, dass wir jetzt Nordafrika, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, Frankreich, die brennen alle gleichzeitig jetzt. Und früher war es so, dass nicht unbedingt gleichzeitig alles gebrannt hat. Das sind diese Großwetterlagen, die so viele Länder betroffen haben.
Und jetzt stehen wir vor einer Situation, wo es tatsächlich eine Knappheit von Ressourcen gibt. Und wenn jetzt Länder Hilfe schicken, jetzt heute Morgen sind die Einheiten, die EU-zertifizierten Einheiten, die sind jetzt losgefahren von Deutschland Richtung Spanien. Und dann auf einmal brennt es in Deutschland. Und man merkt schon, okay, das ist jetzt nicht jederzeit unter diesem Mechanismus. Jederzeit kann ein Land seine Ressourcen zurückrufen, sozusagen, und sagen: Wir brauchen es für den eigenen Eigenschutz.
Erfahrung der Einsatzkräfte
Aber ein anderer Teil von dieser ganzen Geschichte ist die Erfahrungsebene. Und wenn es in Spanien oder Frankreich brennt, die Einsatzkräfte vor Ort, das sind Bedingungen, die die meist selber kennen. Die sind erfahren, die haben diese Einsätze über die Jahre gemacht, diese waldbrandspezifische Taktik und spezielle Wissen haben sie auf dem Schirm, sozusagen, und sind teilweise ausgebildet dafür.
Aber wenn jetzt Einsatzkräfte aus anderen Ländern, die weniger Erfahrung haben, und man muss sich dann dabei überlegen, dass sie rufen nach Hilfe, wenn es deren schlimmsten Tag ist, also wenn es wirklich Weltuntergang geht. Und um jetzt Ressourcen von einem Land, die sehr wenig Erfahrung mit Waldbränden hat, jetzt diese Ressourcen in so eine Situation zu bringen, es kann auch sehr schnell gefährlich werden.
Sprachbarrieren und Kommunikation
Wir reden ja auch von unterschiedlichen Sprachen, also Sprachbarrieren. Wir reden von, ja, wie können wir zusammenarbeiten über Kommunikationswege. Das sind so all diese einsatzspezifischen Dinge, was eigentlich im Vorraum geklärt werden müssen. Und in dieser Chaos-Situation kann es sein, dass Kommunikation entsteht innerhalb von einer Einheit, aber die haben vielleicht nicht, was nebenan passiert, auf dem Schirm, einfach wegen Sprachsachen und so.
Und das sind so diese Situationen, wo auf der einen Seite ist es absolut wichtig, dass wir uns gegenseitig unterstützen, aber wir müssen auch gucken, wie wir diese Unterstützung dann einordnen. Und bis jetzt sind alle sicher und heil wieder nach Hause gekommen. Aber ich persönlich habe manchmal auch schon Sorgen, wenn wir dieses Jahr schon sehen, wie viele französische oder spanische Einsatzkräfte verletzt worden sind oder sogar ums Leben gekommen sind. Das ist schon besorgniserregend.
Persönliche Reflexion
Jetzt, wenn Sie es gerade ansprechen, wie gucken Sie denn persönlich überhaupt auf diese Situation, wenn Sie selbst Feuerwehrmann waren und sich jetzt in der Metaebene mit dem Thema befassen? Wie gehen Sie damit um? Das ist tatsächlich, ja, ich habe schon das Wort frustriert benutzt. Also das ist schon frustrierend, weil wir seit Jahren kämpfen für mehr Zusammenarbeit, aber nicht nur so auf politischer Ebene, sozusagen, dass man jetzt zwei Löschflugzeuge losschickt, sondern Zusammenarbeit auf dem Boden, dass wir über EU oder national finanzierte Forschungsprojekte irgendwie ein kleines Geldtöpfchen da aufmachen, um Experten auszutauschen, Studienreisen, Kapazitätenaufbau, Austausch und so weiter.
