Hier ist der Antritt, der Fahrradpodcast auf detektor.fm, mit der Oktober-Ausgabe 2026.
Mein Name ist Gerolf Meyer und ich bin Leonard Hubert. Und damit begrüßen wir euch zu einer besonderen Ausgabe des Antritts, denn in dieser Ausgabe machen wir uns eine der ganz großen Stärken des Fahrrads zunutze. Wir erfahren uns einen Landstrich, in dem wir noch nie gewesen sind. Denn wir beide, Leonard und ich, sind im August zusammen in die Wische gefahren.
Und wenn ihr euch jetzt fragt, was denn die Wische ist, dann reagiert ihr so wie fast alle anderen, denen wir von unserer Ausfahrt erzählt haben. Und wir geben es auch gleich zu: Wir haben auch so reagiert, als wir zum ersten Mal von der Wische gehört haben. Inzwischen wissen wir aber ein bisschen mehr. Die Wische, das ist ein Landstrich im Norden Sachsen-Anhalts, ein ehemaliges Überschwemmungsgebiet der Elbe. Und dort, weit im Norden, befindet sich die kleinste Hansestadt der Welt: die Hansestadt Werben mit ungefähr 900 Einwohnern, davon 600 in der Kernstadt. Werben und seine Umgebung sind im August unser Ziel gewesen.
Vorstellung von Leonard
Und ich glaube, wir müssen kurz darüber sprechen, warum Leonard, du bist das erste Mal hier im Antritt zu hören. Und dass du in dieser Ausgabe hier bist, ist kein Zufall. Wer bist du eigentlich und was machst du?
Das ist natürlich eine große Frage: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Aber du willst darauf hinaus. Ich bin der Redakteur für den Sachsen-Anhalt-Podcast „Dazwischen“, mit dem wir seit April ganz viele hintergründige Geschichten aus Sachsen-Anhalt erzählen. Was die Menschen bewegt, was gerade los ist in diesem ja zurzeit auch sehr spannenden Bundesland.
Und ich bin damit mal auf dich zugekommen und habe gesagt: „Hey, willst du nicht mit mir eine Kooperation machen und mal in die Altmark fahren?“ Ein Teil von Sachsen-Anhalt, in dem wir noch nicht so oft waren. Und ich glaube, das funktioniert richtig gut mit dem Fahrrad, auch zusammen, da was zu erkunden und mal zu gucken, wie es denn da aussieht vor Ort.
Die Idee zur Fahrradtour
Warum bist du auf diesen Gedanken gekommen, mit mir mit dem Fahrrad dorthin zu fahren? Also persönlich mache ich es total gerne, wenn es sich anbietet, fahre ich zu Interviews mit dem Fahrrad hin. Weil ich finde, man ist irgendwie näher dran. Man sieht ganz, ganz viel, wenn man so langsam sich das so erfährt und erschließt.
Und ich habe auch ganz oft sehr viele spontane Begegnungen gehabt unterwegs, weil man irgendwie doch mal anhalten kann, wenn man mal was sieht, wo man sonst vorbeifährt. Oder weil man manchmal auch angesprochen wird, wenn man schon so aussieht, als wäre man neugierig, gerade in abgelegenen Orten. Und ich dachte auch, so zu zweit da durchzufahren, ist auch was Besonderes.
Und war irgendwie sehr überzeugt davon, dass das cool werden kann, weil du ja auch so ein sehr neugieriger, offener Typ bist, der sich für viel interessiert. Und ich dachte: „Hey, da kann doch eigentlich gar nichts schiefgehen, wenn wir durch diesen besonderen Landstrich fahren.“ Und dazu kommt noch die Wische, die kennt ja keiner. Was bietet sich denn besser an, als so eine Pionierarbeit übertrieben auf dem Fahrrad zu machen?
Weil ich glaube auch, diese ganz besondere Weite der Altmark, da war ich schon mal unterwegs, habe ich gedacht, die wirkt besonders gut auf dem Fahrrad. Ja, also zumindest wir kannten die Wische noch nicht, bevor wir jetzt gleich losfahren zusammen in dieser Ausgabe.
Erwartungen an die Wische
Was hast du denn vorher von der Wische gedacht, gewusst? Was hast du erwartet? Also ich kannte das Wort Wische nicht so richtig, deswegen nicht so viel. Ich wusste schon, dass wir nach Werben fahren wollen und ich wusste, dass das so eine Elbauenlandschaft ist, die so ein bisschen… Also viel Natur, viele große, flache ehemalige LPG-Felder, viel Weite und auch viel Natur, viel Vögel.
Das liegt ja auch am Elberadweg, da war ich schon öfter unterwegs. Und deswegen genau habe ich erwartet, dass man sowas sieht und dann auch eine sehr spezielle kleine Hansestadt. Und jetzt hast du LPG gesagt, das ist ja so ein Fachbegriff. Und hier im Fahrrad-Podcast Antritt erklärt mir die Fachbegriffe immer, also die fürs Fahrrad und auch die anderen.
Die LPG, was war das nochmal? Ja, das erwischst du mir auf den falschen Fuß. Okay, die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Danke, ja genau. Also ich habe gerade überlegt, wofür stand das P? Produktionsgenossenschaft. Sehr gut, Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Also so eine Betriebsform, so Großbetriebe, landwirtschaftliche Großbetriebe in der DDR.
Anreise zur Wische
Die Wische, Sachsen-Anhalt, also ehemalige DDR. Und dort wollten wir hinfahren. Wir sind dabei nicht mit dem Rad losgefahren in Leipzig, das war ein bisschen zu weit, sondern wir haben uns ein Auto gemietet. Weil nicht anders vertretbar in dem Zeitraum hinzukommen war. Und wir sind nach Havelberg gefahren, sind dort aufs Rad gestiegen. Dann sind wir losgerollt zur Elbfähre in Rebe.
Und wenn man dort übersetzt, dann kann es passieren, dass man unterwegs mitten auf dem Fluss eine Honigwabe gereicht bekommt.
Hallo, zwei Leute, ein Fahrrad. Sind Sie der Imker? Sieht so aus, ne? Ja, und das ist ganz frischer Sonnenblumenhonig. Dankeschön! Hier zwischen Rebel und Wärme. Da seht ihr gleich, nachher kommt der Vater ja vorbei. Ja, Sonnenblumenfeld. Und das ist aber dann jemand anderes, der das macht und der das bei Ihnen hier abstellt, oder? Der kommt jetzt noch rüber mit seinem Bienenwagen. Und den habe ich erst mal gleich so eine warme Apelux da. Das ist schon sehr geil. Lecker!
Wir fahren hier so eine Allee, ne? Das ist irgendeine alte Allee. Ich glaube, die heißt auch irgendwie so. Mit so blauen Blumen an der Seite, paar neu gepflanzte Bäume. Und die Straße ist neu, also der Asphalt ist gemacht. Da sind, glaube ich, Apfelbäume. Ja, ja, hier. Ja, aber nicht überall, ne? Und Kastanien.
Ich habe mal gelesen, das kommt aus der Zeit von den Fürsten, wo die noch mit den Pferdekutschen gefahren sind, dass Apfelbäume und so Rostkastanien gepflanzt worden sind, um die in der Fahrt so ein bisschen zu füttern. Und ein Sonnenblumenfeld rechts und links. Und hier muss das sein, was der Pferdemann erzählt hat, ne? Von der Imkerei, die muss hier irgendwo sein. Ja, wo wir die Honigwabe probieren durften. Ja, die war schon echt lecker.
Unterwegs auf dem Fahrrad
Was fahren wir denn so gerade geschwindigkeitsmäßig? Ja, ja, wir haben jetzt hier so einen Gegenwind. 27. Ah ja, Christian wäre enttäuscht. Ich glaube, so enttäuscht ist Christian gar nicht, denn er hat uns ja auch empfohlen, in die Altmark zu fahren. Ja, das war mir auf jeden Fall ein großes Anliegen, auch weil der Podcast immer noch nicht da war. Und er hat ja nun mal auch viel Verwandtschaft da. Da hat er sich sehr gefreut, dass wir endlich mal dahin aufbrechen.
Und wenn man jetzt genau hingehört hat, dann hat man gemerkt, wir haben uns auf dem Fahrrad unterhalten und wir haben auch nur auf der Fähre zwei Leute, ein Fahrrad angemeldet. Was ist da passiert? Ja, mein Fahrrad habe ich unterwegs von Wuth in die Elbe geschmissen. Nein, wir waren mit dem Tandem unterwegs. Da hatte ich nämlich auch besonders viel Lust drauf. Und Gerolf hat sich bereit erklärt, sein Tandem nochmal auszupacken, nur für mich.
Ich packe das Tandem gern aus. Und das ist aber genau richtig formuliert. Ich habe hier niemanden überzeugen müssen oder aufs Tandem gequatscht. Nein, Leonard hat Interesse daran gehabt. Und es ist natürlich ein interessantes Fahrzeug, wenn man zusammen unterwegs ist, weil man sich da eben, wie er das eben gehört hat, während der Fahrt austauschen kann.
Und so ist es uns auch gegangen auf der Fahrt nach Werben. Und wir mussten uns dann ziemlich sputen, weil wir hatten ein bisschen auf die Fähre gewartet. Es hat auch alles ein bisschen länger gedauert mit der Anfahrt. Und so sind wir dann auf Werben zugefahren mit 27 km im Gegenwind.
