Die größte Fehlannahme ist, dass alle Wege im ländlichen Raum lang sind. So, ein konkretes Beispiel für so eine Lösung: Also, Helsinki hat im letzten Jahr keine Verkehrsdrohten gehabt, wo man dort eher Leute mitnimmt und eben nicht diesem Perfektionismus frönt, der sich dann so ein bisschen selbst blockiert. Wenn weniger finanzielle Mittel vorhanden sind, führt das natürlich auch dazu, dass generell die Förderung des Radverkehrs auf allen Ebenen ins Stocken kommt. Es kann aber auch für all diese quasi Probleme Lösungen geben, wenn ich das möchte. Hier ist der Antritt der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der zweiten Januar-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und das ist für mich die erste Aufnahme in diesem neuen Jahr. Die letzten Ausgaben haben wir vorproduziert. Die detektor.fm-Studios haben sich über Weihnachten mal ein bisschen ausgeruht und die Menschen, die hier arbeiten, sind ein bisschen durch die Gegend gefahren. Mich selbst hat es zu Silvester durch magische Kräfte wieder nach Frankreich gezogen und ich konnte gleich zweimal auf den Heiligen Berg in der Provence fahren, auf den Mont Ventoux. Zwei von drei Anstiegen sind auch im Winter fahrbar. Ab der Schranke hinterm Chalet Renart hat man seine Ruhe vor den sowieso schon wenigen Autos. Und nur ganz direkt unter dem Gipfel hat noch ein bisschen Schnee und Eis rumgelegen auf der Fahrbahn. Da mussten wir etwas aufpassen, aber dann oben ein herrlicher Weitblick. Das Mittelmeer hat golden geglänzt in der Ferne. Ich habe die Kräne von Forst-sur-Mer gesehen und Schiffe, die dort auf Reede gelegen haben. Es ist fast windstill gewesen, durch die Mittagssonne sogar halbwegs warm. Und in der Abfahrt habe ich mich noch weiter an die Kurvenlage meines neuen Rades rantasten können. Ich grinse gleichzeitig ziemlich zufrieden und bin aber auch noch nicht am Ende meiner Kurvenuntersuchung. Da geht noch was. Spätestens bei der zweiten Auffahrt auf dem Ventoux, die ich allein gemacht habe, ist mir dann so richtig klar geworden, wie gut man unterhalten wird auf dem Weg nach oben. Denn die Straße à Bédouin ist voll mit Radsport-Graffiti, auch im Winter. Da ist deutlich mehr auf die Straße geschrieben als zum Beispiel in den Pyrenäen. Und wenn man dann oben noch am Gedenkstein für Tom Simpson vorbeifährt, mit allen möglichen Opfergaben wie Trinkflaschen und Trikots, dann versteht man so ein bisschen, wie viel Symbolik in diesem Berg steckt und wie stark er Menschen bewegt. Es stehen auch einige Namen von Fahrern auf dem Asphalt, die längst nicht mehr aktiv oder auch gestorben sind. Und wenn ich selbst dort hochfahre, dann geht es mir in der letzten Rechtskurve direkt vor dem Turm immer so, dass ich Fernsehbilder vor Augen habe von letzten Sprints, von extremer Erschöpfung, Reportertöne im Ohr, diesen typischen Tour de France Klangteppich mit seinen ganz charakteristischen Elementen. Meine Erkenntnis in diesem Jahr ist nun gewesen, dass all das sogar auch um Silvester herum dort oben zu sehen und zu spüren ist. Und so ein bisschen erklärt mir das auch meine eigene Faszination und meinen Antrieb, mitten im Winter gleich zweimal dort hochzufahren. Das ist ein Wallfahrtsort mit großer Anziehungskraft und worin die besteht, das lässt sich vielleicht nie so ganz und vollständig ergründen. Aber sie ist da und da denke ich mir mal wieder, wie dankbar wir dafür sein können, dass es diese strahlenden Orte gibt in diesem Sport und dass wir manche von ihnen sogar ganzjährig befahren können. Und somit hat der Ventoux mein Fahrradjahr eingeläutet und er wird darin auch weiter eine Rolle spielen. Am 7. August endet übrigens die siebte Etappe der Tour de France Femme dort oben. Die Auffahrt geht klassisch über Bédouin und das Chalet Renart und dann werden die Straßengraffiti wahrscheinlich um viele Namen von Fahrerinnen ergänzt. Dafür wird es wirklich Zeit. Als ich wieder in den Arbeitsmodus gewechselt bin, habe ich mich sehr gefreut über einige Nachrichten in diesem neuen Jahr. Und dazu gehören auf jeden Fall all die Menschen, die sich entschieden haben, diesen Fahrradpodcast monatlich bei Steady zu unterstützen. Ich möchte hiermit seit meiner letzten Aufzählung im Dezember neu in unserem Peloton begrüßen: Udo, Karl, Michael, Andreas, Hannes, Isabella, Matthias, Friedrich, Markus, Lorenz, Ulrich, Bastian und ganz neu und doch bekannt, Bernd. Außerdem ist Andreas vom Gruppetto ins Hauptfeld gewechselt und ich sage ganz herzlichen Dank. Euer Beitrag macht den Antritt stabiler und planbarer und das sind gute Aussichten für dieses Jahr. Und falls noch jemand aufspringen will und kann, ich habe unsere Steady-Seite in den Shownotes verlinkt und jetzt geht’s hier los. Antritt, der Fahrradpodcast von detektor.fm. Ich habe es gesagt, ich bin natürlich wieder im Studio und nicht mehr am Berg. Und ich starte mit euch mit der ersten Aufnahme in diesem Jahr in die Realität des Radverkehrs direkt vor der Haustür. Im folgenden Gespräch geht es beispielhaft um Sachsen, aber inhaltlich und im übertragenen Sinne auch deutlich darüber hinaus. Und letztlich steht die Frage im Mittelpunkt, wie entsteht gute Fahrradinfrastruktur, gerade auch in Zeiten, in denen Budgets dafür zusammengestrichen werden. Los geht’s! Wie steht es um den Radverkehr und was machen Menschen, um für den Radverkehr gute Bedingungen zu schaffen? Diese Frage steht über vielen Gesprächen in diesem Podcast und wir stellen sie wieder zu Beginn des Jahres 2026. Dafür ist Isabel Gall vom ADFC Sachsen zu uns ins Studio gekommen. Der ADFC ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub und Isabel ist in der sächsischen Abteilung zuständig für Radverkehr in ländlichen Räumen. Sie ist vor fast genau zwei Jahren schon einmal hier zu Gast gewesen und ich möchte von Isabel wissen, was seitdem passiert ist, was sie in ihrem Job überhaupt macht, welche Bedingungen für den Radverkehr sie konkret vorfindet und wie sie und andere Menschen sich für sicheren Radverkehr einsetzen. Ich freue mich, dass du wieder zu uns gekommen bist und sage: Hallo Isabel, willkommen bei detektor.fm im Jahr 2026. Hallo und vielen Dank für die erneute Einladung. Isabel, für die Leute, die keine Vorstellung von deiner Arbeit haben: Was macht eine Referentin für das Radfahren in ländlichen Räumen? Also, ich bin ja Referentin für Radverkehr in ländlichen Räumen beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und der ADFC setzt sich generell dafür ein, die Radverkehrsbedingungen vor Ort zu verbessern. Durch Lobbyarbeit, aber vor allem auch viel durch ehrenamtliches Engagement auf unterschiedlichen Ebenen. Und meine Arbeit fokussiert eben genau diese Aspekte im ländlichen Raum in Sachsen, also außerhalb von Leipzig, Chemnitz, Dresden. Und was ich dort mache, ist mit Verwaltungen, politischen EntscheidungsträgerInnen ins Gespräch kommen, sie zum Teil beraten, aber auch manchmal darauf hinweisen. Und ich unterstütze ehrenamtliche Aktive, die teilweise im ADFC Sachsen organisiert sind in unseren Ortsgruppen, aber teilweise auch in Bürgerinitiativen aktiv sind oder einzelne Personen, die sich für bessere Radverkehrsbedingungen vor Ort einsetzen wollen, die konkrete Probleme haben, dabei Unterstützung brauchen. Und da geht es viel darum, sie dahin zu beraten, welche