Ausbildung und Herausforderungen
Ausbildung ist ein riesiges Thema. Also wir sehen jetzt auch, dass die Bereitschaft, sich selbst ins Risiko zu bringen, auch als Einsatzkraft oder als Feuerwehrmann oder -frau in dieser Region, kann ich momentan sehr, also ich kann es auf einer emotionalen Ebene völlig verstehen, warum man jetzt Leben und Leib so für die Community kämpft, für Objektschutz und so sich einzubringen. Aber aus taktischer Sicht gibt es ganz viele heikle Situationen, die mir reichen, wo ich denke, das hätten wir nie gemacht damals, also als ich tätig war.
Man hat sich sofort aus so einer Situation zurückgezogen und das Ganze nochmal neu evaluiert. Und diese Entscheidungspunkte oder Decision Points, wie wir das nennen, wenn es vorher so schnell geht oder bis dahin erreicht werden muss, dann müssten wir aus unserer eigenen Sicherheit diese Einsatzregeln sozusagen zurückziehen. Und das heißt, es wird schwierig, weil man muss bewusst irgendwann mal ganze Bereiche einfach aufgeben.
Bedarf an besserer Ausbildung
Und ich merke, also was ich jetzt aus der Ferne, das ist immer das Schwierige, ich bin ja nicht vor Ort, ich will ja auch keinen vor Ort da beurteilen. Aber mittlerweile kriegen wir das vieles einfach live gestreamt oder man kann ja auch viel sehen aus diesen Situationen. Und aus meiner Sicht sieht man nicht nur einen Bedarf für mehr und bessere Ausbildung und spezialisierte Ausbildung flächendeckend, nicht nur in Ländern, die zum ersten Mal mit dieser Herausforderung jetzt betroffen sind, sondern auch die Länder, die schon seit Jahren damit zu tun haben.
Und es ist frustrierend, weil die wissenschaftlichen Studien, die haben ja, also ich mache keine so wirklich Forschung. Für mich geht es darum, die international bewährten Praktiken einfach auf die Fläche zu bringen. Und ich bilde sehr viele Einsatzkräfte im Jahr aus in unterschiedlichen Kontexten, ob es in Tschechien oder Polen oder Deutschland oder Island.
Herausforderungen der Nachlöscharbeiten
Und man sieht halt auch, auf welchem Niveau wir uns bewegen, auch wenn ich jetzt nicht selber irgendwie im Sommer jeden Sommer im Einsatz bin. Aber ich kriege schon mit, wo entweder Nachholbedarf ist oder wo eine große Herausforderung steht, dass die Einsatzkräfte wirklich auf ein Niveau kommen, um auch die Basisgrundlagen von der Vegetationsbrandbekämpfung mitzukriegen, von Bekämpfung selbst, von Wettererkundung und Kenntnisse von den Techniken, wie man überhaupt so ein Handwerkzeug bedient, ohne dass man nach 20 Minuten völlig außer Atem ist, bis hin zu den Nachlöscharbeiten, was ein großes Thema ist, europaweit.
Man sieht es auch in Frankreich. Die haben jetzt die Brände sozusagen irgendwie die Flammen eingedämmt. Aber jetzt sind Tage und Wochen lang Arbeit noch vor für diese Nachlöscharbeiten. Und wenn sich der Wind ständig dreht, wenn man irgendwie, man muss immer wieder zu anderen Stellen ausrücken, dann kommt wieder Wind, kommt wieder Hitze und es wird dann wieder neu entflammt und geht es dann wieder von vorne los. Und das darf eigentlich nicht passieren.
Notwendigkeit der Eindämmung
Also wenn man jetzt eine Stelle eingedämmt hat, dann muss es auch eingedämmt bleiben, denn sonst läuft man in Kreisen. Und das ist schwierig, gerade mit diesen parallelen Ereignissen überall, wo sie eigentlich nur diese erste Phase machen und dann müssen sie gleich weiter, um den nächsten Ort zu schützen. Und die hintere Tor bleibt offen, sozusagen.