Erster Eindruck von Werben
Und dann haben wir uns dieser Stadt genähert. Und so, mein erster Eindruck, wenn ich mich so daran erinnere, das war so eine Mischung aus Backstein und Fachwerk und alten Pflaster. Und dieser Stadtkern ist eine sehr schöne Bausubstanz. Total! Wir haben auch ganz viele Details gesehen, das weiß ich noch.
Also vorher durch diese ganze flache Landschaft, wo wir gesagt haben: „Boah, noch ein Storch, noch ein Storch, guck mal da, boah, noch ein Reh.“ Also das war ja eh schon total schön. Und ich weiß noch, wir sind reingefahren in Werben und sind an diesem Laden vorbeigekommen, wo irgendwie alte Brille draufsteht. Und noch so ein Spruch: „Ihren Sozialismus in seinem Lauf fällt weder Ochs noch Esel auf.“
Und irgendwie so ganz verschiedene kleine Details, die auch schon etwas älter noch aussahen, aber irgendwie auch sehr gut gepflegt und in Schuss. An diesen Spruch kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich kann mich aber sehr gut daran erinnern, dass wir uns getroffen haben mit Werner Eifrig. Und ich glaube, Werner Eifrig ist in Werben eine wichtige Figur. Oder ich weiß eigentlich, dass er das ist. Institutionen kann man fast sagen. Leonhard nennt ihn eine Institution. Was ist seine Funktion? Was macht er?
Was macht Werner Eifrig nicht? Also der ist sehr, sehr lange schon umtriebig, war ganz lange, glaube ich, Vorstand vom Werbener Altstadtverein. Und hat eigentlich dafür gesorgt, dass ganz viele Häuser gerettet worden sind, saniert worden sind, die leer standen und eigentlich so vom Einsturz gefährdet waren. Dass die gekauft worden sind, saniert worden sind. Teilweise haben sie sie auch selber saniert.
Und der hat aber auch ganz viel getan, um Stadtgeschichte zu bewahren. Hat also Ausstellungen gemacht, hat Archivmaterial gesammelt, hat die Stadtwebsite gepflegt und irgendwie programmiert und aufgebaut, glaube ich, zusammen mit seinen Dönen. Also eigentlich war der überall in Werben aktiv.
Besuch im Elbtor
Und mit Werner Eifrig schieben wir jetzt das Tandem ein bisschen durch die Straßen. Und dann gehen wir auf das Elbtor mit ihm. Wir gehen jetzt erst mal aufs Elbtor, wenn es recht ist. Sehr gerne! Ich habe den Schlüssel organisiert. Cool! Dann kann man von oben schön auf die Stadt gucken. Und dann schauen wir mal, was wir quatschen wollen oder was ich weiß. Ja, dann gehen wir jetzt mal da hoch.
Ja, hier lang. Da wollt ihr euer Fahrrad für? Da möchte ich nicht mehr machen. Hier ist es nicht weit. In Werben ist überhaupt nichts weit. Wir haben hier eine Gärtnerei. Ich bin ja seit 1971 hier nach Werben gekommen, weil sie hier einen Gärtner suchten, der die Leitung an der Gärtnerei übernimmt. Und dann nur ausschlaggebend die Wohnung, dass wir eine Wohnung versprochen und gekriegt haben, eine Neubauwohnung, wie sie damals so war.
Deswegen bin ich dann hier gelandet. Meine Frau stammt aus der Altmark, das war nicht so sehr weit weg. Hier stehen wir jetzt vor dem interessanten Elbtor. Ja, dann gehen wir jetzt mal hoch. Dann hat uns zugesagt, dass wir die Gärtnerei übernehmen wollen. Dann sind wir dann da, komme ich halt mit in die Altmark. Dann habe ich die Gärtnerei bis zur Wende da geleitet.
Dann habe ich drei Jahre Schluss gemacht an der Gärtnerei. Wir haben dann hier einen Blumenladen uns aufgebaut und haben dann im Prinzip nur noch verkauft. Das, was Sie damals gemacht haben, was Sie da aufgebaut haben, das lief diese Zeit wunderbar. Und würde aber jetzt nicht mehr laufen. Das würde nicht mehr laufen. Das hat sich alles geändert.
Hier gibt es noch ein bisschen Landwirtschaft, zwei, drei Betriebe. Es gibt noch ein paar Handwerker. Geschäfte gibt es im Prinzip nur noch den Fleischerladen. Und natürlich, ja, den Einkaufsmarkt. Zum Glück, dass es den gibt. Ja, ein Friseur, ein Blumenladen, das war es im Prinzip schon.
Erhalt der alten Häuser
An manchen Häusern stehen so Schilder dran: „Erhalt vor Neubau.“ Allein hier habe ich jetzt zwei gesehen. Das ist die Initiative des Arbeitskreises Schwärmner Altstadt, dass wir Leute ansprechen wollen, dass man die alten Häuser erhalten soll und nicht abreißen soll, sondern die Häuser sanieren. Dieses Haus zum Beispiel war eigentlich auch dem Abriss nahe, ganz nahe sogar.
Und dann ist eine Familie aus Berlin gekommen, die ich überzeugt habe. Warum habe ich sie überzeugt? Weil das da oben meine erste Wohnung war. Und die haben wirklich dieses Haus saniert, ganz hervorragend saniert, muss ich sagen. So sah das Haus im Prinzip auch wirklich früher aus. Und wenn die fertig sind, dann kriegen die so ein Schild, wenn man das gemacht hat.
Genau, das sieht man hier an vielen Häusern, wo zum Beispiel diese Häuser saniert worden sind oder die während der Sanierung jetzt irgendwo stehen, dass da noch gebaut wird. Dann zeigt man den Fremden, die hierher kommen, den Touristen: „Aha, hier wird was getan für den Erhalt der alten Häuser.“ Denn mit diesen Häusern fällt und steigt das Ansehen von Werben.
Wenn ich hier noch mehr Häuser abreiße, auch weil sie leer stehen und die nicht erhalte, dann ist irgendwann zu Ende. Dann kommt hier keiner mehr her. Wir haben ja auch schon viele Häuser als Verein, Arbeitskreis Schwärmner Altstadt, Häuser einfach notgesichert, wo jetzt kein Eigentümer da ist. Dann haben wir, wenn es durchgeregnet hat, Dachsteine runtergenommen, haben erst mal Blechplatten draufgelegt, dass es erst mal trocken bleibt, das Haus, um es dann irgendwann zu verkaufen.
Lebensqualität in Werben
Jetzt schwärmen Sie ja total. Ja, man muss ja schwärmen. Man muss auch gute Laune verbreiten, damit ja noch mehr Leute herkommen. Wir brauchen Zuzug. Leute, kommt nach Werben, hier gibt es viele Häuser. Werben für Werben! Ja, wie überall in der ehemaligen DDR hat sich 89/90, also mit der Wiedervereinigung 1990, sehr viel geändert, so auch in Werben.
Es gab dort einigen Wegzug, sind viele Leute gegangen und es gab einigen Leerstand in dieser Zeit, der sich auch, glaube ich, bis heute noch ein bisschen zieht. Ja, man merkt das, wenn man durch die Stadt fährt. Es gibt immer noch Leerstand. Es gibt immer noch Häuser, wo irgendwie dran steht: „Hey, wir sind zum Verkauf.“
Es gibt aber, finde ich, in Werben, es war schon ein sehr hübsches Städtchen. Es gibt sehr, sehr viel, was irgendwie doch gut in Stand ist. Und es ist aber nicht alles dauerhaft bewohnt, sondern wir haben auch gelernt, als wir da unterwegs waren, dass viel gekauft worden ist, auch von Menschen, die übers Wochenende herkommen oder die pendeln. Oder auch vielleicht sich einfach so ein Häuschen retten wollten und dann halt auch aus den umliegenden Städten, also Berlin, Magdeburg, Hamburg, die vielleicht auch einfach mal zwischendurch raus wollen aus der Stadt.
Und genau, ja, also Werben hat es irgendwie geschafft, Leute von außerhalb anzuziehen, was ja jetzt nicht überall in so ländlichen, eher abgelegenen Regionen der Fall ist. Das liegt sicher an dieser wirklich schönen Bausubstanz, liegt aber auch noch an ein paar anderen Sachen, die wir auch noch rausfinden werden.
Herausforderungen und Entwicklungen
Natürlich hat man in Werben auch mit sowas wie Landflucht zu tun. Die Baukosten sind auch dort deutlich gestiegen und dieses Problem, dass man dort demografischen Wandel hat und junge Leute eher abwandern, das hat man natürlich bis heute. Aber es gibt auch an anderer Stelle positive Entwicklungen.
Ja, man muss ja wirklich sagen, das ist was Besonderes, weil Werben liegt halt mitten in der Altmark. Die Leute sagen ja auch: „Mittel auf nücht.“ Und auch unsere Anreise hat ja sehr lange gedauert, obwohl es gar nicht so viele Kilometer sind, weil man ganz, ganz lange über Landstraßen fährt und eben gar nicht so schnell vorankommt.
Und ja, es eben einfach auch nur weiter dauert, bis man in der nächsten größten Stadt ist. Und dass da Leute Lust haben, wieder hinzukommen und dass auch da Tourismus funktioniert und dass da irgendwie Leben ist, obwohl die Stadt erst mal sich nach der Wiedervereinigung angefangen hat zu lehren.
