Übergeben, übernehmen und Übergänge sind alles Aspekte, die wir in den kommenden Wochen hier im Podcast besprechen wollen. Denn mehr als eine halbe Million Unternehmen suchen in den nächsten drei Jahren eine Nachfolge. Klar, einige wollen auch gar nicht übergeben. Für viele stellen sich aber gerade deshalb wirklich viele Fragen. Das ist im Großen so, aber auch sehr konkret im brand eins Universum. Wieso, weshalb, warum, besprechen wir in dieser Ausgabe.
Ich bin Christian Bollert und kann euch jetzt schon eine besondere Episode unseres gemeinsamen Podcasts versprechen: Der brand eins Podcast – Wirtschaft anders denken. Jede Woche bei detektor.fm.
Führungswechsel bei brand eins
Bei der brand eins in Hamburg steht ein Führungswechsel an, oder besser, er findet gerade schon statt. Denn Gabriele Fischer gibt zum Ende des Jahres die Chefredaktion ab und Christian Rickens, zuletzt Textchef beim Handelsblatt, ist schon seit dem Sommer mit in der Chefredaktion Co-Chefredakteur und übernimmt dann ab Januar 2027 alleine die Leitung. Das manchmal also so abstrakte Thema der Übergabe und des Übernehmens wird hier jetzt schon bei diesem besonderen Wirtschaftsmagazin direkt erlebbar und ist genau deshalb das Thema in dieser Podcast-Episode.
Gabriele Fischer hat die brand eins 1999 mitgegründet und seitdem ohne Frage entscheidend mitgeprägt. Für viele ist sie das Gesicht der brand eins. Christian Rickens hat bei der brand eins seine ersten Schritte als Magazinjournalist gemacht und kennt das Haus noch aus der Gründungsphase. Danach hat er unter anderem für das Manager Magazin, Spiegel Online und zuletzt, wie schon erwähnt, für das Handelsblatt gearbeitet.
Sprechen wir also übers Loslassen, Raum für Neues und auch übers Übernehmen. Herzlich willkommen und hallo im brand eins Podcast, Gabriele und Christian.
Loslassen und neue Wege
Hallo! Hallo! Danke für die Einladung. Gabriele, fangen wir mit dir an. Du hast in einem deiner Newsletter über das Loslassen geschrieben, dass es ein verdammt harter Selbsterfahrungskurs sein kann. Wo stehst du denn da gerade selbst?
Das Schöne ist, dass es wirklich jede Woche eine andere Station nimmt. Man wandelt zwischen Euphorie: Was kommt Neues? Wie sieht das Neue aus? Dem Gefühl: Will ich das wirklich nicht mehr machen? Oder so, wenn du dann 100 Mails kriegst, hast du so das Gefühl, das ist auch schön, wenn ich das nicht mehr machen muss. Und so schwanke ich von A nach B und fühle mich aber grundsätzlich gut, weil ich glaube, dass wir mit Christian den richtigen gefunden haben und damit brand eins in guten Händen ist. Und ich mich auch darauf freue, was Neues anzufangen.
Und wenn du jetzt dich heute festlegen müsstest, in dem Moment der Aufnahme eher A oder B oder doch C, weil du schwankst, wie fühlst du dich? Heute fühle ich mich gut.
Verantwortung und Bürde
Christian, du hast ja die brand eins noch in dieser Gründungsphase selbst mitbekommen. Gabriele hat es gerade gesagt, sie ist sehr zuversichtlich, dass du das gut machen wirst. Aber das ist ja gleichzeitig auch natürlich eine Bürde.
Ja, das kann man so sagen. Aber es wäre natürlich noch schlimmer, wenn sie sagen würde, ich glaube eigentlich nicht, dass er es gut machen wird oder ich hoffe, dass er es gut machen wird oder sonst was. Also insofern, jede andere Bürde wäre ja noch größer. Insofern bin ich schon ganz froh, dass Gabriele mir das offenbar zutraut.
Jetzt bist du ja schon so ein bisschen dabei, seit dem Sommer, seit Juli, um ganz genau zu sein. Gibt es auch Dinge, wo du jetzt schon sagen kannst, das bleibt auf jeden Fall, das bleibt brand eins?
Ja, ganz viel. Also das Allermeiste bleibt auf jeden Fall brand eins. Wir sind ja ein sehr, sehr besonderes Wirtschaftsmagazin. Ich glaube, wir waren schon ein konstruktiver Journalismus. Da war das Schlagwort noch nicht mal erfunden. Das ist wirklich so das Markenzeichen, das Gabriele Fischer hier mitgebracht hat. Unser Untertitel lautet ja auch „Das geht“. Also genau dieser konstruktive Ansatz, den jetzt alle machen wollen, bis hin zum Spiegel. Und ich kann mich auf jeden Fall festlegen, dass das auch brand eins bleibt, dass das auf jeden Fall unser Markenzeichen bleiben wird. Auch wenn ich dieses Schlagwort „konstruktiver Journalismus“ gar nicht so sehr mag.