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Klimakrise und Waldbrände
Jetzt haben Sie ja gerade beschrieben, dass es in verschiedenen Ländern überall in Europa brennt. Gerade. Woran liegt das denn? Was hat denn die Klimakrise damit zu tun? Die Klimakrise macht die großen Warnbedingungen einfach günstiger fürs Feuer. Ob es jetzt durch Trockenheit oder Hitzewellen oder in Kombination mit Wind. Natürlich ist einer dieser Hauptfaktoren, die die rasante Ausbreitung von Bränden macht.
Aber man merkt auch, beim Klimawandel ist es nicht nur, dass die klassischen Waldbrandgebiete oder Risikogebiete und Länder, dass es da zunimmt, sondern auch in völlig neue Gebiete, neue Regionen. Und zum Beispiel im Alpenraum hier haben wir in den letzten 40 Jahren eine Verdopplung von Blitzschlägen und auch eine Verschiebung von dem Zeitraum, wo man auch diese Gewitter und Blitz sozusagen auch Hochsaison hat.
Wetterveränderungen und Feuergefahr
Das hat sich auch in den weiteren Reihen gerutscht. Und das sind so einerseits, okay, das kann man einfach als Wetterereignis oder Wetterveränderung betrachten oder man macht zwei an zwei zusammen und überlegt, dass wenn wir jetzt viel mehr Blitzschläge in den Alpenraum treffen und auch gleich dazu irgendwie mehr Starkregenereignisse, dann kann man das irgendwie schon hervorsehen, dass dieses, wenn es jetzt Gewitter ist und dann auch noch Starkregen, das fließt alles ab wegen der Topografie.
Das drängt gar nicht in den Boden rein. Und dann drei Tage später merkt man, oh, da brennt was. Und diese lodenden Feuern dann von Blitzschlägen brechen dann mehrere Tage später aus und dann sind sie auch in völlig unwegsames Gelände. Und außerdem gibt es mehr und mehr Feuer, es schiebt sich nach Norden immer. Also Feuer in der Arktis oder das vor ein paar Wochen war jetzt auch in Norwegen, sind über 100 Wohneinheiten da abgebrannt.
Menschliche Einflüsse
Also man merkt einfach, dass Regionen, die vielleicht war es nicht unbedingt, dass in Kombination mit irgendwelchen Hitzewellen Feuer ausgelöst wurde, sondern Trockenheit. Wir haben viel mehr Brände, die im Winter stattfinden. Das Feuer, also die Feuerproblematik in Deutschland fängt jetzt Ende Februar an. Früher war es dann immer so ein Sommerproblem, ab und zu mal. Aber fast jedes Jahr haben wir zwischen Ende Februar und April mehrere Brände bundesweit, die uns große Probleme bereiten.
Und das hängt alles zusammen. Also mit wärmeren Temperaturen oder diese Großwetterlagen, die einfach mehr Regionen gleichzeitig treffen oder Trockenheit oder Stürme, die halt mit viel Wind dann dabei sind. Also das sind so alle Bedingungen, die zusammenkommen und machen so einen Cocktail von sehr feuergünstigen, wie wir das nennen, Feuerwetterkonditionen. Und wenn dann reicht nur die eine Funke, dann ist es schon Geschichte. Dann ist es eine völlig andere Situation.
Menschliche Ursachen der Brände
Und der Mensch spielt auch eine sehr, sehr große Rolle. Oder? Genau. Also das ist tatsächlich in Europa, dass über 90 Prozent oder sogar 95 Prozent der Waldbrände oder Flächenbrände, die sind ja von Menschen verursacht. Das ist eine schwierige Thematik, weil diese menschlichen Zündquellen werden wir nie wegkriegen. Und deswegen müssen wir dann Richtung Prävention und die Bedingungen dann wieder umwandeln, dass es für uns dann günstiger wird, um ein Feuer zu kontrollieren.
Denn ob es jetzt Brandstiftung im kriminellen Sinne des Wortes, das ist dann nicht überall so, aber es gibt so Hotspots für diese Art von Brandstiftung, ob es in Süditalien oder in Griechenland oder in Wales. Es hat ja auch eine Dimension von vielleicht politischer Unzufriedenheit oder Feuer wird dann auch eingesetzt als Waffe. Das sieht man immer wieder Richtung Ukraine und nach Osten. Das sind immer ganz unterschiedliche Quellen und die werden wir nie wegkriegen.