Das ist eben das, werden wir gleich auch hören, ja, das Werk von vielen Menschen und ein Stückchen weit auch vom Tourismus und von tollen Angeboten, die in Werben geschaffen werden.
Tourismus und Attraktionen
Und zum Tourismus kann man noch sagen, dass Werben an der Straße der Romanik liegt und natürlich auch am Elbe-Radweg. Und die Flussradwege sind ja gerade in Deutschland ziemlich beliebt für Radreisende. Der Elbe-Radweg ist einer der beliebtesten und der bringt natürlich relevant Leute dort in die Stadt.
Und es gibt auch dort einige Attraktionen. Es gibt die berühmten Biedermeier-Märkte, wo sich dort viele Leute ins Zeug legen, die mehrmals im Jahr veranstaltet werden. Und es gibt ein Freibad und einen Campingplatz, die hast du auch schon mal besucht.
Ja, die gehören nämlich zusammen, so mehr oder weniger. Also wenn man in den Campingplatz einkehrt, dann kann man normalerweise das Freibad mitbenutzen. Und ich finde das Besondere an diesem Campingplatz ist, dass der Betreiber total engagiert ist und wirklich mit vielen, vielen liebevollen Details, auch gerade für Radfahrer, aufwartet.
Also da gibt es dann eine Fahrradpumpenstation, eine Flickstation, irgendwie einen Raum zum Wäschetrocknen und so. Das ist ganz süß gemacht. Ja, die Gaststätten leben natürlich vom Tourismus. Die Beherbergungsbetriebe leben vom Tourismus. Da gibt es ja auch einiges. Da sind wir gut versorgt, muss ich echt sagen.
Ja, Gaststätten, wir haben ja jetzt durch den Verein Arbeitskreis Werbener Altstadt da in der Kirche dieses Café Lempel. Dieses Haus hat ja der Verein saniert und ist noch dabei, es zu sanieren. Unten ist ein wunderschönes Café drin, so im ländlichen Biedermeier-Stil, sagen wir. Die Badeanstalt profitiert vom Tourismus. Da ist ein wunderschöner Campingplatz da draußen. Also es ist ein Freibad. Hier sagen wir mal, hier am Volksmund sagen wir Badeanstalt.
Geschichte des Freibads
Okay, alles klar, das ist ein Freibad. Ja, da weiß ich auch schon, was mal mit vereinter Kraft der Leute hier von Werben ausgebuddelt wurde. Die sowjetischen Freunde haben damals mitgeholfen, mit einem Panzer oder mit einem Schiebepanzer haben die Grube ausgehoben. Es wurde alles per Hand hergestellt.
Ich hätte auch mal noch eine Frage. Ja, und zwar, Sie haben ja über ein paar Projekte schon gesprochen. Sie haben eben gesagt, obwohl Werben so klein ist, gibt es hier so viele Initiativen und so viele engagierte Leute und auch man kennt sich. Sind das so die Sachen, die Werben so lebenswert und so schön machen?
Ja, was macht Werben lebenswert? Na, auf jeden Fall erstmal rundherum die intakte Natur, muss ich echt sagen, die Werben lebenswert macht. Das ist immer wieder wunderschön, wenn Sie hier auf dem Deich spazieren gehen und sehen die intakte Natur.
Ja, wie gesagt, die Vereine, die das Leben hier die Leute zusammenhalten. Der eine geht zum Sportverein, der andere geht zum Arbeitskreis Werbener Altstadt, der andere geht zum Schützenverein. Also wir haben über 20 Vereine hier in Werben, größer oder kleiner, je nachdem. Das ist das, was auch das Leben hier so interessant macht.
Und ja, man kennt sich hier, man begrüßt sich. Jeden Tag „Guten Morgen“ ist normal, wenn man sich sieht. Gerade der Verein Werk und Wiese, der jetzt übrigens in der Gärtnerei sich da angesiedelt hat, die versuchen auch jetzt gewaltig, die Werben da gerade mit reinzunehmen.
Die veranstalten Events, die veranstalten ein Osterfeuer und legen großen Wert, dass auch jetzt die Werbener immer mit eingebunden werden. Was vielleicht am Anfang auch mal bei einigen war, noch schiefgelaufen ist, dass sie unter sich bleiben wollten, aber jetzt kommt das Zusammenwachsen, passiert jetzt gerade.
Engagement der Bürger
Würden Sie sagen, also es klingt für mich so, jeder Werbener macht irgendwas. Bei 20 Vereinen, bei 600 Leuten, das klingt so, als wäre jeder hier aktiv und hätte so seine Projekte hier. Jeder? Nicht jeder ist aktiv, aber ich würde mal sagen, bestimmt 80 % sind in den Vereinen irgendwo.
Und ich finde, wenn man da so jemanden so von schwärmen hört, das bringt einem das irgendwie auch näher, so ein Stück weit. Weil es gibt, glaube ich, Menschen, die denken: „Ich könnte nie in einem Ort leben, der nur 600 Einwohner hat, da sterbe ich ja vor Langeweile.“ Und dann merkt man immer, wenn man da hinfährt, das ist überhaupt gar nicht so.
Man muss sich selber einbringen, dann wird das interessant. Es ist so viel los, auch auf so einem Land, aber man muss einfach hingehen. Denn dann muss ich, wie gesagt, mit einbringen. Landleben ist Landleben und Stadtleben ist Stadtleben. Dafür hat man hier seine Ruhe. Die viele mögen sicherlich, manche nicht.
Wenn man jung ist, sieht man das anders, aber hier kommen Leute aus Berlin, die sind jedes Mal froh, wenn sie endlich wieder hier sind. Und hier ein Ding machen, wenn sie ein Haus sanieren oder sich im Verein irgendwo einbringen, dann denken sie: „Endlich wieder hier in Werben.“ Das reißt eigentlich nicht ab. Die kennen wieder andere und bringen wieder andere Leute hierher und sagen: „Guck mal, hier wie schön das hier ist.“
Besuch im Heimatmuseum
In der Woche haben sie wieder ihre Pizza-Bude, wo sie essen gehen können. Sollen wir mal hochgehen? Ja, ja, geht los. Vielleicht erst sportlich trainiert, das ist dann nicht so schlimm. Gehen wir hier durch den engen Turm hoch an eine enge Treppe.
Oh, das ist unser kleines Werbner Heimatmuseum. In der Mitte sehen wir ein abgebildetes Monument des Werbner Stadtkerns, wie er früher mal im Mittelalter ausgesehen hat. Mit einer Stadtmauer, die um die ganze Stadt herumging, mit den Elben. Das ist das Monument, oder? Ja, ja, mittig im Prinzip sagen wir die St. Johanniskirche.
Hier der Marktplatz mit dem Rathaus, die Stadttore, fünf, sechs Stadttore, kleinere oder größere. Das letzte alte ist hier das Elbtor, wo es runter zur Elbe geht. Das ist ein Werben-Mauers. Werben hatte man irgendwie auf der Zeichnung gesehen. Nochmal zwei Rathäuser, ein Fachwerk-Rathaus, ein Backstein-Mauers-Rathaus.
Das stand hier, wo jetzt die… Deswegen heißt diese Straße, die hier lang geht, die Hinterstraße, weil die erst hinter dem Rathaus anfing. So erfährt man das nachher. Gehen wir mal hoch. Es geht noch weiter hoch. Na ja, sehr lange nicht erhoben. Wir wollen noch mal einen Überblick über die Stadt, wenn es um die Störche geht.
Das ist jetzt die dritte Treppe und so langsam braucht Gerolf auch seine strammen Radlerwaden. Was? Ich habe das nicht verstanden. Die Wächter, die müssen hier hervorruhen runter. Da sind noch mal Einsätze, Aussichtsplattform. So, wir kommen auf den Aussichtsturm zu einer Aussichtsplattform. Gleich können wir über Werben sehen und ins Storchennest mit zwei Störchen.
Ah, das ist der Blick ins Storchennest. Das ist das Storchennest. Wir sagen dazu das Elbtor-Storchennest. In diesem Storchennest kommt der erste Storch immer schon Ende Februar. Meistens ist es die Störchin und der Storch kommt dann meist drei Wochen später. Was wir hier sehen, sind zwei Junge, die jetzt flügge sind, die jetzt das Fliegen lernen.
Eindrücke von Werben
Ich sehe uns noch auf diesem Stadttor stehen. Irgendwo unten an der Backsteinwand ist das Tandem angelehnt. Wir schauen über diese Stadt. Kannst du dich an diesen Moment erinnern? Du nickst gerade. Was hast du gedacht, als wir dort oben standen?
Viele Gedanken sind mir durch den Kopf gegangen. Ich war total eingenommen von Werner Eifrig, der mit seiner Begeisterung, fand ich total ansteckend. Weil er da so drüber geguckt hat und man hat gemerkt, der liebt das hier, das ist so seine Heimat.
Ich fand toll, wie viele Störche man gesehen hat und diese Weite im Hintergrund, auch diese Elbauen und die Elbe, die da langfließt. In den Gärten war auch viel los, da Hühner, die da rumliefen und eine Gans und alles Mögliche. Ich habe echt gedacht, die Stadt sieht irgendwie schön aus, die hat was. Das ist irgendwie spannend, von da oben reinzugucken.
Es gibt auch in diesem Tor ein kleines Museum und da gibt es auch ein Modell dieser Stadt. Und dann kann man die Geschichte ein bisschen nachempfinden. Also ein Modell, was die Stadt vor einigen hundert Jahren zeigt und hat auch eine durchaus bewegte Geschichte.