Veränderungen und neue Ansätze
Gibt es denn auch schon was, wo du sagst, ah, da würde ich vielleicht doch mal rangehen?
Ja, es gibt so zwei bis drei Themen, die ich aber auch schon mit Gabriele und dem ganzen Team gesprochen habe, wo ich denke, dass wir besser werden können. Das eine ist, dass wir brand eins ein bisschen mehr noch ins Gespräch bringen. Wir sind sehr stark verankert in unserer brand eins Community. Das sind die, die unser Heft abonniert haben, die unseren Podcast hören, die alles ganz großartig finden, was wir machen. Und das ist natürlich immer ganz toll, wenn die einem das spiegeln, dass man großartig ist. Das mag jeder. Aber gleichzeitig denke ich manchmal, wir könnten noch ein bisschen mehr raus aus dieser Community wirken, noch versuchen, ein bisschen mehr ins Gespräch zu kommen mit den Inhalten. Also ob uns das gelingt, ist die nächste Frage.
Und der zweite Punkt ist, dass wir, glaube ich, stärker als bisher noch auf digitalen Kanälen stattfinden müssen. Gar nicht so sehr, weil die Leserinnen und Leser, die wir jetzt haben, unser Heft nicht mögen. Also im Gegenteil, das sind richtige Fans von diesem Heft. Aber klar ist auch, junge Zielgruppen holt man nur noch sehr, sehr schwer mit einem Printprodukt ab. Und wenn wir junge Leserinnen und Leser wollen, dann müssen wir die auf digitalen Kanälen erreichen.
Das dritte, das ist ein Punkt, dass ich denke, wir könnten noch mehr zu so einer Community werden. Denn wir merken ja immer wieder, dass unsere Leserinnen und Leser sehr ähnlich ticken, dass die Werte teilen, für die brand eins auch steht. Und wenn wir es noch schaffen, die miteinander besser zu vernetzen, auf Konferenzen zusammenzubringen, dann wäre das, glaube ich, auch noch ein großes Potenzial für brand eins. Das sind aber alles Dinge, die habe ich mir jetzt auch nicht am grünen Tisch ausgedacht, sondern die wurden hier schon gedacht, lange bevor ich gekommen bin.
Übergabe und Übergangszeit
Gabriele, du hast auch mal gesagt, eines der wichtigsten Learnings beim Thema Übernehmen oder Übergeben ist, auch den Übergang möglichst kurz zu machen. Warum?
Das habe ich nicht gesagt, sondern ich habe gesagt, dass ich bei der Übergabe der Firma, ich habe ja auch die Firma, die brand eins Medien AG, schon vor fünf Jahren an Holger Volland übergeben. Und wir hatten, dadurch dass ich einen Fünf-Jahres-Vertrag als Vorstand hatte, diese fünf Jahre als Übergangszeit. Und das ist definitiv zu lang. Also eigentlich hätte man nach zwei Jahren sagen müssen, so kann ich mal gucken, was ich sonst noch Lustiges kann und rauszugehen. Wir haben dann bei Christian auch deshalb ein halbes Jahr genommen. Und das ist, glaube ich, eine gute Zeit damit. Aber auch da merkst du nach zwei, drei Monaten, entweder es läuft oder es läuft nicht. Und wenn es läuft, bist du dann so ab dem vierten Monat in so einem Grundgefühl von Überflüssigkeit. Und das muss man ja nicht austoben als Gefühl, so lange, also dass man sich überflüssig vorkommt.
Also du hast keine Sorge, dass das halbe Jahr jetzt vielleicht dann wiederum zu kurz sein könnte?
Nee, hab ich nicht. Tatsächlich nicht. Nun bin ich ja schon vier Jahre in diesem Übergangsmodus. Und die ersten Jahre noch nicht so doll. Und das Heft habe ich ja nun vier Jahre lang noch nicht übergeben, sondern wir haben es alle gemeinsam gemacht, so wie wir das bei brand eins seit 26 Jahren tun. Aber ich glaube, dass es ganz schön für mich ist, neue Sachen anfangen zu können. Ich bin ja jemand, der Veränderungen liebt und der sich immer gerne auch auf Neues gestürzt hat.