Sensibilisierung für Waldbrandgefahr
Und auch wenn jetzt die Landschaft einfach mehr feueranfällig ist, dann sind auch unsere normalen Tätigkeiten und Aktivitäten dann auch irgendwann mal, ja, müssen wir überlegen, ob jetzt bei Waldbrandstufe 5 jetzt Getreidefeld geerntet werden sollte oder ob man jetzt mit dem Freischneider im Garten jetzt die Arbeit macht. Das sind so, da müssen wir noch ein bisschen mehr sensibilisieren, um eben diese hohe Waldbrandgefahr, dass wir dann auch unsere Aktivitäten dann anpassen.
Denn ich denke mittlerweile ist es so, dass die meisten jetzt nicht gehen im Wald und rauchen und werfen die Zigarettenkippe weg. Also das sind so, ich denke, ich hoffe, wir sind ein bisschen weiter jetzt und jetzt müssen wir eher an anderen Stellen arbeiten. Das hoffe ich.
WKR-Initiative und Waldbrandresilienz
Aber auch Sie haben vorhin schon das Thema Management angesprochen. Sie sind Teil der WKR-Initiative, wo es um Waldbrandklimaresilienz geht. Also die Frage, wie wir unsere Wälder in der Klimakrise besser vor Bränden schützen können. Das Projekt wurde 2020 als Forschungsprojekt gestartet und vom Bund finanziell unterstützt. Seit 2024 führen Sie das Projekt als unabhängige Initiative.
Welche Möglichkeiten haben wir denn, den Wald in Zukunft resilienter gegenüber Bränden zu machen? Genau, da kommen wir wieder zurück zu dieser Zusammenarbeit. Innerhalb der Projektphase war es so, dass wir dann auch Demoflächen eingerichtet haben, um zu zeigen, so sieht eine Pufferzone aus oder so sieht Brandlastreduktion auf der Fläche aus.
Risikokarten und gezielte Maßnahmen
Wie können wir Risikokarten etablieren, um erstmal zu gucken, wo ist es mehr feueranfällig und dass wir dann gezielt dort Maßnahmen einbringen. Denn Fakt ist, wir können jetzt und werden auch nicht jetzt flächendeckend irgendwie Brandlast reduzieren oder jeden Wald umbauen. Das wird einfach nicht geschehen. Also vor allem nicht in einem Zeitraum, wie wir es nötig haben.
Und wir arbeiten in vielen Ländern. Und wenn ich jetzt, zum Beispiel in China und in Mongolei und in Uganda, und jedes Mal, wo wir da ankommen, geht es erstmal darum zu verstehen, okay, was sind die Quellen? Welche von diesen Quellen können wir beeinflussen und welche nicht? Dann kommen wir zu dem Punkt, okay, gehen wir davon aus, wir schließen aus, diese Dinge werden wir nie ändern können oder hier kann man hier mit Öffentlichkeitsarbeit oder sogar Strafen oder sonst was arbeiten.
Identifikation von Risikogebieten
Wo sind dann die Risikogebiete? Und dann geht es darum, wo die Menschen unterwegs sind. Ist es irgendwie eine beliebte Freizeitregion oder ist es hier nach, dass immer wieder Erntereste verbrannt werden oder ob einfach irgendwelche Arbeiten Feuer auslösen? Oder in Deutschland, ein spezielles Thema, Munitionen. Die großen Feuer, die wir hier haben, sind auf Munitionsverdachtsflächen, wo man die klassische Brandbekämpfung und auch die Präventionsarbeit nicht durchführen kann, weil man Abstand halten muss.