Möglichkeiten gibt es auf politischer Ebene? Macht es Sinn, eine Petition anzustoßen? Wen muss man anschreiben? Wer ist zuständig? Oder wie organisiert man auch einfach größere Zivilgesellschaft, die dann den politischen Druck macht? Und warum gibt es deine Stelle als Referentin für das Radfahren in ländlichen Räumen? Da steckt ja schon irgendwie die Mehrzahl drin. Also, was zeichnet die aus? Haben die alle irgendwas gemeinsam? Gibt es den ländlichen Raum? Warum ist das so eingegrenzt bei dir? Entstanden ist die Stelle vor allem, weil im Landesverband Sachsen aufgefallen ist, dass Radverkehr immer wieder so ein Großstadtthema ist. Und dass vieles, was passiert, auf den unterschiedlichen Ebenen, also politisch, aber auch was Planungsideen angeht, dass es immer auf die Großstadt fixiert ist. Ganz viele Menschen aber ja im ländlichen Raum wohnen und da genauso die Möglichkeit haben wollen, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen. Es gibt ja auch einfach Menschen, die aufs Rad angewiesen sind, weil sie gar keinen Führerschein haben oder sich kein Auto leisten können, schlechte ÖPNV-Bedingungen vor Ort sind und dass die einfach wenig Beachtung finden. So ist die Idee entstanden, meine Stelle zu schaffen für den ländlichen Raum. Und relativ schnell haben wir dann aber gemerkt, dass das ja total divers ist. Also es ist halt ein Unterschied, ob es in einem dünn besiedelten ländlichen Raum ist, wo Ortsteile teilweise fünf Kilometer voneinander entfernt sind, oder ob man im Erzgebirge ist, wo ganz viele Orte nebeneinander liegen in einem Tal und man gar nicht so diesen Zwischenraum hat, wo gar kein Ort ist. Das heißt, der ländliche Raum ist ja unterschiedlich. Was vielleicht allen gemein ist, dass Zuständigkeiten anders sind als in der Stadt. Also in der Stadt hat man ganz klar irgendwie die Zuständigkeit der Kommune, der Gemeinde, der Stadt für die Straßen und damit auch die Radverkehrsanlagen. Und im ländlichen Raum ist es viel differenzierter. Da haben wir Gemeindegrenzen, wir haben Landkreise, die zuständig sind. Wir haben teilweise das Land, den Freistaat Sachsen, der zuständig ist, und damit ist natürlich vieles sehr viel komplexer für die Menschen vor Ort. Wenn du sagst, es gibt die Stelle auch deswegen, weil sonst Radverkehr oft aus einer städtischen Perspektive gedacht wird, könnte man ja denken, okay, da liegt also ein Hauptfokus erstmal oft auf der Stadt. Gibt es da vielleicht so ein städtisches Bild von diesem ländlichen Raum, was vielleicht gar nicht so hinhaut, weil man den ländlichen Raum vielleicht gar nicht so gut kennt? Oder andersrum gefragt: Gibt es Missverständnisse oder gibt es Fehlannahmen über den ländlichen Raum an sich aus einer städtischen Perspektive? Ja, die größte Fehlannahme ist, dass alle Wege im ländlichen Raum lang sind. Und wenn man sich das genauer anschaut, haben wir auch im ländlichen Raum viele kurze Wege, die man machen kann. Also sei es irgendwie der Weg zum Einkaufen, in die Schule, zum Freibad etc. Die sind nicht viel länger als die Wege in der Stadt. Sie sind aber für den Radverkehr teilweise nicht gut oder unbequem, super gefährlich und werden deswegen nicht mit dem Rad zurückgelegt. Und ich glaube, häufig ist auch die Annahme, dass die Leute ja gar nicht Fahrrad fahren wollen. Zumindest auf einer politischen Ebene ist das öfter. Es gibt ja nur die ganz wenigen, die die Hardcore-Radfahrer, die wollen überall Rad fahren. Man nimmt damit aber Menschen überhaupt die Möglichkeit, selber entscheiden zu können, ob sie das möchten oder nicht, wenn ich ihnen keine Infrastruktur gebe. Ja, okay. Und ehe wir da jetzt noch weiter reingehen, will ich dich noch ganz kurz zur Abgrenzung fragen. Also auch für Leute, die nicht aus Sachsen sind. Die meisten, die hier zuhören, die werden wissen, dass es in Sachsen so Städte gibt wie Dresden, Leipzig, Chemnitz, Großstädte, und das wird nicht dein Zuständigkeitsgebiet sein als Referentin für die ländlichen Räume. Wie weit geht das aber? Wie ist das mit so Städten wie Wurzen, Waldheim, Döbeln? Zählt das mit bei dir rein oder wo ist dein Arbeitsbereich sozusagen? Genau, du hast es eigentlich ganz gut zusammengefasst. Also Dresden, Chemnitz, Leipzig zählt nicht dazu und das direkte Umland nur bedingt. Alles andere, also alle Mittelzentren, Kleinstädte wie Wurzen, Freiberg, Torgau, auch eher so ein Mittelzentrum, zählen dazu, aber eben auch alle kleineren Dörfer und Gemeinden. Okay, also hast du, können wir sagen, den Großteil der Fläche Sachsens, also der ist in deinem Zuständigkeitsbereich. Genau, bis auf diese paar Großstädte, die rausgenommen. Okay, wie gut ist das mit dem Radfahren im ländlichen Raum in Sachsen? Was für Bedingungen findet man da vor? Es sind vielleicht genauso unterschiedlich wie die ländlichen Räume selber sind. Es gibt Gebiete wie das Leipziger Seenland, was viel früher angefangen hat, glaube ich, den Radverkehr zu fördern. Natürlich ein Stück weit auch leichtere Bedingungen hat, dadurch, dass dieser ganze Strukturwandel, Umbau eh die Möglichkeit gegeben hat, dort Sachen zu verändern. Man hat eher das flache Land, wo viel gemacht wurde. Und es gibt ländliche Räume, wie das Erzgebirge an der Grenze zu Tschechien, wo bisher sehr wenig passiert ist. In den letzten Jahren wird schon aufgeholt, aber wenn man sich insgesamt die Radverkehrsanlagen, also Radwege und Radinfrastrukturen in Sachsen anschaut, dann ist es einfach ein großer Flickenteppich. Über das ganze Land hinweg, wo immer wieder kleinere und teilweise aber auch sehr große Lücken existieren. Ich habe es in der Anmoderation schon gesagt, wir haben vor fast genau zwei Jahren schon mal hier gesprochen im Podcast in einer überlangen Weihnachtsfolge. Da ging es auch unter anderem um deine Arbeit und um die ländlichen Räume. Und seitdem in der Zwischenzeit hat es sowohl auf Bundesebene als auch auf Landesebene Regierungswechsel gegeben. Hat es Auswirkungen auf deine Arbeit? Ja, auf jeden Fall. Weil natürlich Landespolitik ganz entscheidend dafür ist, wie viel finanzielle Mittel für den Radverkehr in Sachsen vorhanden sind. Nicht nur für Projekte, die das Land selber macht, sondern auch die Mittel für die Kommunen, wenn ja darüber mitbestimmt, also die sozusagen weitergereicht werden. Und da sehen wir, dass es einfach drastische Kürzungen gab in der neuen Landesregierung. Und ganz ähnlich sieht es auf Bundesebene aus, wo das Verkehrsministerium ganz zu Beginn den Radverkehrsbeauftragten auf Bundesebene abgeschafft hat. Und jetzt auch zunehmend weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stellt und den Radverkehr einfach nicht mehr so priorisiert. Und die eigenen Ziele, die sie sich gesteckt haben im nationalen Radverkehrsplan, definitiv nicht erreichen werden. Kannst du mir sagen, wie beeinflusst das deine Arbeit? Hat das Auswirkungen auf das, was du tust? Insgesamt natürlich schon, weil wenn weniger finanzielle Mittel vorhanden sind, führt es natürlich auch dazu, dass generell die Förderung des Radverkehrs auf allen Ebenen ins Stocken kommt. Und auch das für die Menschen, die sich dafür engagieren, die das eigentlich wollen, das schwieriger macht. Das heißt, natürlich muss meine Arbeit intensiviert werden, einfach um zu schauen, welche Möglichkeiten gibt es trotzdem, welche