Und das alles ist so gemacht, dass man das so… Also man nimmt den Leuten, die das da machen, also Werner Eifrig, mit dem wir da gesprochen haben und auch anderen, nimmt man ab, dass die da voll dabei sind. Und dass die wirklich was zu erzählen haben.
Für mich war so ein Moment: Okay, vor drei Stunden haben wir irgendwie das Auto in Havelberg abgestellt. Und dann sind wir da über die Elbe gefahren und dann ist man da so reingeworfen in so einen anderen Ort, kriegt ganz viele Informationen da. Das hat mich so ein bisschen angestachelt, also weil so viel Neues war.
Und dann steht man da oben und hat diesen Überblick über diese Stadt und hört diesen Mann reden, der ganz viel zu erzählen weiß. Und es war ein total starker Eindruck von dort, fand ich auch.
. Und auch diese Geschichte – ich erinnere mich an diese Bilder von diesen Zügen, wo dann draufsteht „Ab in die Wische“ oder „Auf in die Wische“, wo dann zur DDR-Zeit da so Einsätze waren, wo die Jugendlichen letztendlich auch versucht haben, da die Wische mit zu entwässern, Höfe aufzubauen und Straßen zu bauen und so weiter.
Und ich weiß noch, dass wir gedacht haben, eigentlich müssen wir jetzt erst recht nochmal durch die Wische fahren und die Wische erkunden und nochmal genau gucken, wo das alles stattgefunden hat, was wir gerade gelernt haben und wie es rund um die Stadt Werben selber aussieht. Das haben wir auch gemacht und wir sind aus Werben raus nach Süden gefahren.
Ich finde, das ist so, dass man mehr mitbekommt von den Orten, dass man mal stehen bleibt, dass einem Details auffallen, auch wenn man gar nicht so schnell ist wie mit dem Auto. Das habe ich ja auch auf dem normalen Fahrrad, aber das Tandem hat schon den Vorteil, dass man anders miteinander verbunden ist und dass man auch öfter angesprochen wird, weil die Leute auch nicht jeden Tag Tandems sehen.
Oder man spricht andersrum Leute an, die man unterwegs trifft. Wir sind nämlich durch ein ganz kleines Dorf gefahren, das so ein bisschen ausgestorben wirkte, und dann hinter so einer Autowerkstatt in so einer kleinen Seitenstraße haben wir einen Mann in seinem Garten gesehen. Der hat da gerade, glaube ich, Hühner gefüttert. Und dann haben wir den einfach mal angesprochen.
Und das Coole ist nämlich auch, wenn man mit so einem Tandem unterwegs ist, sind die Leute ja neugierig, und der hat dann auch sehr offen mit uns gesprochen. „Leben Sie gern hier?“ „Ja, wir kommen gerade aus Werben. Da haben wir mit einigen Leuten gesprochen. Die haben auch alle gesagt, dass sie gern da leben, aber die haben auch gesagt, dass immer mehr junge Leute wegziehen, dass das halt dort ein Problem ist. Ist das hier auch so?“
„Ja, das ist hier überall. Die kommen hier nie wieder, weil es hier nicht mehr viel gibt. Gibt es das? Wir hatten hier früher im Dorf eine Gaststätte gehabt, eine Bäckerei gehabt, einen Konsum gehabt, alles weg. Das Einzige, was wir jetzt haben, ist eine Autowerkstatt da vorne. Die werden Sie in der Nacht nicht mehr sehen. Und ansonsten ist es eben ein Problem mit dem Einkaufen. Ältere Leute, die müssen ein bisschen nach Osten durchfahren. Ja, das ist eben das einzige Nachteil hier. Ansonsten lebt es hier ruhig.
Und arbeiten Sie noch? „Nein, ich bin jetzt 70. Aber ansonsten ist hier nicht viel los. Keine Arbeit. Das einzige Zellstoffwerk da oben hier im Dorf wir sind ungefähr 105, 110 Einwohner. Und davon sind bestimmt ungefähr 70, 65 und noch älter als ich oder gleich alt. Die machen das nicht mehr. Die gehen nicht mehr abends in die Kneipe. Doch, wir würden gerne noch. Aber wir haben vorher alles viel gemacht.
Und bei der Rente, die ich kriege, das Bier 4,50 Euro. Und Essen gibt es jetzt auch nicht mehr unter 22, 23 Euro. Wir würden gerne, ja. Wir fahren auch mal alle 4 Wochen in der Arbeit. Man kann es sich eben nicht leisten. Die Felsen hier angeln kann ich oben aus meinem Dachfenster. Die kann ich hier rüberschmeißen in die Kuhle. Da würde ich nicht mehr rausgehen. Auch ansonsten, es ist eben dort nicht mehr viel, wo ich hingehen kann.
Wir hatten jetzt in den Werben den Eindruck, dass da schon Leute auch hinkommen, Häuser kaufen und die sanieren. Da haben uns auch so Leute aus Werben gesagt, wir finden das eigentlich gut, weil das saniert da mehr Häuser. Sanieren, dann kommen Touristen mehr her. Aber da war ja auch schon so viel Ärger, weil die Häuser, die in Werben verkauft wurden, sind alles von den Säuberern. Das geht in Ostdeutschland weiter, das kannst du dir nicht leisten.
Die alten Fachwerkhäuser, wir hatten da selber so ein Haus gehabt von meiner Vorseite aus. Das war das Verfallene. Geldfrage, Geldfrage könnte man machen, aber es ist eben Geldfrage. Ich will nicht in die Stadt wohnen. Vielleicht muss ich es irgendwann, wenn es nicht mehr geht. Aber so würde ich nicht hinziehen. Warum? Weil es zu viele Leute sind, zu eng, alles zu teuer. Ja, so bin ich jetzt zu arg. Den ganzen Lichter.
Aber wie gesagt, so bin ich hier ganz zufrieden. Was ist denn das Schönste hier? Bei uns ist Natur in Ruhe. Ja, wir haben hier einen Haufen Teiche. Hier ist alte Kieskuhle. In den Bergen sind etliche Kuhen. Da kann man sich in Ruhe hinlassen, angeln. Das ist schön. So, früher zu DDR-Zeiten war unsere Gaststätte am Wochenende immer voll. Wochenüber war immer Arbeit gewesen.
Wir haben jeden Freitag mit Kollegen Doppelkopfrunde. Mitten Freitag 18:30 Uhr war der Termin. Karten gespielt, Bierchen gesunken. Das vermisst man auch noch ein bisschen. Aber wenn man warten kann, denkt man immer, hier ist es Für mich war dieses Gespräch ein ziemliches Kontrastprogramm.
Wie war es für dich, dort am Gartenzaun halb auf dem Tandem zu sitzen, als wir mit ihm gesprochen haben? Ich fand das auch ein Kontrastprogramm, weil eben vorher Werner Eifrig so ansteckend begeistert war in einer Stadt, die ja auch ähnliche Probleme hatte. Da gab es auch Wegzug, da gab es auch Leerstand. Da haben die Läden geschlossen. Die haben es ja irgendwie geschafft, die Stadt Werben zu beleben.
Im Vergleich dazu hört man hier bei diesem Mann ja auch, was man bei Werner Eifrig hört: sehr viel Heimatverbundenheit, sehr viel Liebe zu diesem Ort. Aber irgendwie ist dieser Moment anscheinend nicht gekommen, dass man irgendwie schafft, das zu erhalten und dass man irgendwie eine Idee hat. Sondern dann ist ganz viel Frust gekommen und ganz viel Hinterhertrauen hinter einer Vergangenheit, die es so nicht mehr gibt.
Und auch höre ich daraus ganz viel Perspektivlosigkeit. Dieses Gefühl, ich kann hier aber auch gar nichts verändern. Ich kann hier aber eigentlich auch nicht weg, weil woanders gefällt es mir aus verschiedenen Gründen irgendwie nicht. Das hat mich schon sehr bewegt, weil das ja keine 10 Kilometer auseinanderliegt und man da wirklich so zwei ganz verschiedene Welten nebeneinander erlebt hat.
Und man aber gespürt hat, wie wichtig ihm das ist und wie gerne er da eigentlich ist und wie sehr sein Herz an diesem kleinen Ort dort hängt in der Altmark, wo ja eigentlich wenig ist. Wie ging es dir denn damit, Gerolf? Ja, wir haben jetzt nur 10 Minuten mit ihm gesprochen dort am Gartenzaun, vielleicht.
Und ich kann das nicht alles genau einschätzen, was dort versucht wurde, nicht versucht wurde, wie das ist. Aber es war schon deutlich, dass die belebten Zeiten, die Zeit, wo was passiert ist, die war absolut im Rückspiegel. Es gibt so etwas, was wir in Werben gemerkt haben, dass es da irgendwie so einen Kristallisationspunkt oder so Kristallisationspunkte gibt.
Irgendwas, was eine Anziehung ausübt, wo Leute hinkommen, wo auch Leute von außen kommen, wo man sich das zunutze macht, wo man sagt: „Okay, wir wollen die Leute, die hier diese Häuser aufkaufen, damit wir mit denen irgendwie diese Stadt gestalten können.“ Das war bei ihm ja total verstellt.
Und es ist so eine sehr… also ja, mich hat es, ohne dass ich irgendwie darüber urteilen will, mich persönlich hat es ein bisschen deprimiert. Ich habe da auch so eine zerrissene Biografie gehört. Also dieses mit der Wiedervereinigung war es mit Jobs schwieriger. Gerade fehlt auch Geld schon für manche alltägliche Sachen, die er eigentlich gerne machen würde.