Strategien zur Brandverhütung
Also gezielt einschätzen von woher kommen die Zündquellen, wo ist das große Risiko, wo das stattfindet, und dann kann man überlegen, okay, macht es mehr Sinn, jetzt irgendwie waldbaulich was zu machen? Macht es jetzt Sinn, ob wir die Menge, Art, Struktur, Bodenfeuchte, diese Sachen zu beeinflussen durch unterschiedliche Maßnahmen? Macht es jetzt Sinn, eine Herde von Schafen oder Ziegen hierher zu holen, um jetzt auf die Fläche diese Biomasse-Reduktion zu machen? Oder müssen wir mit mechanischen Maßnahmen eingreifen, durch Forstmulchen oder sonst was?
Kontroverses Thema kontrolliertes Feuer
Und jetzt kommen wir zu einem heiß diskutierten Thema, ob wir dann auch zum Beispiel in Deutschland kontrolliertes Feuer einführen. Und einerseits ist es nicht so kontrovers, weil wenn man jetzt auf unsere Kultur, also Deutschland ist kein klassisches Waldbrandland, aber wir haben eine kulturelle Feuerregime. Das heißt, wir haben Feuer in unterschiedlichen Kontexten immer in der Landschaft benutzt, auf die Heideflächen zum Beispiel.
Also dass die Heideflächen so sind, ist tatsächlich wirklich durch Feuer, weil sonst würden die dann verschwinden durch Zuwanderung von Kieferbäumen und so weiter. Also dass diese Flächen so bleiben. Früher waren sie ja stark beweidet, aber für die Verjüngung von der Heide braucht man Feuer. Wo ich bin, im Chiemgauer Alpen, hier wird geschwendet, dass die Almflächen offen bleiben für die Kühe, dass man diese kulturelle Landschaft erhält.
Brandrodung und zukünftige Strategien
Und da wird Dachsenfeuer gemacht im Schwarzwald ähnlich. Also Brandrodung wurde auch für Jahrhunderte praktiziert im Rheintal auf die Wein-Ebenen, wo diese Bauschungshänge dann abgebrannt. Also so kontrovers ist es dann eben nicht, wenn wir jetzt sehen, okay, Gorgescheide, wir wissen, dass es schon alle paar Jahre brennt oder jedes Jahr fast.
Wir wissen, dass wieder Dörfer, die umliegen, die evakuiert werden müssen. Wir wissen, dass wir nicht rein können. Wir wissen, dass wir Abstand halten müssen. Und trotzdem ist da einfach viel Biomasse drin. Warum dann nicht irgendwie gezielt mit Feuer arbeiten, wenn die Bedingungen für uns stimmen und nicht warten auf diese 30 Millionen Brand, wo wir tagelang mit Hubschraubern am Rand arbeiten, wo wir tagelang Kreisregnersysteme aufbauen und einfach Unmengen Wasser fließen lassen, wenn es 30 Grad ist und viel Wind.
Fazit
Man fragt sich wirklich, warum machen wir das jetzt nicht langsam? Auch wenn einige Stimmen sagen, Feuer gehört in unsere Landschaft nicht. Aber wir reden von einer Zukunft, wo Feuer schon in unsere Landschaft gehört.
Und wenn man jetzt diesen Klimawandel nicht abschalten kann, dann muss man davon ausgehen, dass unsere Landschaft feueranfälliger wird.
Sie haben gesagt, die Situation ist ganz schön frustrierend, weil man eigentlich weiß, was zu tun ist. Können Sie nochmal Könnten Sie kurz zusammenfassen, was Deutschland und Europa in den nächsten Jahren angehen und ändern müssten?
Die großen Probleme in der Prävention sind: Wo kommt das Geld her? An wen geht das? Wer kann es umsetzen? Wäre es rechtlich verpflichtet oder müsste es rechtlich verpflichtet werden? Und das ist, wo es dann sehr schnell schwierig wird.
Was wir fördern würden, wäre zum Beispiel ein unabhängiges Waldbrandkompetenzzentrum, ein bundesweites Zentrum, das solche Dinge koordinieren könnte. Das Zentrum könnte Geld annehmen und hoffentlich unbürokratisch wieder ausgeben. Ob es jetzt über Beweidungsverträge oder an irgendwelche NGOs oder Zivilgruppen geht.