Projekte sind wichtig und wie können wir trotzdem schauen, dass auch mit wenigen finanziellen Mitteln ausreichend für den Radverkehr gemacht wird. Und natürlich muss die Lobbyarbeit viel intensiver aus meiner Sicht erfolgen, um einfach zu schauen, dass das vielleicht jetzt mal zwei Jahre so ein bisschen weniger Geld ist. Aber dass das auf jeden Fall nicht der Standard wird für die nächsten Jahre, dass wir immer weniger Geld für den Radverkehr haben und es nicht mehr erhöht wird. Dann lass uns mal auf beide Bereiche schauen. Ich würde vorschlagen, wir gehen so von außen nach innen, also von der großen Ebene, von der Bundesebene. Damit fangen wir an. Was hat sich da noch ein bisschen konkreter geändert mit der neuen Regierung, mit dem neuen Verkehrsminister? Vielleicht auch mit so Sachen wie Sondervermögen, die fallen mir da ein. Infrastrukturinvestitionen sind ja da in aller Munde, sozusagen. Was kannst du dazu sagen? Ich glaube, wir haben alle mitbekommen, dass wir in Deutschland ein großes Defizit haben, was die Infrastrukturinvestitionen in den letzten Jahren angeht. Und das betrifft alle Infrastrukturen, von Brücken über Straßen zu Radwegen. Was wir jetzt aber auch sehen, ist, dass dort nicht mit ausreichend finanziellen Mitteln geschaut wird, dass man genau das wieder aufholt und ausreichend investiert. Sondern man sieht eher so eine Verlagerung beim Radverkehr, dass viele Mittel im eigentlichen Bundeshaushalt gestrichen wurden oder gekürzt wurden. Gleichzeitig dann aber der Radverkehr über das Sondervermögen mitfinanziert werden soll, was ja aber ein endlicher Betrag ist und was erstmal neue Schulden für den Bundeshaushalt sind. Was natürlich dann längerfristig gesehen für die nächste Generation einfach auch eine größere Belastung wird, wenn immer mehr Schulden aufgebaut werden auf Bundesebene. Und wenn man sich dann quasi monetär das anschaut und sich überlegt, dass wir gleichzeitig eine Baukostensteigerung von vier Prozent jedes Jahr gerade haben, so kommt man gar nicht dahin zu sagen, dass was vor zehn Jahren bereitgestellt wurde entspricht nicht mal dem, was jetzt bereitgestellt wurde. Also wir haben da sozusagen auch eine Kürzung vor dem Hintergrund dessen, was wir eigentlich ausgeben müssten, um die gleiche Menge an Radverkehr oder an Radwegen zu bauen. Und was wir da natürlich sehen, vielleicht noch ergänzend, ist, dass es eine Verschiebung von Prioritäten gibt. Also dass ganz klar dort große Projekte, große Autobahnprojekte zum Teil mit Milliarden gefördert werden. Und da spreche ich nicht von all den maroden Autobahnbrücken, die tatsächlich saniert werden müssen. So das will ich gar nicht in Frage stellen, dass das wichtig ist, sondern da werden neue Projekte, neue große Straßenbauprojekte geplant. Da wird sehr viel Geld investiert, anstatt dass man sagt, die Infrastruktur, die wir haben, muss erst mal saniert werden und muss irgendwie für die aktuelle Verkehrsbelastung wieder in Stand gebracht werden. Auch die Schiene muss dafür wieder in Stand gebracht werden. Und es ist natürlich so, dass wenn Prioritäten politisch verschoben werden, dann wir auch sehen, dass da finanzielle Mittel verschoben werden, Personal verschoben wird. Und dass die Folge hat, dass ja nicht nur kurzfristig wenig gemacht wird, sondern auch auf lange Sicht ja in den nächsten 10, 20 Jahren dann Investitionen weniger werden, Planungen fehlen, Konzepte fehlen. Verstehe ich das richtig mit dieser Verlagerung von Investitionen in das Sondervermögen? Und wenn du sagst, wenn das dann mal aufgebraucht ist, dann stehen die Mittel halt nicht mehr zur Verfügung. Müsste man dann quasi in dem Fall, wenn man die gleichen Investitionen aufrechterhalten will, das wieder in den Haushalt aufnehmen? Und ist das was ihr so ein bisschen hinterfragt, ob das dann auch passiert? Also, Sondervermögen sagt ja der Name selber schon, ist sozusagen ein zusätzliches Vermögen, was ich schaffe zu dem, was ja eigentlich grundlegend schon da ist. Also eine Ausstockung von Mitteln. Wenn wir aber die grundlegenden Mittel kürzen und gleichzeitig ein Sondervermögen haben, dann ist es ja erstmal eine Kompensation, so rechnerisch. Und dann muss man sich fragen, okay, wenn die Kompensation wegfällt, kann der normale Haushalt das wieder stemmen? Das ist dann bestimmt auch eine Frage von, wie sieht die Welt in zehn Jahren aus? Wo stehen wir wirtschaftlich da? Dann insgesamt, welche Ausgaben haben wir? Wie ist der Haushalt gestrickt? Das kann ich jetzt irgendwie vielleicht auch gar nicht so beurteilen. Ist aber natürlich die Frage, so eine Kompensation ist ja immer nur was Temporäres. Es kompensiert aber gerade nicht oder es kompensiert gerade und ist gar nicht sozusagen on top etwas, was draufgelegt wird. Ich habe den letzten Newsletter gelesen, den der Geschäftsführer des ADFC Sachsens, Konrad Krause, verschickt hat. Er spricht darin von Hiobsbotschaften und einer Verkehrspolitik im Rückwärtsgang. Worauf bezieht er sich, weißt du das? Er bezieht sich dabei vor allem auf den sächsischen Landeshaushalt, den Doppelhaushalt, der relativ schnell gestrickt werden musste, wo wir aber über alle Posten des Radverkehrs, das ist quasi nicht ein Posten im Landeshaushalt, sondern es sind mehrere Posten. Da geht es dann um Investitionen für Radverkehrsanlagen an Staats- und Bundesstraßen. Da geht es aber auch um Mittel für den Radverkehr, welche an die Kommunen weitergegeben werden. Es gab einen Posten für Lastenradförderung, also es sind verschiedene Posten. Und über alle Posten hinweg sehen wir da eine Streichung der Mittel um 70 Prozent. Das teilt sich dann sozusagen nochmal ein bisschen unterschiedlich auf. Also die Lastenradförderung ist zum Beispiel komplett gekürzt worden. Bei Bundes- und Staatsstraßen haben wir eine Kürzung von 5 Millionen auf 1 Millionen runter. Und das ist natürlich was, wo wir sagen, okay, wir haben jetzt in den letzten Jahren wirklich dort eine zunehmend positive Entwicklung gesehen. Wir haben Planungsstellen geschaffen. Es wurden ausreichend Planungen vorangebracht, sodass wir eigentlich jetzt dieses Jahr hätten, glaube ich, 30 Kilometer Radwege bauen können, die planungsfertig sind. Und wo jetzt natürlich mit den gekürzten Mitteln die Frage ist, was kann davon wirklich umgesetzt werden? Also mit dem Geld, was da ist, so sagen Planerinnen und Planer, kommt man irgendwie auf ein, zwei Kilometer Radweg, der gebaut werden kann. Wenn wir jetzt aber 30 Kilometer bauen könnten, bleiben ja 29 Kilometer Planung in der Schublade liegen. Und das ist natürlich total fatal, wenn man irgendwie dort die ganze Zeit so Schritt für Schritt irgendwie aufgestockt hat, vorangegangen ist, Probleme versucht hat zu lösen und jetzt merkt, okay, eigentlich fällt es jetzt hinten runter und wir lassen die Planung halt irgendwie auf der Straße liegen oder bringen sie gar nicht auf die Straße. Auch 30 Kilometer Radweg sind ja eine überschaubare Länge. Das heißt, wenn ich dich richtig verstehe, mit den aktuellen Mitteln, die da im Landeshaushalt vorgesehen sind, ist aber selbst davon nur die Umsetzung eines Bruchteils möglich. Genau, es ist immer so leicht kompliziert, weil natürlich dann teilweise noch Bundesmittel zum Beispiel durch das Förderprogramm Stadt und Land zur Verfügung stehen, wo drüber