Und dieses Problem – also in unserem Podcast dazwischen haben wir diese Thematiken oft also finanzielle Schwierigkeiten und auch das Thema so Dorfsterben, weil einfach die Bevölkerung immer älter wird und immer mehr schrumpft. Und das haben ja ganz, ganz viele kleine Orte, das Problem, dass Sachen, an denen die Menschen sehr hängen, kaputt gehen.
Dass der Laden schließt, dass die Kneipe schließt, dass die Schule schließt, dass das Schwimmbad zumachen muss, weil einfach zu wenig Menschen dort leben. Und das zerreißt natürlich Leute, weil ihre Heimat sich verändert. Ja, nun gehört das ja immer dazu, dass die sich irgendwie verändert.
Aber es war so ein, finde ich, so ein ganz eigentlich altes Thema, was sich so durchzieht, was man eben auch oft merkt, finde ich, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Dieses Kneipensterben, also dieser Wegfall von Begegnungsorten, wo irgendwie so ein Dorfleben oder so stattfinden kann, das war dort halt deutlich zu spüren.
Und gleichzeitig aber auch eine Vorstellung von dem Leben, zum Beispiel in der Stadt, die schon ziemlich krass sein muss, weil die das ja… also das wehrt er ab. Und das ist so ein bisschen… ja, ein bisschen festgefahren, klingt es auf jeden Fall, finde ich. Es ist zumindest so, dass dieser Kontrast sehr deutlich war zu Werben.
Und das gehört natürlich auch dazu, finde ich, wenn man mit dem Rad fährt und wenn man sagt: „Hey, das ist cool, weil man ist dann Begegnungen und Stimmung und so ausgesetzt.“ Dann ist es natürlich auch so, dass man sowas mitbekommt und dass man dann auch sich fragt: „Ja, okay, was würde man eigentlich selbst hier machen in diesem Dorf, wo das alles so wegbricht?“
Und da wird es, glaube ich, nicht das einzige Dorf sein, in dem das so ist. Wir sind dann weitergefahren. Genau. Und es hat, glaube ich, dazu so angeregt, dass wir die Wische noch ein bisschen mehr kennenlernen wollten und gucken wollten, wie ist es in den anderen Dörfern, die wir noch drumherum sehen.
Und ich glaube, mich zumindest hat es sehr neugierig gemacht: Was ist denn das Geheimnis von Werben? Also wie hat denn Werben das geschafft, dass eben nicht dieser Frust aufkommt, sondern dass die das irgendwie hinkriegen? Und ich glaube, da hatten wir auch schon die Idee, dass wir dann am Ende von unserer Tour nochmal nach Werben reinfallen und nochmal sprechen werden.
Erstmal sind wir aber über einige kleine, lange, oft geradeaus laufende Straßen gefahren, haben einige Erntemaschinen gesehen. Also landwirtschaftlich war da einiges los. Und das war eigentlich so das Thema, ne? Landwirtschaft, dann so Spuren der Vergangenheit, die man überall gesehen hat.
Und dann auch ganz großes Thema in der Wische: Tiere. Ich finde, es ist schon ein besonderes Erlebnis, weil es ist so eine krasse Weite. Wir fahren hier durch riesige Felder, Sonnenblumen, abgeerntzte Getreidefelder, diese klassischen Altmarkalleen, auch mit Mirabellen. Dann laufen da Rehe lang. Wir sehen die nächsten Rehe.
Ich glaube, da drüben sehe ich auch eins. Also ich gucke geradeaus, sehe zwei Rehe. Gucke nach rechts, sehe auch einen Reh. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich schon mal so viele Rehe gesehen habe wie heute. Im Magdeburger Stadtwald habe ich schon ganz viele. Ja gut. Und vorne auch 20 Störche auf einem Feld. Auf einem Feld, ja.
Also man sieht ganz viele Störche, ganz viele Vögel. Es ist diese riesige Weite. Es ist ja auch alles sehr flach. Und ab und zu mal so einen kleinen Hof, ein paar Hunde. Und irgendwie, obwohl es so eine… es ist ja ein total weit. Altmerker sagen ja auch manchmal „in the middle of nüscht“.
Und obwohl es irgendwie so gefühlt immer so nicht so richtig was gibt, hat es irgendwie eine totale Schönheit. Ich finde auch eine gewisse Melancholie. Oh, da sind die Rehe noch mal. Und es ist auch, obwohl ich hier schon mal in der Gegend war, es ist was Besonderes aus dem Tandem auch tatsächlich, weil ich sitze ja hinter dir.
Ich sehe auch immer direkt, wo du hinguckst. Ich sehe auch, dass du immer in die Richtung dann so ein bisschen automatisch mitlängst. Es ist irgendwie eine besondere Art. Wir sind relativ flott auch dafür, dass wir so beide nur so mittelstark treten müssen. Ich finde, man kann sich gut unterhalten.
Es fühlt sich auch so gemeinschaftlich an. Und man ist ja auch sehr nah dran, wenn man irgendwo hinguckt und so. Also ich finde, man erlebt auch einfach viel zusammen, so richtig. Und es ist ein gutes Gefühl hier drauf. Man gleitet so durch die Landschaft.
Ja, dieses Gefühl des Durch die Landschaft Gleitens, das kenne ich gut. Und das schätze ich auch extrem daran, mit so einem Rad, egal wie viele Leute da drauf sitzen, unterwegs zu sein. Und wir haben dann so einen Wechsel gehabt aus Situationen, wo wir stehen geblieben sind, wo wir uns angeguckt haben: „Was ist hier?“
Wir haben ein altes, großes Schulgebäude gesehen. Wir haben dann so Spuren gesehen: „Okay, hier muss mal ein großer Betrieb gewesen sein. Das war wahrscheinlich eine dieser LPGs, dieser Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften.“ Es gab eine große Schule, teilweise mit so charakteristischen Bildern oder so Glasmosaiken, an die erinnere ich mich.
Es gab Bushaltestellen, die so zugewachsen sind. Also dieses Gefühl, da ist mal irgendwie was los gewesen. Da ist jetzt nicht mehr so viel. Und dann haben wir einfach das Fahren weiter genossen und sind wieder Richtung Werben gerollt, weil wir dort noch einen Termin hatten im Café Lempel.
Ich bin Sabine. Ich mache zusammen mit Marc, der ja da drüben sitzt, das Café Lempel, ein schönes altes Gebäude, saniert. Wir haben das vor anderthalb Jahren jetzt übernommen, sind die Pächter hier und machen das. Nach Werben gekommen sind wir eigentlich über einen Umweg, weil hier kommt man manchmal nur auf Umwegen hin.
Wir waren auf der Rückreise von Brühl nach Köln, also von Brüell nach Köln, nicht von Brühl nach Köln, das wären ja nur fünf Kilometer. Also von Mecklenburg-Vorpommern nach Köln und wollten über Land fahren, durch die Altmark und wollten hier eigentlich auf den Campingplatz Station machen. Und dann fuhr die Fähre in Rebel damals nicht.
Ich wollte aber unbedingt Fähre fahren. Und dann sind wir über die Fähre in Sandau gefahren. Und auf der Fähre in Sandau hing ein Plakat: „Da ist eine Fotoausstellung in Werben.“ Und dann haben wir gesagt: „Müssen wir mal nach Werben gucken.“ Und dann hat es uns hier so gut gefallen, dass wir eigentlich fast gleich da geblieben sind.
Das ist die kurze Version. Was war denn das Besondere, als ihr nach Werben gekommen seid? Es hat angefangen zu regnen und dann sind wir im Café Lempel gestrandet. Und alles war so schön und alles war so nett. Die Leute waren so nett und die Stadt hat einen wirklich so umarmt. Deshalb sind wir dann relativ zügig wieder hergekommen.
Und da war Biedermeier Markt. Und dann haben wir uns entschlossen, hier zu bleiben. Und wer bist du? Ich bin Elisabeth und ich bin seit 20 Jahren jetzt schon hier. Und bin als Kind hier gewesen. Meine Großeltern stammen von hier oder meine Mutter auch. Dann bin ich vor 20 Jahren hierher gekommen.
Jedes zweite Haus stand leer. Und habe meiner Großmutter noch geholfen, hier ein Jahr leben zu können. Die war sehr krank. Und eines Tages stand jemand vor der Tür und sagte: „Hast du nicht Lust, hier ein bisschen zu flanieren über einen Biedermeier Markt, den sie hier angefangen haben zu installieren?“
Und eigentlich ist die Story anders. Die haben mein Nachbarhaus entrümpelt. Das ist nämlich halb zusammengebrochen gewesen oder war kurz vorm Zusammenbrechen, sollte auch abgerissen werden. Und dann bin ich einfach rüber und hab mitgemacht, weil es mir ein bisschen langweilig wurde in dem Jahr.
Und dann war ich fasziniert von den Menschen und was die hier so bewegen und bin geblieben. Wenn man so durch Werben geht, dann hat man ja das Gefühl, dass eigentlich jeder engagiert ist in ungefähr 10 Vereinen gleichzeitig. Also irgendwie gibt es fast niemanden, der so nicht sagt, dass er irgendwas macht.