Und Fortbildungen, wie Sie es beschrieben haben. Genau, Fortbildung und Ausbildung sind alles Dinge, die einfach ins Leere laufen, wenn es keine klare Aufgabe gibt und auch politisch unabhängig ist. Also nicht, dass jetzt bei der nächsten Wahlsaison dieses Zentrum dann gefährdet ist.
Zum Beispiel haben wir in Brandenburg ein Waldbrandkompetenzzentrum, das jetzt gerade neu eröffnet wird. Aber wieder ist es schwierig, da etwas in Bewegung zu bringen. Wieder hängt es von Personal ab, das auch ganz andere Dinge machen muss.
Das ist schwierig, wenn man das an irgendwelche Ministerien oder Behörden bindet, weil die Prioritäten ständig wechseln und sich ändern. Und deswegen stehen wir dahinter, dass man irgendwie eine Art und Weise ein unabhängiges Kompetenzzentrum hat.
Hoffnung und Engagement
Gibt es denn irgendeinen Aspekt in all dieser Misere, der Sie motiviert oder Ihnen Hoffnung schenkt, trotz allem, wie es gerade ist? Das sind einfach viele in unserer Community, die für das Thema brennen.
Und das ist dann immer schön zu sehen, weil egal, ob sie das irgendwie von der Arbeitgeberseite bezahlt bekommen oder nicht, nehmen sie sich Urlaub und gehen nach Gran Canaria oder Frankreich oder Portugal und nehmen an einer Ausbildung teil.
Auf der einen Seite ist das schön zu sehen, wie viele Menschen sich für dieses Thema interessieren. Und sie sehen wirklich auch in die Zukunft und wollen nicht, dass es dazu kommt, dass wir in Deutschland Bilder sehen, wie wir sie jetzt aus dem Mittelmeerraum kennen.
Man kann es jetzt nur bedingt vergleichen, aber es ist tatsächlich so, dass wir in Zukunft diese schwierigen Brände haben werden. In Holland war das dann komplexe Brände, in Polen, Deutschland. Es kommt immer mehr und mehr.
Und ich habe da Hoffnung, dass immer mehr Leute sich für das Thema engagieren. Aber ich muss nochmal betonen, dass sie dann auch die Unterstützung brauchen. Egal, ob das ein reiches Land ist oder ein armes Land, es stellt sich immer die gleiche Frage.
Ich frage dann immer: Who would do this for free? Wer wird das umsonst machen, diese ganze Arbeit?
Investitionen und Veränderungen
Und gibt es denn jetzt die 60 Millionen Euro, die wir gerne in ein Canadair-Flugzeug investieren würden? Gibt es mal 60 Euro und guckt, was die auf die Fläche bringen. Denn das wird sich schon für große Regionen völlig ändern können, wenn jetzt diese Leute, die so motiviert sind und so gern im Ausland Wissen herholen, versuchen, das in ihren eigenen Communities umzusetzen.
Da können wir ganz vieles schaffen. Und das bringt mir natürlich viel Hoffnung, dass wir mit eigentlich sehr wenig Geld wirklich viel bewegen können. Aber wir müssen irgendwie nur besser rankommen.
Das sagt Lyndon Pronto. Er ist Experte für Waldbrandmanagement. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen.
Sehr gerne, Dankeschön. Und das war der Klimapodcast von detektor.fm für diese Woche. Lasst uns gerne ein Abo da, wenn euch gefällt, was wir hier machen. Damit sorgt ihr dafür, dass auch andere Menschen diesen Podcast finden, die sich für unsere Themen interessieren könnten und uns eben noch nicht kennen.
Herzlichen Dank dafür! Produziert hat diese Folge Paula Bültemann und das Thema recherchiert hat meine Kollegin Marisa Becker. Die Redaktion hatte Ina Lebedjew.
Wir sagen danke fürs Zuhören und freuen uns, wenn ihr nächste Woche auch wieder mit am Start seid. Ciao, macht’s gut! Tschüss!
Mission Energiewende – Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.