natürlich dann auch nochmal irgendwie so ein bisschen Geld quasi nach Sachsen geholt werden kann. Was wir aber da sehen, ist, dass sich der Freistaat sehr darauf verlässt, dass es finanzielle Mittel vom Bund gibt und man nicht bereit ist, selber finanzielle Mittel für den Radverkehr zur Verfügung zu stellen und da einfach ganz klar ja auch ein Zeichen an die Kommunen gesendet wird. Das ist ein Thema, was uns nicht wichtig ist, wo wir euch nicht unterstützen, wo ihr irgendwie auf euch alleine gestellt werdet oder seid und wo natürlich auch die Menschen sehen, Radfahren ist für uns in der Landesregierung irgendwie jetzt kein großes Thema. Wenn man das hört, könnte man vermuten, dass dieser Haushalt beschlossen wurde von Parteien, die traditionell für das Radfahren nicht besonders viel übrig haben. Mir ist bewusst, dass sich so holzschnittartig gar nicht so ausdrücken lässt, aber es ist ja schon verwunderlich, wenn man schaut, dass dieser Haushalt von CDU, SPD, Grünen und Linken beschlossen wurde. Was ist der Hintergrund? Warum machen diese Parteien zusammen das? Wir haben in Sachsen aktuell eine Minderheitsregierung. Das heißt natürlich, dass SPD und CDU darauf angewiesen sind, dass andere Parteien dem Haushaltsentwurf oder generell Gesetzesentwürfen zustimmen. Ich glaube, natürlich muss man sehen, das ist insgesamt ein Sparhaushalt in Sachsen und es wurden in allen Ministerien Geld angestrichen. Aber es ist natürlich die Frage, wie kämpfe ich darum, dass ich meine Mittel für bestimmte Dinge habe. Und es geht mir nicht darum zu sagen, wir sollen sozialen Projekten jetzt das Geld wegnehmen. Das ist nicht der Punkt, sondern man muss sich da glaube ich schon ganz genau anschauen, welche Investitionen sind wirklich notwendig und wichtig und wo kann man nicht vielleicht auch Geld sinnigerweise sparen. Und da geht es vielleicht auch mal um Personalstellen und da geht es vielleicht auch um Diäten von PolitikerInnen, wo man schon gucken muss, ist das jetzt der richtige Punkt, da weiter Geld auszugeben und welche Investitionen sind wichtig. Also es ist trotzdem wichtig, in die Bildung von jungen Menschen zu investieren, in Schulen zu investieren, aber eben auch in Verkehrsinfrastrukturen zu investieren. Wenn wir wollen, dass Sachsen ein Land ist, in dem Menschen leben wollen, aber wo auch irgendwie Wirtschaft floriert. Also wenn ich meine Güter nicht transportiert bekomme auf der Schiene, wenn mein Personal nicht irgendwie zum Arbeitsort kommen kann und wenn wir irgendwie große Industrieansiedlungen haben von jungen WissenschaftlerInnen oder generell Menschen, die wollen vielleicht auch, dass ihre Kinder allein zur Schule fahren können. So, und dann brauchen wir halt Radverkehrsinfrastrukturen und nicht nur die Fokussierung auf eine Infrastruktur. Wenn ich das bisher Gehörte so für mich zusammenfasse, sowohl bundes- als auch landespolitisch, würde ich sagen, okay, das sind erstmal nicht so gute Bedingungen, um beim Radverkehr und bei der Radinfrastruktur große Sprünge zu machen, große Ausbauten zu machen. Das klingt eher so wie eine Verteidigung des Status. Quo, die nicht so ganz gelingt, weil es werden ja Mittel zusammengestrichen. In deiner täglichen Arbeit mit Leuten, die sich für Radverkehr engagieren, schlägt sich da so eine negative Stimmung durch. Wie übersetzen sich die genannten Mittelstreichungen auf die Bedingungen vor Ort für Leute, die sich engagieren und für entsprechende Projekte? Ich würde sagen, es ist sehr unterschiedlich. Es gibt schon Stellen, wo wir merken, dass sich das niederschlägt, weil einfach ja generell die finanziellen Mittel schon in den Kommunen in Sachsen sehr knapp waren, würde ich jetzt sagen. Und wenn dann noch so Zeichen vom Freistaat kommen und da noch mehr Mittel gekürzt werden, das eigentlich auch dazu führt, dass die Kommunen schon auch schauen müssen, wo investieren wir jetzt das wenige Geld, das wir haben, was machen wir damit. Und das führt dann dazu, dass Radverkehrsprojekte wieder auf die lange Bank geschoben werden. Menschen noch weiter vertröstet werden und das natürlich zu Frust führt. Wenn ich mir anschaue, dass Planungen eh schon um die 20 Jahre teilweise dauern, bis ein Radweg gebaut wird oder mal ein Projekt irgendwie weiterkommt, angestoßen wird und jetzt die finanziellen Mittel fehlen, stellen sich die Leute natürlich die Frage: Wird hier überhaupt noch mal irgendwann ein Radweg gebaut? Werden meine Enkel das erleben, dass hier ein Radweg gebaut wird? Und es ist natürlich total, ich glaube schon auch ein bisschen deprimierend und schwierig, dass die Leute dann motiviert bleiben, wenn sie das Gefühl haben: Ich engagiere mich, ich bringe ein Thema nach vorne und dann werden aber hier irgendwie ständig, es wird immer so weggeschoben und es wird nicht ernst genommen. Und das haben wir jetzt als Landesverband selber erleben müssen. Wir haben eine Petition eingebracht zu einem Schulradweg. Der wurde also, das ist eine Verbindung von vier, fünf Kilometern. Dort fehlt Straßen begleitend zu einer Staatsstraße. Ein Radweg ist aber eine wichtige Verbindung für den Schülerinnenverkehr. Und es gibt so einen alten Radweg, der geht über einen Feldweg, der über einen Berg geht, der alte Schulberg, auch mit teilweise acht Prozent Steigung. Ist jetzt irgendwie einem Kind nicht so unbedingt alltäglich zumutbar. Und die Petition wurde so ein bisschen weggedrückt und ja, ist jetzt halt nicht möglich. Die können ja da über diesen Berg fahren, haben die Leute ja auch nicht. Das hat man ja früher auch immer so gemacht. Und wenn ich natürlich immer dieses: Na, geht ja irgendwie alles mit dem Fahrrad und man wird gar nicht so richtig beachtet, das führt zu Frust bei den Leuten und natürlich auch manchmal zu weniger Engagement oder auch, das ist dann, glaube ich, schwieriger, sich dafür einzusetzen. Wo ist dieses Beispiel, was du genannt hast? Das ist zwischen Hermsdorf, also Dresdner Randgebiet und Ottendorf-Okrilla. Okay, du hast deprimierend eben schon gesagt. Man könnte jetzt aufgrund altes Genannten in so eine Stimmung auferfallen und sagen: Okay, weniger Mittel und es wird weniger ernst genommen. Aber nicht nur, weil wir zu Beginn des Jahres sprechen, sondern auch, weil ich ja weiß, dass du viel unterwegs bist und viele Beispiele kennst, stelle ich mir die Frage: Hast du Beispiele für Orte oder Regionen in denen sich etwas bewegt, trotz dieser Bedingungen? Und wenn ja, was zeichnet diese Beispiele aus? Warum ist es möglich, trotz dessen etwas nach vorn zu bringen? Also wir fangen ja jetzt konkret mit vielleicht zwei Beispielen an. Das eine ist die Stadt Torgau, wo in den letzten, ich würde jetzt sagen, zwei, drei Jahren Stück für Stück immer wieder kleine Verbesserungen für den Radverkehr gemacht wurden. Und da zeigt sich einfach, welche Rolle einerseits gesellschaftliches Engagement spielt, aber welche Rolle dann vor allem der politische Wille in letzter Konsequenz hat. Dort gibt es seit Jahren engagierte Personen, die zum Teil im ADFC organisiert sind, teilweise auch außerhalb. Und die Jahr für Jahr mit dem Bürgermeister bzw. der Bürgermeisterin und jetzt dem Bürgermeister so Radinfotouren machen, immer wieder auf die gleichen Stellen hinweisen, sagen: Hier ist eine Gefahrenstelle, sagen: Hier gibt es ein