Was glaubt ihr, wie kommt das zustande, dass die Leute hier so doll engagiert sind für ihren Ort? Ich glaube, die Leute lieben einfach ihre Stadt und wollen dafür was tun. Und empfinden diese Stadt schon so als kleines Paradies. Und niemand will sich dieses Paradies von außen irgendwie wegnehmen lassen.
Und wissen schon ganz genau, dass sowas aber auch erkämpft oder zumindest erarbeitet werden will. Und dann ist halt jeder in dem einen oder anderen Verein aktiv. Also es gibt ja auch sehr, sehr unterschiedliche Vereine. Angefangen vom Stützenverein, von der Freiwilligen Feuerwehr, vom AWA, vom Kulturverein, vom Gymnistenchor, vom Sportverein.
Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen. Es gibt sicher noch viel mehr. Ja, es gibt sehr, sehr viele. Wir werden alle beleidigt. Nein, es ist ja auch so, dass an manchen Wochenenden sich Veranstaltungen auch schon doppeln. Also wo man wirklich sich entscheiden muss, auf welche Hochzeit man tanzen will.
Was ist AWA, hast du eben gesagt? Das ist der Arbeitskreis Werbender Altstadt. Ich glaube, ich suche auch so ein bisschen nach dem Geheimnis von Werben, wie man das geschafft hat, diese kollektive Stimmung zu erzeugen, dass alle irgendwie so sagen: „Wir machen halt einfach“ und irgendwie damit geht es uns viel besser.
Naja, ich glaube, dass es vielen tatsächlich so geht wie uns oder auch gegangen ist. Ich glaube, wir sind eine der Letzten, die hier angekommen sind, die tatsächlich finden: „Dieser Ort ist erhaltenswert und wir bleiben hier und wir starten hier was und kommen von außen, um Sachen zu erhalten.“
Ich glaube, es gibt hier ganz viele kleine Keimzellen. Vor 20 Jahren sagte mein Vater zu mir: „Was willst du denn in Werben? Jeder, der bis 13 konnte, ist weg.“ Und vor 20 Jahren waren noch gefühlt die Keimzellen noch so klein, dass man sie nicht sofort auf den ersten Blick gesehen hat, aber sie waren noch mal da.
Und ich meine damit die Menschen, die Bock hatten, irgendwas daran zu verändern oder sich ein schönes Leben aufzubauen und zu bleiben. Und diese sind jetzt sichtbar. Diese Zellen sind einfach gewachsen und sind sichtbarer, auch für Externe, wie euch, finde ich, dass man das fühlen kann oder wie euch das ist.
Eigentlich das ganze Geheimnis. Es war da und jetzt ist es sichtbar. Und ich glaube auch, das geht anderen Orten genauso. Es gibt auch hier Leute, die noch heute sagen: „In Werben ist nichts los.“ Ja, es gibt es. Es ist ein typisches… man hört ja eigentlich nur Negativstimmen.
Die hört man immer ganz deutlich. Die Positiven sind eher in der Minderzahl, weil man die mit in sich trägt. Das glaube ich ist das Geheimnis. Man hört als Mensch zu sehr auf die negativen Stimmen. Stiftet es auch so einen Zusammenhalt zwischen den Menschen, die es zusammen anpacken und die Stadt zu gestalten?
Oder ist das auch viel umstritten? Es ist immer wieder eine Herausforderung, ohne Frage. Zusammenhalt, das ist eine ganz philosophische Frage. Auch Menschen sind Individualisten und jeder hat seine eigene Denkweise. Der eine denkt sehr historisch und der andere nicht.
Und es sind alles auch private Anwesen hier. Es schließt sich nicht aus, den Zusammenhalt zu stabilisieren, weil wenn man das richtig oder gefühlt gut angeht, dass die Menschen miteinander kommunizieren und sagen: „Mensch, wer hast du das gemacht?“ oder einen Austausch geraten.
Oder mit der Digitalisierung, dass der Austausch auch noch größer möglich ist. Und dann kommt aber auch der Part, der sich dafür nicht interessiert und der will auch mitgenommen werden. Also es ist eine ziemlich große Frage. Wir sind ja jetzt nicht nur in Werben, wir sind auch rumgefahren, haben auch in anderen Orten mit Leuten gesprochen.
Und so aus meiner Wahrnehmung habe ich so das Gefühl gehabt, dass an anderen Stellen keine positive Perspektive zu spüren war. Aber ich nehme so einen Unterschied wahr, dass hier so zumindest hier sind positive Möglichkeiten irgendwie im Raum. Und das zieht an.
Also vielleicht, wenn ich es noch ergänzen kann, selbst diese Geschichte von es werden vielleicht Häuser gekauft, die leer stehen und saniert. Und ich meine, hier sind ja auch Leute aus Berlin zum Teil und so. Aber hier ist das ja eine schöne Story geworden für die meisten zumindest.
Oder irgendwie so gestrickt, dass das irgendwie ganz gut funktioniert, habe ich den Eindruck von den Gesprächen hier. Das hast du ja überall. In der Altmark hast du auch den Grundsatz Pessimismus generell. Und eine Freundin ist hier mal hergezogen und wieder weggezogen.
Das hast du auch und die hat gesagt, die ist morgens ausgeritten, trifft eine Dame auf der Straße und sagt: „Ach, die Sonne scheint heute so schön.“ Und die Antwort war: „Ja, morgen soll es wieder regnen.“ Und das war ihre Begründung für: „Ich gehe weg hier. Ich halte es nicht mehr 00:46:05.000 aus.“
Und was mir halt auffällt, ganz persönlich, ich habe hier das 00:46:05.000 Gefühl, ich kann hier wirklich frei sein und frei agieren und halt 00:46:10.000 Ideen verwirklichen. Da gibt es irgendwie gar keine Grenzen oder Schranken, weil 00:46:18.000 man hier einfach so viel Platz hat, Platz und Möglichkeiten.
Was ist 00:46:23.000 denn das Beste und was ist das Schlechteste daran, in Werben zu 00:46:26.000 leben? Das ist leider eine total schwere Frage. Was ist denn das 00:46:30.000 Beste? Das Beste ist natürlich, dass man seine Ruhe hat, wenn man 00:46:36.000 sie haben will. Eigentlich ist ja nichts doof. Nö, ich kann jetzt 00:46:39.000 auch gar nichts so sagen.
Also für mich ist das hier ein 00:46:45.000 bisschen so ein Sehnsuchtsort, vielleicht auch so ein bisschen Kindheitsreenactment. Man kommt 00:46:51.000 hierher und es ist so viel Natur hier, dass es überwältigend 00:46:56.000 ist. Man sieht bis zum Horizont, man hat so viel Wasser, man 00:47:00.000 hat so viele Tiere, die man sonst nicht sieht.
Und das war 00:47:08.000 tatsächlich so: „So muss es sein, so möchte ich leben. Hier möchte 00:47:15.000 ich sein.“ Das war das, was die Wische ausgemacht hat für mich. 00:47:22.000 Ich habe mich eben nämlich auch gefragt, was macht für mich diese 00:47:25.000 Landschaft hier besonders?
Ich war auch in anderen sehr dünn besiedelten Regionen 00:47:29.000 in der Börde unterwegs, zum Beispiel, oder in Nordnorwegen oder irgendwo. Und 00:47:33.000 ich finde trotzdem hat die Altmark, besonders in dieser Ecke, was ganz 00:47:37.000 Besonderes, was ich total schwer zu greifen finde.
Aber ich finde sie 00:47:40.000 hat eine ganz andere Ausstrahlung. Und das liegt nicht nur daran, dass 00:47:42.000 sie nicht so dicht besiedelt ist und auch nicht nur daran, dass 00:47:46.000 es Weite gibt, sondern für mich hat es irgendwas ganz Spezielles, was 00:47:50.000 sowas in mir auf jeden Fall anklingen lässt.
Aber ich finde es 00:47:52.000 total schwer zu beschreiben. Was habt ihr für eine Perspektive? Habt ihr 00:47:57.000 eine Idee davon, wie das hier ist in zehn Jahren? In Werben 00:48:04.000 in der Wische, was sich hier getan haben wird? Wird sich was 00:48:09.000 getan haben? Auf jeden Fall. Wir haben ein neues Projekt vor.
Oh, 00:48:16.000 ja, das stimmt. Also meine Vision ist ja jetzt: Okay, man kommt 00:48:21.000 so langsam in das Alter. Man ist jetzt 20 Jahre hier, war 00:48:27.000 selber 30, als man herkam. Jeder kann sich ausrechnen, was ich jetzt 00:48:34.000 für ein Alter habe. Und jetzt finde ich, jetzt müssen wir was 00:48:38.000 für die, definitiv gefühlt für die Generation machen, die kommt.
Also unser 00:48:42.000 Enthusiasmus, den wir hier eingebracht haben all die Jahre, der muss jetzt 00:48:48.000 umschlagen in: „Nehmt die Jugend mit.“ Und das ist jetzt der neue 00:48:51.000 Ansatz, den wir jetzt auch vom Verein, vom Arbeitskreis Werben in der 00:48:57.000 Altstadt so verfolgen, dass wir versuchen, unser Wissen und unsere Leidenschaften zu 00:49:06.000 zentrieren.
Und zwar in diesem Gebäude da, mit Werkstätten und Ideenschmieden, würde 00:49:10.000 ich es mal so nennen. Möglichkeiten, wo man sich entfalten kann. Und 00:49:13.000 zwar so offen, dass es sichtbar ist, dass man ein Fenster aufmachen 00:49:18.000 kann und den einen oder anderen vielleicht von den jungen Leuten inspirieren 00:49:21.000 kann, mitzumachen.