Problem, hier könnte eine Verbesserung passieren. Und der jetzige Bürgermeister hat sich dem einfach auch angenommen und Stück für Stück dort versucht, die Dinge umzusetzen, Projekte voranzubringen, Fördermittel zu akquirieren, zu schauen, dass er in den planenden Behörden einfach Druck erzeugt und sich nach und nach die Situation verbessert. Das sind immer noch kleine Schritte, aber man merkt, sobald da der politische Wille da ist und von oberster Ebene sich jemand dem Thema annimmt und dahinter steht, passiert auf der Straße auch etwas und Projekte werden umgesetzt. Weil es nicht nur so ist, dass einmal gesagt wird: So, kümmert euch jetzt mal darum, macht eine Planung, sondern gleichzeitig auch jemand immer wieder darauf hinweist von oben und immer wieder nachschaut und immer wieder nachhakt. Und das macht total viel. Und ein anderes Beispiel ist die Gemeinde Pulsnitz. Dort war Konrad Krause jetzt erst um die Novelle der StVO vorzustellen. Und er ermöglicht eigentlich den Kommunen so ein bisschen mehr Handlungsspielraum, vor allem was die Einrichtung oder den Erlass von Tempo-30-Abschnitten angeht. Und hat darüber eben gesprochen, die Möglichkeiten der Kommune irgendwie aufgezeigt. Und es gab infolge dieser Veranstaltung jetzt einen fraktionsübergreifenden Antrag, mehr Tempo 30 in Pulsnitz einzurichten, was ja zeigt, dass dort auch engagierte politisch gewählte VertreterInnen irgendwie vor Ort sind, die sagen: Hey, schaut mal, hier gibt es irgendwie eine Veränderung und wir haben mehr Möglichkeiten, wir haben mehr Spielräume. Lasst uns die nutzen, um Rad und Fußverkehr irgendwie attraktiver zu machen und auch die Verkehrssicherheit für alle zu erhöhen. Wie umstritten oder wie schwierig ist so eine Diskussion um zum Beispiel so etwas wie Tempo 30? Man hat ja ab und zu den Eindruck, dass solche Diskussionen relativ zugespitzt geführt werden und eigentlich auch manchmal gewinne ich so den Eindruck, dass das eventuell vor noch gar nicht langer Zeit einfacher war, so etwas durchzusetzen. Politisch meinst du jetzt? Ja, oder in so einer Stadtgesellschaft oder in so einer lokalen Gesellschaft. Es gibt ja da genug Leute, die auch Argumente dagegen finden. Genau, es gibt vor allem wenige sehr laute Menschen, die Argumente dagegen finden. Wäre jetzt meine These und auch meine Beobachtung, dass wir medial eine Zuspitzung dieser Debatte haben und dass sehr wenige Leute sehr laut etwas sagen und wir dem folgen, dass wir aber vergessen, dass vielleicht 80 Prozent der Menschen das gut oder zumindest okay finden und akzeptabel finden. Und wir dann eher beobachten, dass man politisch diesen lauten Stimmen folgt, anstatt zu sagen, man macht das, was irgendwie alle fordern. Also mit der STVO-Novelle sieht man deutschlandweit, dass es zum Teil ElternvertreterInnen gibt, die sagen: Hey, wir können vor unserer Schule jetzt Tempo 30 einrichten. Lasst uns irgendwie die Gemeinde darauf hinweisen, lasst uns in den Stadtrat gehen, das irgendwie fordern. Es gibt genug engagierte Gruppen im ADFC im VCD, die sich irgendwie diesem Thema annehmen, die das voranbringen. Und wir sehen es ja in anderen europäischen Städten, dass Tempo 30 ja gar nicht dazu führt, dass der Verkehr langsamer wird. Also Helsinki hat Tempo 30 flächendeckend eingeführt, Paris hat das gemacht. Der Verkehr rollt trotzdem durch die Stadt, tatsächlich sogar entspannter und gleichmäßiger, weil wir weniger Stop and Go haben, wenn wir ein reduziertes Tempo haben und die Verkehrssicherheit erhöht sich enorm. Also Helsinki hat im letzten Jahr keine Verkehrstoten gehabt. Und ich glaube, dass wenn wir uns die Frage stellen: Was ist denn unser Ziel in der Verkehrspolitik? Wollen wir, dass die Leute super schnell von A nach B kommen und nehmen dafür irgendwie eine Anzahl x an Verkehrstoten in Kauf? Oder können wir nicht sagen: Wir haben keine Verkehrstoten mehr und alle brauchen vielleicht eine Minute länger? Und verstehe ich das richtig, kritisierst du da auch so einen gewissen medialen Fokus auf diese laute Minderheit, die du genannt hast? Schon, vor allem habe ich den Eindruck, dass oft so das in so einem Schwarz-Weiß diskutiert wird. Es gibt entweder: Wir fahren jetzt alle irgendwie am besten nur noch 50 in der Stadt und absoluten Fokus auf Autoverkehr oder alle sollen Fahrrad fahren. Aber das ist ja zum Beispiel auch gar keine Forderung des ADFCs und das würde ich auch zum Beispiel im ländlichen Raum ja von niemandem verlangen, zu sagen: Hey, dein Arbeitsweg von 50 Kilometern an der Bundesstraße, den kannst du doch mit dem Rad fahren. Also man muss ja auch irgendwie realistisch bleiben. Und ich habe oft den Eindruck, dass wir so Schwarz-Weiß-Debatten nur noch haben und gar nicht mehr dieses Dazwischen sehen. Also dass man sich nicht die Frage stellt: Hey, wenn man ein gutes Angebot für den Radverkehr im ländlichen Raum schafft, erhöhen wir den Radverkehrsanteil um 10 Prozent, was wahrscheinlich ein sehr realistisches Ziel ist, was gut machbar wäre. Und da vermisse ich so ein bisschen, dass man diese Grautöne wieder mehr beachtet und sich anschaut: Wie können wir denn für alle eine Verbesserung erzeugen? Und es ist ja jetzt so, dass die wenigsten Menschen, würde ich denken, Rad fahren, um etwas für den Klimaschutz zu machen, sondern Menschen fahren Rad, weil es ihnen Spaß macht, weil sie sich gern bewegen wollen, weil es vielleicht für sie das schnellste Verkehrsmittel ist, weil es praktisch ist, weil es günstig ist. Also da gibt es ja so ganz viele Sachen, weshalb Radfahren eigentlich total cool ist. Und wir verkürzen das aber politisch und auch medial da manchmal auf so ein: Naja, Radfahren ist irgendwie so ein Klimaschutzthema und deswegen fördern wir das und deswegen machen das die Menschen. Und wenn das jetzt irgendwie Klimaschutz gerade nicht mehr politisch irgendwie en vogue ist, dann braucht man den auch nicht mehr fördern. Dass man aber damit Menschen ihre Unabhängigkeit nimmt und freie Entscheidungsmöglichkeiten vergisst man halt. Du hast den politischen Willen schon erwähnt in dem Gespräch und du hast mir vorher auch gesagt im Vorgespräch, dass das so eine deiner Feststellungen in den letzten zwei Jahren ist, dass es auf diesen politischen Willen besonders ankommt. Dass du das festgestellt hast, geht das auf solche Beispiele wie in Torgau zurück, was du genannt hast? Auch und vor allem, wenn ich mir anschaue, welche Probleme oder welche Gründe ich in den letzten drei Jahren immer wieder sehe, warum der Radverkehr nicht gefördert wird, dann sind es immer wieder dieselben Sachen. Es sind viele Planerinnen und Planer, es sind viele finanzielle Mittel, es sind viele Grundstücke. Und mein Eindruck ist, dass es eigentlich immer nur Gründe sind, die man sucht, um etwas nicht zu tun. Und diese Gründe kann ich immer wieder rausholen. Und wenn der eine gerade nicht funktioniert, nehme ich einen anderen Grund. Ich kann aber auch für all diese Probleme Lösungen finden, wenn ich das möchte. Also ich kann finanzielle Mittel bereitstellen, wenn ich das im Haushalt einstelle. Es kann Menschen beschäftigen, die Radverkehr planen oder es kann quasi schauen, planen, die irgendwie ein Verkehrskonzept, wo der Radverkehr konsequent und gut mitgedacht ist. Es kann Gespräche führen mit Menschen, die Flächen besitzen. Da geht es häufig um landwirtschaftliche Flächen, auch um Wirtschaftswege. Wie kann man die gut gemeinsam nutzen? Das sind aber alles, wenn ich diese Lösungen wirklich voranbringen will, muss ich das politisch wollen und es muss von ganz oben, von der Spitze kommen. Und dann sind das alles keine Gründe mehr, sondern dann sind das kleine Hürden, die ich aber durchaus meistern kann. Und das sehe ich einfach immer wieder, dass man da irgendwie entweder diese Gründe vorschiebt oder einfach sagt: Ich finde eine Lösung dafür. Das ist ein interessanter Punkt. Ich würde bei dem gerne noch ein bisschen bleiben. Denn das würde ja bedeuten, selbst wenn wir nicht diese beschriebenen Bedingungen hätten aus dem Bundes- und dem Landeshaushalt, also diese Mittelkürzungen, Mittelverlagerungen und alles. Also selbst wenn da prallergefüllte Kassen sozusagen vorzufinden wären und der politische Wille ist aber letztlich das, worauf es ankommt, dass ja selbst auch diese größeren Kassen Fördermittel, you name it, gar nicht dazu führen müssen, unbedingt, dass die Bedingungen besser werden. Naja, doch, weil ja quasi diese Kürzungen schon ein Zeichen von nicht vorhandenem politischen Willen sind. Und wenn ich sozusagen auf einer oberen Ebene das Zeichen bekomme: Das ist nicht bedeutsam, das ist nicht wichtig, dann trägt sich das ja auch in untere politische Ebenen weiter. Und man sagt: Ach nee, der Fokus soll darauf gelegt werden. Ich kriege ja viele Mittel dafür, dass ich jetzt hier irgendwie fünf neue Umgehungsstraßen baue. Dann lege ich doch da den Fokus drauf. Jetzt gibt es vielleicht auch Gemeinden, die clever sind und sagen: Okay, wir haben irgendwie dann doch ein paar mehr Mittel, um unsere Straße zu sanieren. Dann sanieren wir die und verbreitern so ein bisschen den Gehweg, dass wir da den Radverkehr drauf führen können für die Menschen, die unsicher sind. Möglich so, aber dann ist es noch mehr politischer Wille auf der unteren Ebene, der vorhanden sein muss, wenn ja schon da das Zeichen kommt: Wir kürzen die Mittel. Und wenn aber ausreichend finanzielle Mittel da sind und man wirklich mal hinschaut und gleichmäßig sozusagen alle Verkehrsarten fördert, dann würde auch mehr auf der Straße passieren. Also es mangelt ja nicht an Plänen und es mangelt nicht an Radverkehrskonzepten. Davon haben wir ziemlich viele. Ich habe es auch nicht so gemeint, dass es nicht auf die finanziellen Mittel ankommt, aber die reichen nicht. Sozusagen jetzt werden die meisten Leute, die das hier hören, und das gilt auch für dich und mich, wir sind nicht in der Position. Du hast gesagt, es kommt bei dem politischen Willen auch auf ganz oben, hast du, glaube ich gesagt. Also du bist keine Bürgermeisterin, ich bin kein Bürgermeister und das wird vielen Leuten auch so gehen, die das hier hören. Was ist denn aus deiner Erfahrung ein guter Weg, um diesen politischen Willen zu beeinflussen, wenn das der Punkt ist, auf den es ankommt? Was kann ich denn machen? Also so, wie du vorhin gesagt hast, dass du glaubst, es gibt viele Leute, die auch was gegen Tempo 30 haben, braucht man, glaube ich, eine laute Stimme für den Radverkehr. Damit klar ist, das ist nicht das, was irgendwie jetzt der eine Nachbar im Dorf möchte, irgendwie gern Fahrrad fahren, sondern alle möchten gern die Option haben, Rad zu fahren. Und dort ist es immer gut, sich politisch zu engagieren. Entweder natürlich, indem man irgendwie zum Beispiel im ADFC Mitglied wird, einem Verband angehört, sich aber auch in dem Verband engagiert. Man kann aber auch sich als Bürgerinitiative einfach zusammentun in seiner Gemeinde und sagen: Wir möchten, dass man sich in der Elternschaft von der Schule anschauen kann: Wie ist denn eigentlich das Schulumfeld aufgestellt? Haben wir hier irgendwie Bedingungen, dass unsere Kinder sicher mit dem Rad zur Schule kommen können? Und wenn das nicht der Fall ist, woran liegt es denn? Also ist es das direkte Schulumfeld, was unsicher ist? Das kann ja auch manchmal dort einfach nur eine sichere Querung der Straße sein, direkt vor der Schule, weil da der Bus irgendwie ankommt und das würde aber auch für die Kinder, die komplett zu Fuß gehen, irgendwie ja den Schulweg erleichtern, würde den Eltern ein besseres Gefühl geben. Also sich da zusammentun und sich dann an die politischen Vertreterinnen und Vertreter, die man wählt, irgendwie zu wenden, weil ich glaube, da sind die demokratischen Mittel, die wir haben. Es geht nicht darum, nur einmal irgendwie an der Wahl seine Stimme abzugeben und dann die Verantwortung damit abzuschieben, sondern immer zu sagen: Es muss ja auch die Themen geben. Also ich muss ja auch wissen, was wir irgendwie als Menschen, die hier leben, was wir eigentlich wollen. Und dann ist es unsere Aufgabe, die auch immer darauf hinzuweisen. Und ich habe jetzt vor allem mit der neuen Landesregierung zum Teil sehr, sehr gute Erfahrungen mit unseren Aktiven vor Ort gemacht. Dass wir auch einfach Landtagsabgeordnete eingeladen haben zu Treffen und gesagt haben: Hey, es gibt hier so ein paar lokale Themen, die würden wir gerne mal ansprechen. Die sich Zeit nehmen, die zuhören. Und das ist das, was wir alle machen können. Wir können den Brief schreiben, die haben teilweise auch irgendwie ja ihre Wahlkreisbüros noch vor Ort. Dort kann man hingehen, dort kann man seine Themen irgendwie einbringen. Und das ist total wichtig, dort einfach immer wieder darauf hinzuweisen, dass Radfahren nicht das ist, was irgendwie man mal hier im Urlaub macht oder was die Leute sportlich irgendwie auf dem Mountainbike oder auf dem Rennrad machen, sondern dass es eine ganz normale Form der Mobilität sein kann, wenn man die Bedingungen dafür hat. Kennst du Beispiele dafür, dass sowas wie zum Beispiel mit einer sicheren Querung vor einer Schule, dass das funktioniert hat aufgrund solches Engagements, also von Eltern zum Beispiel? Also das war quasi zu Hause bei mir vor der Haustür. War ein sehr langer Weg. Dort wurde ein Fußgängerüberweg. Da haben sich aber Eltern über zehn Jahre dafür eingesetzt, dort einen Fußgängerüberweg zu schaffen. Und den gibt es mittlerweile. Mit der neuen StVO ist das aber leichter möglich, weil lange Zeit eine besondere Gefahrenlage nachgewiesen werden musste, um sowas wie Fußgängerüberwege oder auch Radverkehrsanlagen zu bauen. Und das entfällt jetzt zum Teil, weil man dort einfach viel geändert hat. Und das ist ein großer Gewinn, den Kommunen nutzen können. Und ich glaube, dass noch zu wenig Wissen darüber existiert, sowohl in der Verwaltung als auch bei den Menschen direkt, was bedeutet eigentlich StVO Novelle? Was sind so die Möglichkeiten, die da jetzt entstanden sind? Wir haben vor einem knappen Vierteljahr dazu mal ein Online-Seminar angeboten, was wir nur in unserem aktiven Newsletter gestreut haben und hatten 50 Leute, die sich das angehört haben und erstmal diese Information haben wollten. Und mein Eindruck ist schon auch, dass da irgendwie noch ganz viel auch unsere Aufgabe als ADFC ist, dieses Wissen noch weiter zu tragen, in die Breite zu bringen, runterzubrechen, den Menschen zu ermöglichen zu verstehen, was sagt denn diese StVO-Novelle und wie können wir das vor Ort in unserer Kommune, in der Gemeinde nutzen? Also verstehe ich so als eine Art Aktivierung im Rahmen der