Dass wir noch mal ein Stück weit, was ich zu 00:49:26.000 Anfang gesagt habe, diese Sichtbarkeit der Keimzelle, dass sie noch sichtbarer wird. 00:49:31.000 Wo sind die ganzen Ideen, kreativen Leute und was kann ich von 00:49:36.000 denen abschnappen? Ich reise auch gerne, ich suche mir die Leute, die 00:49:39.000 Ideen hatten und gucke: Es ist schon alles mal irgendwie da gewesen.
00:49:40.000 Und das dann weiterzugeben, das wäre eine gute Sache, dass du weißt: 00:49:45.000 Wenn du einmal in dem Alter bist, wo unsere Vorgänger, die das 00:49:49.000 alles ein bisschen initiiert haben, zumindest dieser Erhalt der Gebäude, wo sich 00:49:55.000 jetzt auch gerade so ein Generationswechsel ist, dass wir rechtzeitig jetzt an 00:50:00.000 die Leute rangehen, die hier digital groß werden.
Das ist meine große 00:50:05.000 Sorge, dass diese digitale Welt uns ein bisschen das Handwerkliche nimmt. Dass 00:50:10.000 das, was hier in einem so entlegenen Ort wichtig ist, dass man 00:50:14.000 anfasst, dass man mitmacht, dass man das nicht vom Handy aus erledigt. 00:50:21.000 Aber es ist ja nicht so, dass hier nichts geht.
Ich glaube, 00:50:24.000 die Handwerker, mit denen man sich unterhält, die haben alle gut zu 00:50:27.000 tun. Und es gibt eine Menge Leute, die einen guten Laden haben 00:50:30.000 und verzweifelt jemanden suchen, der die Nachfolge übernimmt und nicht verbittert sind, 00:50:37.000 aber schon die eine oder andere bittere Träne verdrücken, weil sie niemanden 00:50:40.000 finden, der ihr Herzblut weitermacht.
Da wäre man an dem Punkt, wie… können wir das weitergeben an Leute, die sagen: „Einfach mal machen und ausprobieren.“ Und da ist die Chance. Das ist, glaube ich, das Mindset, das man halt finden muss. Oder das muss im Kopf halt passen, dass jemand sagt: „Ja, gucke ich aber mal.“ Ist natürlich keine Hängematte, klar. Also, es ist schon immer mit Arbeiten verbunden. Arbeiten kannst du hier richtig viel. Wirklich sehr.
Wir brauchen Bäcker, wir brauchen eine Kieserei. Das hätte ich total gerne. Ich hätte gerne solidarische Landwirtschaft. Oder genau, solidarische Landwirtschaft. Irgendwie brauchen wir noch einen Laden. Und jeder baut hier sein Zeug selber an. Wieso soll man das nicht bündeln? Irgendwie, dann kann man das lokal verkaufen. Es gibt auch echt so viele Möglichkeiten. Man muss es nur tun. Attacke!
Ja, das Kontrastprogramm setzte sich fort. Wir haben da ein langes Gespräch geführt, auch noch mit anderen Leuten, die dort vorbeikamen. Wir haben noch einen Radtouristen getroffen, der auf dem Elbe-Radweg unterwegs war. Der hat uns auch von seinen Eindrücken erzählt. Hat uns gesagt: „Diese eine Stadt, da müsst ihr unbedingt mal hin. Das ist total schön.“
Man hat wieder so gemerkt, man kommt einfach schnell in Kontakt, selbst in so einer Gegend, wo gar nicht so viele Leute sind oder die mit Abwanderung zu kämpfen hat. Ja, ich fand, wenn man in Werben war, das war besonders, weil so ganz viele auf der Straße unterwegs waren. Da war eine Jugendgruppe, die haben irgendwo ein Renovations- oder Sanierungsprojekt irgendwie freiwillig gemacht, offenbar in ihren Ferien.
Dann waren da mehrere Leute, die einfach in dem Café saßen und drumherum. Dann waren ein paar Touristen da. Dann ist einer eifrig da durchgestiefelt. Und irgendwie haben sich alle so gegrüßt. Und die Stimmung war gut. Das fand ich wirklich ansteckend. Das fand ich wirklich schön, wie lebendig. Das war auch so eine unaufgeregte Art. Einfach jeder hat irgendwie so Sachen gemacht.
Das ist mir sehr hängen geblieben. Und ich muss auch sagen, mich hat wirklich diese Landschaft drumherum auch sehr berührt. Also das war so ein Gefühl von so einem, ja, wie so ein altes Land, wo man so gespürt hat: Das ist jetzt nicht nur einfach eine Weide und das sind nicht nur so Felder und das ist nicht nichts, sondern hier war mal ganz viel. Und ich finde, das hat man. Vielleicht klingt das ein bisschen esoterisch, aber ich habe das irgendwie so gefühlt.
Und irgendwie hat mich das schon so ein bisschen berührt, auf jeden Fall. Das ist interessant, wenn du das so sagst: „Dies war mal ganz viel.“ Dann kann man ja fragen: „Okay, was ist da und was wird da sein?“ Haben wir auch so ein bisschen angerissen im Gespräch mit denen. Wir sind auf jeden Fall ziemlich beeindruckt dort weggefahren von dem, was wir ziemlich intensiv in dieser kurzen Zeit dort erlebt haben.
Und es gibt so einen Ton von der Fähre, als wir wieder übergesetzt sind nach Havelberg. Da ist das auch relativ deutlich zu spüren. So Gerolf, die Fähre fährt schon wieder von Rebe auf die Havelberger Elbseite. Wir sind also am Ende unserer Tour und wir waren in der Wische unterwegs und hatten verschiedene Fragen dabei.
Wie geht es dir gerade? Was ist dein Fazit? Mir geht es gut. Ich finde, wir haben viel rausgefunden, dafür dass wir nur einen Tag hier waren. Also ich habe von einer Ecke, von der ich überhaupt kein Bild hatte, habe ich jetzt schon ein ziemlich plastisches Bild. Wir haben mit vielen Leuten gesprochen, haben viel angehört, viele Fragen gestellt.
Ich finde es toll. Also ich finde, die Wische ist mir sympathisch. Du hast eben sogar gesagt, du hast dich so ein ganz bisschen verliebt in diesen Ort. Muss man mal romantisierend sagen. Und ich kann das verstehen, weil auch mir geht es irgendwie so. Es hat mich sehr erfüllt, einmal die Landschaft und diese Schönheit, aber auch einige Menschen, die sich mit so einer Wärme einsetzen für ihren Ort und hierfür so brennen und so eine angenehme Energie einfach dabei ausstrahlen.
Und das hat mich gerade schon auch irgendwie, klar, das ist jetzt auch sehr subjektiv und so, aber es war schon schön. Das hat mich gerade schon auch sehr krass, das kennenzulernen. Man hat das Gefühl, die haben vor einem Hintergrund, der nicht einfach ist, gibt es Leute dort, die so eine positive Ahnung von Zukunft haben, so ein positives Bild.
Und sowas finde ich immer sehr kraftvoll, so wie Sie das auch gesagt haben. Sowas steckt halt an, vielleicht gerade dann, wenn sowas eher rar gesehen ist. Und das kam jedenfalls so rüber. Und ich glaube, so wie eine Entdeckung von Gestaltungsspielraum. Man ist irgendwie auch durch schwierige Situationen nicht einfach nur ausgeliefert, sondern man kann irgendwie was machen und es entstehen Dinge.
Und dann kommen sogar andere Leute und die machen was mit. Das zieht halt oft. Total, stimme ich total zu. Das war auch das, was mich gerade so gekriegt hat. Und ich bin auch dankbar und beeindruckt davon, wie sehr die Menschen uns erlaubt haben, daran teilzuhaben.
Als zwei Menschen, die fremd sind, die das erste Mal sehen, die irgendwelche Fragen stellen. Also, weil es war nicht nur die Infos, die wir bekommen haben, es war auch so ein Einblick in dieses Gefühl dazu. Und das fand ich echt besonders.
So, Leonard, wir hatten das anmaßende Vorhaben, an einem Tag, für den wir Zeit bekommen haben, dort so einen Eindruck der Wische zu bekommen. Was natürlich nur so ein Kurzeindruck sein kann. Aber wir haben uns ein ziemlich machtvolles Werkzeug dazu ausgesucht.
Was wir in Werben erlebt haben und drumherum, das haben wir jetzt eigentlich schon gesagt. Aber wie sind denn so deine Erfahrungen mit diesem, mit dem Rad oder mit dem Tandem auf Reportage unterwegs zu sein? Du hast dir das ja so ein bisschen gewünscht von mir, dass wir das mal ausprobieren.
Ja, ich war manchmal schon mit einem normalen Fahrrad unterwegs, manchmal auch zu zweit auf zwei Fahrrädern. Und mit dem Tandem war das schon nochmal was anderes, weil man sich gut unterhalten kann, weil man wirklich im gleichen Tempo ja unterwegs ist und auch so sieht, was der andere sieht, hört, was der andere hört.
Und ich finde schon, dass Tandem ein Magnet ist, das einen Leute sehen, ansprechen, weil es eben kein totales Alltagsgefährt ist. Und ich fand das sehr schön, das mit dir zusammen zu erleben. Und es war wirklich gut.