Möglichkeiten, die man hat. Also dass man sich der Werkzeuge bewusster wird, die es gibt. Wir haben immer mal wieder telefoniert oder haben uns auf irgendwelchen Radveranstaltungen gesehen und du hast mir mehrmals von der Arbeit mit jungen Menschen erzählt, die du im Rahmen deiner Tätigkeit machst. Was hast du da gemacht? Genau, ich hatte jetzt für anderthalb Jahre ein Projekt zur BürgerInnenbeteiligung, was auch gefördert wurde über die Förderrichtlinie Bürgerbeteiligung vom Freistaat Sachsen. Und habe an drei Schulen im Landkreis Mittelsachsen in Hainichen, Frankenberg und Oberlichtenau, das sind eher kleinere Gemeinden. Frankenberg ist schon eine kleine Stadt. Habe dort mit Schülerinnen und Schülern das Schulumfeld angeschaut und wir haben gemeinsam überlegt, welche Gefahren gibt es denn eigentlich dort? Was nehmen sie denn wahr? Wo ist es denn kritisch und welche Ideen haben sie? Wie würden sie das verbessern? Und haben dann uns noch einen Verkehrsplaner mit dazu geholt, um zu sagen: Okay, wir brechen eure Ideen so weit oder wir formen die so weit, dass die auch realistisch umsetzbar sind. Also dass man nicht dann am Ende irgendwie sich da hinterher wegducken kann und sagen kann: Das ist eine schöne, nette Vision, aber es geht ja alles gar nicht. Sondern dass die so realistisch sind, dass die eigentlich für die Gemeinde umsetzbar sind. Und haben dann die Ideen oder die Schülerinnen und Schüler selbst haben die Ideen in Schulwegforen vorgestellt, dem jeweiligen Bürgermeister aus der Stadt, Mitarbeitenden aus der Verwaltung, Gemeinderäte waren dabei, teilweise auch Eltern, Mitschülerinnen und Mitschüler. Und genau, jetzt ist gerade meine Aufgabe, diese Ideen noch mit den Verwaltungen weiter zu tragen, diesen Austausch weiter zu fördern. Was da total spannend war aus meiner Sicht, dass junge Menschen das waren siebte, achte Klassen, also so 13, 14, 15, waren die Schülerinnen und Schüler, dass die sehr gut Gefahrenstellen benennen können. Also dass die eigentlich wissen, wo ist es ein bisschen unbequem, wo hab ich immer mal Angst, wo wird mir auch irgendwie, also dem ja auch wahr, was wird ihnen in ihrer Familie erzählt, wo es gefährlich ist, wo man nicht lang fährt. Das wissen die alle sehr gut. Und noch viel besser können die, wenn sie über Ideen und Lösungen nachdenken, alle Leute zusammen denken. Also für die, ohne dass ich sie darauf hingewiesen habe, war es dann immer so: Okay, gab zum Beispiel diesen Fall in Oberlichtenau. Das ist so eine Staatsstraße, die sehr kurvig ist, am Feld lang geht und dann war so: Okay, irgendwie ist die Straße, da bräuchte es eigentlich irgendwie noch eine Radverkehrsanlage. Und wenn man jetzt aber die Kurven irgendwie zu eng macht, dann kommt der Traktor nicht mehr durch. Und es ist ja total wichtig, dass der landwirtschaftliche Verkehr hier auch lang kommt. Und die fahren hier. Also die haben so von ganz allein haben die irgendwie darüber nachdenken können: Okay, wer nutzt es dann auch alles? Für wen muss es denn hier irgendwie praktikabel sein? Welche Anforderungen hat es? Und konnten da irgendwie ganz gut das immer diesen ganzen Verkehr im System denken. Und ich habe das Gefühl, irgendwie ist das verloren gegangen, vielleicht durch so eine Spezialisierung und Ausdifferenzierung, die wir irgendwie in der Gesellschaft haben und die dann auch bei so Planerinnen und Planern da ist. Und das dann häufig auch Verkehr. Also dann wird erst für den motorisierten Verkehr geplant, dann wird irgendwann mal für den Radverkehr geplant und dann fällt einem ein: Oh, wir haben ja auch Fußverkehr. Anstatt dass man das alles mal so zusammendenkt als ein Konzept und sich überlegt: So, welche Wege wollen wir denn für wen wie attraktiv machen? Und das konnten die einfach so. Das war total spannend. Und was ich auch gesehen habe bei denen, ist, dass die manchmal einfach auch so pragmatischer gedacht haben. Und das ist auch das, was ich so ein Stück weit vermisse, dass Planungen oft sehr technisch sind. Also da wird so, Verkehrsingenieure denken sehr technisch darüber nach, wie irgendwie Mobilität gestaltet werden sollte. Und ich vermisse dabei manchmal, dass man über die Menschen nachdenkt, die es nutzen und dass man die vielleicht mit ins Boot holt und dass man dort irgendwie Menschen viel früher mit einbindet in solche Prozesse und dann vielleicht auch manchmal sagt: Okay, die Premiumlösung dauert jetzt gerade ein bisschen, da kommen wir erst in zehn Jahren hin. Wir finden jetzt aber mal eine gute pragmatische Lösung, die jetzt funktioniert. Und die erstmal okay ist, anstatt immer wieder zu sagen: Naja, wir haben ja da was ganz Tolles, Großes geplant, kommt aber erst in 20 Jahren. Das erinnert mich an unser Gespräch vor zwei Jahren. Da hatten wir das, glaube ich, in ähnlicher Form auch schon drin, wo du, glaube ich, den Vergleich zu den Niederlanden gezogen hast, wo man dort eher Leute mitnimmt und eben nicht diesen Perfektionismus, dem so frönt. Genau, der hat sich dann so ein bisschen selbst blockiert, oder? Ja, und was man in den Niederlanden auch macht, was ich jetzt erst vor kurzem gelesen habe, ist, Straßen, wenn man sie jetzt anfasst, so zu bauen und so zu planen, dass man sagt: Die können auch in 20 Jahren anders aussehen. Und das ist schon angelegt. Also dass man zum Beispiel ein Fahrradstraßenkonzept sich überlegt, wo man sagt: Okay, das ist jetzt nicht aktuell, das brauchen wir jetzt noch nicht, aber wir brauchen das in 20 Jahren. Das ist unser Ziel, dass wir das dann brauchen. Und wir bauen die Straße jetzt um und sie ist aber so umgebaut, dass sie als Fahrradstraße einfach durch noch zwei, drei Markierungen mehr funktioniert. Und da irgendwie so ein bisschen mehr Weitsicht zu haben und auch so eine Vision vielleicht zu haben, wo wollen wir den Radverkehr mal haben. Eine Verhaltensänderung passiert nicht von heute auf morgen. Nur weil ich jetzt einen Radweg baue, werden nicht morgen alle mit dem Fahrrad dort langfahren. Auch das sind Prozesse und Entwicklungen, die erst stattfinden müssen. Wenn wir aber den Menschen nie den Radweg bauen, wird auf jeden Fall auch nie jemand Rad fahren. Das ist ziemlich klar. Die Beispiele, die du gebracht hast aus den Schulen: Wie nah sind die der Umsetzung? Oder was ist ein konkretes Beispiel für so eine Lösung, meinetwegen in Heinichen? In Heinichen merke ich, dass es total gut ist, dass der Austausch immer weiter gemacht wird. Also, dass dort ganz klar politischer Wille entscheidend war, dass der Verwaltungsmitarbeiter klar sagen kann: „Ich möchte im Austausch mit der Schule bleiben“ und wir führen diesen Austausch fort. Wir versuchen regelmäßig zu schauen, welche Themen gibt es. Die Verwaltung arbeitet daran und ist bereit, immer wieder darüber zu berichten, wie weit wir jetzt gerade gekommen sind, woran wir sitzen und was wir gerade noch machen. Ganz konkret ist es in Frankenberg so gewesen, dass eine Idee war, einfach nur andere Abstellanlagen für Fahrräder einzuführen. Es gibt häufig ja noch so Vorderradbügel, wo Räder nicht super sicher sind und was auch nicht so gut für die Felge ist. Dort einfach so richtige Bügel hinzustellen. Das ist, ich glaube, im April passiert. Genau in den Sommerferien wurden neue Radbügel an der Schule gebaut. Also, da ging es einfach super schnell und da war es dann aber auch ganz klar, dass der Bürgermeister gesagt hat: „Okay, dann machen wir das jetzt, beauftrage den Bauhof.