Und ich hoffe, dass sich das ein bisschen im Podcast überträgt und für deine ganzen Fahrradfans und deinen Peloton trotzdem spannend war, dass wir die Leute mitnehmen konnten und dass es genug Fahrradbezug hat. Aber ich fand es gerade durch das Fahrrad ganz besonders.
Ich finde es auch gut am Fahrrad, dass es manchmal einfach so als Werkzeug dient und nicht im Fokus steht. Also es gibt ja sehr viele Fahrradfahrten, die macht man nicht, weil es um das Fahrrad geht, sondern weil das, was einem das ermöglicht. Und das scheint ja auch bei dir so zu sein.
Also, wie ich jetzt eigentlich erst so während dieses Gesprächs herausgefunden habe, dass wir gerade führen im Studio, bist du auch schon für einige Geschichten für detektor.fm oder wahrscheinlich auch für andere Arbeitgeber unterwegs gewesen mit dem Fahrrad. Warum machst du das so?
Ich finde, man erlebt die Gegend ganz anders. Also, wenn ich mich ins Dienstauto setzen würde und ich rausche da durch und dann bin ich schon fünf Dörfer weiter, da erlebe ich viel weniger. Und ich finde, zu Fuß bin ich manchmal ein bisschen zu langsam. Dann kann ich mir nicht so ein Gesamtbild schaffen.
Aber mit dem Fahrrad, man riecht, was da los ist, man hört ganz viele Geräusche. Man merkt so Kleinigkeiten, die einem vielleicht sonst nicht auffallen, wie sich der Straßenbeilage ändert oder so. Und ich finde, gerade in der Altmark, die ja auch so charakteristisch ist mit der Landschaft und mit dieser besonderen Weite, finde, wenn man die sich erradelt mit Muskelkraft und da eben nicht nur durchbrettert, dann spürt man nochmal ganz anders, wie sich dieses Land anfühlt und die Leute.
Und ich finde, man begegnet den Leuten vielleicht auch ein bisschen mehr auf Augenhöhe, weil man eben nicht aus der Stadt mal kurz rüberfährt mit dem Auto und wieder wegfährt, sondern man bewegt sich so durch und man ist manchmal sogar ein bisschen so hilfsbedürftig.
Also in dem Sinne, jemand bietet einem vielleicht mal an, seine Wasserflasche aufzufüllen oder fragt irgendwie: „Hey, braucht ihr vielleicht noch ein Müsliriegel?“ oder so. Und ich finde, man kommt anders auf Augenhöhe in Kontakt, wenn man so unterwegs ist.
Und man kommt ja auch von den großen Straßen runter. Du kannst auch mal über den Feldweg fahren, du kannst auch mal ein Stück schieben, du kannst auch mal ans Wasser runtergehen kurz und mal deine Füße reinhalten. Und ich finde, das ist eine ganz, ganz tolle Art, so ein Strich auch mit dieser Ruhe.
Ein Fahrrad ist ja auch nicht laut. Also ich finde, man kriegt wirklich ganz viel mit. Und ja, ich mag das sehr gerne. Ich finde das sehr, sehr schön, mit dem Fahrrad das zu machen.
Du bist ja zu Gast im Fahrrad-Podcast Antritt und wir haben es ja anfangs schon gesagt, du bist eigentlich Redakteur beim Sachsen-Anhalt-Podcast Dazwischen. Wo findet man euch und worum geht es nochmal?
Also, es geht um Sachsen-Anhalt, so viel wissen wir schon, aber was ist noch die Idee hinter Dazwischen? Also wir versuchen echt, eigentlich zu gucken, was ist in Sachsen-Anhalt wichtig, was bewegt die Menschen. Und gerade ist Sachsen-Anhalt natürlich auch in einer sehr besonderen politischen Situation.
Wir sind aber kein Politik-Podcast, sondern ein Gesellschafts-Podcast und wir versuchen eher wirklich zu gucken, was ist los in diesem Land, was passiert da in all seinen Facetten? Was ist wichtig zu wissen? Und da binden wir auch politisches Geschehen mit ein, aber wir gucken halt wirklich hin und sagen: „Hey, wie ist das hier mit Dorfladensterben eigentlich?
Und wie haben Menschen geschafft, ihren Dorfladen zu retten? Und warum ist der so wichtig für die Gemeinschaft? Oder warum ist Sachsen-Anhalt eigentlich der Spitzenreiter bei den Krankentagen? Und was kann man vielleicht auch tun, um das zu verändern? Und welche strukturellen Ursachen liegen dahinter? Und so weiter und so fort.
Und gerade fragen sich natürlich sehr, sehr viele Menschen, wie geht es mit Sachsen-Anhalt weiter? Auch jetzt gerade nach der Wahl. Und auch das thematisieren wir und gucken halt hin: Was wollen denn die Menschen? Was wollen denn die verschiedenen Parteien vielleicht? Was bewegt zum Beispiel auch gerade die Zivilgesellschaft, die vielleicht Angst hat vor den Veränderungen, die da kommen?
Und genau, wir gucken sehr, sehr breit auf das Bundesland und versuchen auch überall in alle Regionen mal zu kommen.
Als wir beiden dort unterwegs gewesen sind in der Wische, waren wir noch vor der Wahl. Inzwischen hat es die Landtagswahl gegeben. Es ist wahnsinnig viel darüber berichtet worden, aus Gründen. Und auch in dieser Zeit vor der Wahl hatte ich das Gefühl, es sind ganz viele Medien dort.
Und das ist ja ein Punkt, der immer mal wieder auch von verschiedener Seite kritisiert wird, dass es vor solchen Ereignissen sehr viel Berichterstattung gibt, aus auch kritisierten Winkeln, sage ich mal, oder mit kritisierten Ansätzen oder mit diskutierten Ansätzen. Und danach ziehen sich die Medien dann natürlich zurück.
Nun ist das bei euch nicht so, ne? Also wie lange ist Dazwischen am Start in Sachsen-Anhalt? Uns gibt es seit April, jetzt dieses Jahres, und wir sind mindestens bis Ende 2027 am Start. Solange haben wir eine Finanzierung vom Media Forward Fund.
Wir arbeiten sehr daran, dass es uns auch danach noch gibt. Wir wollen nicht eins von den Medien sein, die kurz da sind und dann scherenschnittartig berichten und dann wieder gehen, sondern wir wollen gerne weiter in Sachsen-Anhalt sein und über all diese spannenden Facetten dieses Bundeslandes sprechen.
Überall, wo es Podcasts gibt, einfach Sachsen-Anhalt-Podcast Dazwischen suchen und natürlich auf der detektor.fm-Seite. Und ich habe in der vergangenen Woche, glaube ich, noch so eine ganz spezielle Nachricht von euch empfangen.
Also Christian hat sich sehr gefreut und ich habe mich sehr für euch alle gefreut. Da ist noch was passiert, ne? Ja, ich bin auch noch ein bisschen sprachlos. Wir wurden für den Grimme Online Award nominiert. Und mal gucken, was da rauskommt.
Aber allein die Nominierung ist echt eine total tolle Anerkennung. Und nach einem knappen halben Jahr, wo es uns gibt, hätte ich damit auch nicht unbedingt gerechnet. Und wenn ihr reinhören wollt in den Sachsen-Anhalt-Podcast Dazwischen, dann könnt ihr das gerne tun.
Leonard hat gesagt, wie ihr da hinkommt, wie ihr den findet. Ich habe es auch in den Show Notes verlinkt. Und wenn ihr hier beim Fahrrad-Podcast Antritt bleiben wollt, dann könnt ihr die nächste Ausgabe dieses Fahrrad-Podcasts am 30. Oktober hören.
Die wird dann auch weniger experimentell sein. Da wird es wieder ein bisschen mehr ums Fahrrad gehen. Aber ich fand es auch mal eine schöne Idee, das hier auf diese Art und Weise auszuprobieren und diese Inhalte, die wir hier gespielt haben, in beiden Podcasts auszuspielen.
Ich sage allen Menschen, vielen herzlichen Dank, die uns auf Steady und Apple Podcast unterstützen. Ihr seid deutlich mehr geworden. Das ist richtig, richtig gut für uns. Da werden wir auch in einer der nächsten Ausgaben noch mal deutlicher drauf eingehen.
Und ich sage auch dir vielen Dank, Leonard, dass du mich mit in die Wische genommen hast und dass du überhaupt diese Idee hattest. Ja, vielen Dank dir, dass ich in diesen Podcast kommen darf und dass du mich mitgenommen hast und dein Tandem zur Verfügung gestellt hast.
Ich fand es sehr, sehr schön, mit dir das zu erleben und ich hoffe, dass wir das nochmal in einer ähnlichen Form machen werden. Ist hiermit notiert. Und ihr erreicht uns unter antritt@detektor.fm.
Und wenn ihr mal in Werben in der Wische vorbeischauen wollt, als einer der Höhepunkte im Jahr ist uns der Biedermeier-Christmarkt beschrieben worden. Und der findet in diesem Jahr am 12. und 13. Dezember in Werben statt.
Er wird nur mit Kerzen und Laternen beleuchtet. Und wenn ihr mit dem Rad anreisen wollt, der Elbradweg, der führt direkt durch die Stadt. Und ob ihr im Dezember oder ein andermal in Werben vorbeifahrt oder auch ganz woanders, wir wünschen euch auf alle Fälle gute Fahrt.
[MUSIK: Kraftklub feat. Tokio Hotel – Fahr mit mir (4×4)]