“ Da sieht man, dass in allen drei Städten, habe ich so den Eindruck, dass da ganz klar ist, dass die Bürgermeister mir natürlich vor dem Projekt zugesagt haben, dass sie mindestens zu dem Schulwegforum kommen und sich der Ideen annehmen. Und dass man auch sieht, das bedeutet, dass sie aber auch ihre Verwaltung, dass sie den Handlungsspielraum geben und sagen: „Ja, tausche dich damit aus, prüfe diese Sachen und schau, was du umsetzen kannst.“ Und ich glaube, ganz wichtig bei BürgerInnenbeteiligung ist halt auch immer eine Transparenz. Also auch klar zu sagen, Dinge gehen nicht, weil… Und auch das ist ja wichtig. Nicht alles ist dann irgendwie umsetzbar, so in letzter Konsequenz. Aber da irgendwie öfter drüber nachzudenken und sich das anzuschauen, ist, glaube ich, ein entscheidender Punkt. Schulwegforum ist der Name für dieses Projekt. Nee, Schulwegforum war der Name für die Vorstellung der Ideen, einfach um so einen Rahmen zu geben. Und wenn das jetzt jemand hört und denkt: „Hier, die Schule bei uns im Ort, da könnten wir sowas auch gebrauchen“, also diesen Dialog und dann auch irgendwie eine pragmatische Verbesserung der Situation. Kommst du dahin, wenn du angefordert wirst? Gibt es da in anderen Bundesländern irgendwelche Programme? Braucht man ein Programm dafür? Wie stößt man sowas an, wenn man das jetzt hier hört und denkt: „Okay, ja cool, können wir ja auch gebrauchen?“ Ich glaube, dass es ähnliche Formate auch schon gab. Also, es geht ja eigentlich um sowas wie Schulwegchecks. Es gibt von der Bundesanstalt für Straßen und Verkehrswesen den Leitfaden zur Erstellung von Schulwegplänen, der ein bisschen komplexer ist, aber letztlich können das eigentlich Lehrkräfte auch selber umsetzen und sagen: „So, hey, wir schauen uns mal irgendwie unser Schulumfeld mit den Schülerinnen und Schülern an oder auch mit Eltern an.“ Ich finde, mit Schülerinnen und Schülern ist das Thema besser, weil die wissen, wo sie lang gehen wollen. Die Eltern haben nur so eine Idee, wo ihre Kinder lang gehen sollten, aber sehen das natürlich erstmal aus ihrer Perspektive, die häufigst dann doch vielleicht die aus dem Auto ist. Erstmal vielleicht auch die zu Fuß oder mit dem Rad, aber das ist ja nicht ein alltäglicher Weg sonst so. Und dann mit den Schülerinnen und Schülern da drauf zu gucken und zu überlegen, was kann man dann verbessern, welche Möglichkeiten gibt es, bietet sich total gut an für fächerübergreifenden Unterricht, wenn man es mal so nimmt. Man kann darunter ganz viele Themen sehen. Wenn Menschen dazu, also wenn es jetzt irgendwie Lehrkräfte hören und sich denken: „Ich hab da Lust drauf“, dann können sie sich gern bei mir melden. Da gibt es irgendwie auch schon ganz viel Material, was man benutzen kann. Ich bin jetzt noch dabei, das Material, was ich so erzeugt habe, auch zu bereiten, damit es dann auch zur Verfügung steht, weil ich das unglaublich wichtig finde, dass das überall stattfinden kann. Und das ist nichts, was jetzt immer in so einem großen, was von außen so gesteuert werden muss. Wo es, glaube ich, gut ist, wenn man von außen mal jemanden hat, aber wo man auch einfach sagen kann: „Das ist gut, ein Projekt, was an der Schule selber entstehen kann.“ Wir sind ganz am Anfang des Jahres. Was wünschst du dir für deine Arbeit für dieses Jahr und was motiviert dich? Ich glaube, ich wünsche mir weiterhin ganz viele Begegnungen mit Menschen, die Lust haben, sich für den Radverkehr zu engagieren und da einfach auch einen langen Atem haben und Lust haben, so diesen langen Atem zu haben, egal auf welcher Ebene. Und das muss ja gar nicht immer diese vielleicht eher trocken anmutende politische Arbeit sein, sondern Radverkehr fördert man auch indem man Radtouren anbietet, indem man irgendwie Radkultur fördert, indem man irgendwie Radreisevorträge organisiert. Also, solchen Menschen zu begegnen und deren Ideen zu hören und die unterstützen zu können, ist, glaube ich, das, was ich mir wünsche. Da möchte ich noch mehr in ganz Sachsen. Ich glaube, viel motivieren mich die ehrenamtlich Engagierten im ADFC, die ich betreue in unseren Ortsgruppen, die einfach auch seit Jahren an Themen dranbleiben, die Lust haben, die sich gegenseitig motivieren und die dabei immer wieder neue coole Ideen entwickeln, wie man kleinere Themen manchmal auch voranbringen kann, die sich vor Ort vernetzen und austauschen. Das motiviert, glaube ich, an meiner Arbeit generell, dass ich selber einfach immer total gern Rad fahre und ich das schade finde, wenn Menschen das nicht können und denen es verwehrt ist. Und ich möchte, dass alle Menschen immer die Entscheidung haben, Radfahren zu können, egal wo sie sind. Gibt es ein Projekt, auf das du dich besonders freust in diesem Jahr? Ja, wir haben jetzt lange, also wir vor allem Ehrenamtliche haben jetzt länger daran gearbeitet, ein sachsenweites Portal zur Ausleihe von freien Lastenrädern aufzusetzen. Das ist erstmal sozusagen eine digitale Infrastruktur und jetzt ist das Ziel, möglichst viele Initiativen und Leute zu motivieren, zu sagen: „Hey, wir würden so ein gemeinschaftliches Lastenrad anschaffen und zur Verfügung stellen und ausleihen und nutzen“, sozusagen diese digitale Plattform. Die an den Start zu bringen und in die Breite zu bringen und zu gucken, was da so wächst, da freue ich mich drauf. Das klingt nach einem spannenden Projekt. Und wenn du dir, sag ich mal, übergeordnet politisch gesellschaftlich, was wünschen könntest, was wäre das? Ich glaube, dass Radfahren als alltägliche Mobilitätsform das Normale wird. Also, dass es nicht mehr die Rennradfahrer sind und die Lastenradfahrer und die Müsli’s, die irgendwie Radfahren wollen, sondern dass klar ist: Radfahren ist für alle Menschen erstmal eine Option für den einen oder den anderen Weg. Und die Option gebe ich ihnen. Also, dass es einfach was ganz Normales ist, was immer mitgedacht wird und wo wir uns nicht mehr die Frage stellen, ob wir das brauchen, sondern nur noch die Frage stellen, wie wir es umsetzen können. Dann bin ich gespannt, ob wir uns diesem Ziel ein bisschen weiter annähern, ob wir es vielleicht sogar erreichen in 2026. Danke dir für den Besuch hier und die Schilderung der Bedingungen, unter denen du arbeitest oder mit denen du arbeitest und dieser Beispiele, die du mir hier genannt hast. Danke, Isabel. Danke für die Einladung. Mit diesem Gespräch mit Isabel Gall starten wir ins neue Jahr und haben ziemlich viele Themen auf dem Zettel. Darum gibt es einmal pro Woche einen neuen Antritt. Der erscheint immer am Freitag und für die Menschen, die uns auf Steady oder Apple Podcast unterstützen, schon etwas eher. Die nächste Ausgabe folgt hier also am 16. Januar. Und wenn ihr uns bis dahin erreichen wollt, dann geht das per Mail an antritt@detektor.fm, auf Instagram und auf Mastodon. Ich wünsche euch allen eine gute und sichere Fahrt in diesem Jahr und ich möchte den Leuten, die sich für gute und sichere Fahrradinfrastruktur für uns alle einsetzen, einfach mal Danke sagen. Kommt alle gut durch die kalten Tage und bis nächste Woche. Ciao. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Untertitel von Stephanie Geiges. Geiges.