Und ich merke, dass ich durch die Stadt gehe und irgendwo ein Plakat sehe und da wirbt jemand für die Tafel. Und ich denke mir, ob das vielleicht was sein könnte. Ich kann im Moment nichts lesen und nichts, wo ich nicht überlege, ob das nicht möglicherweise auch noch was Spannendes sein kann. Außerdem habe ich jede Menge an Geschichten aufgespart, die ich selber nicht als Geschichten gesehen habe, aber weiß, dass es welche sind und mit denen ich mich beschäftigen möchte. Also ich werde ganz bestimmt genug zu tun haben, aber ich bin ganz froh, wenn ich das nicht mehr in den jetzigen Raster tue, das ich eben schon sehr lange besetze und kenne.
Zukunftsperspektiven
Und vielleicht kann ich da noch ergänzen: Gabriele, wir hoffen natürlich auch sehr, dass du brand eins erhalten bleibst, zumindest in einer Teilzeitrolle, wenn man das so nennen will. Also wir wollen nach wie vor von dir lesen und hören.
Ja, und das ist ja, soweit ich das verstanden habe, tatsächlich auch der Plan. Christian, also dass Gabriele und ja übrigens auch Jens Bergmann aus der Chefredaktion auch als Autorinnen oder Autoren für journalistische Projekte und auch sonstige Sachen mit an Bord bleiben.
Ja, also Jens bleibt noch sowieso ein Jahr länger und dann wird man neu überlegen, wie das weitergeht. Ich denke auch, also für wen sollte ich schreiben? Soll ich jetzt gucken, ob der Spiegel konstruktive Geschichten braucht? Nein. Ja, die suchen zumindest.
Aber das stimmt schon. Wir sprechen hier im Podcast über das Übernehmen im brand eins Podcast, denn das ist der Schwerpunkt im aktuellen Heft, aber insbesondere auch im brand eins Team selbst in Hamburg gerade ein aktuelles Thema, denn die Chefredaktion um Gabriele Fischer und Jens Bergmann gibt perspektivisch die Führung ab, ganz komplett an Christian Rickens, der ist schon da. Und genau das vertiefen wir aber auch natürlich noch hier im Podcast.
Entscheidungen und Reflexion
Gabriele, vermutlich wird Christian ja im kommenden Jahr, wenn du vielleicht nur mit noch öffneren Augen durch die Straßen läufst, dann Entscheidungen treffen, bei denen du vielleicht auch mal denkst, das hätte ich aber anders gemacht. Oder wirst du das wirklich gar nicht denken?
Das weiß ich nicht, ob ich das denke oder nicht. Das ist normal, dass das so ist. Das habe ich nun schon in der ersten Phase mit Holger Volland gemerkt, der einige Sachen anders entschieden hat, als ich sie entscheiden würde. Und ich habe in diesen vier Jahren gelernt, dass man sich darüber im Klaren sein muss. Wenn der Nachfolger es gut macht, muss er Sachen anders entscheiden, weil sonst hätte ich ja mir eine von diesen lebensverlängernden Pillen holen können und es einfach ewig machen. Das war aber gar nicht der Plan.
Und wenn du einen Nachfolger bestellst, dann hast du hoffentlich einen klugen und guten bestellt und der hat natürlich seinen eigenen Kopf und der wird natürlich Sachen anders machen. Mittlerweile kann ich da ganz gut drüber hinweg gucken. Ich möchte auf gar keinen Fall erleben, dass es falsche Entscheidungen waren, aber selbst dann bin ich ganz sicher, dass sie das genauso korrigieren wie wir das immer korrigiert haben. Es ist ja nun wahrlich nicht so, als hätten wir in diesen 25 Jahren nicht jede Menge falsche Entscheidungen getroffen. Und man muss dann nur lernen, sie zu korrigieren. Das werden die auf jeden Fall lernen.
Das heißt, Gabriele Fischer wird nicht ich sag mal wie im Klischee der Seniorchef oder die Seniorchefin dann so ein zweimal die Woche in die Redaktion kommen und sagen, oh, das habt ihr aber, warum habt ihr das denn so gemacht?
Ganz sicher nicht. Und ich ziehe auch weg. Also Gabriele Fischer kann sehr gerne ein bis zweimal in der Woche in die Redaktion kommen. Da hätte niemand was dagegen und ich erst recht nicht. Und dann kann man ja wunderbar über Themen diskutieren und man kann auch über Entscheidungen diskutieren. Da hätte ich jetzt kein Problem mit. Aber ich hätte mich glaube ich auch in Gabriele sehr getäuscht, wenn sie der Typ wäre, der jetzt jeden Morgen hier im Büro sitzt und jeder muss halt hier vorbei und sie kontrolliert, was so am Posteingang reinkommt, um dieses Klischee zu bedienen. Das habe ich schon vorher nicht getan. Damit fange ich auch meine alten Tage auch nicht an. Kann ich mir auch wirklich nicht vorstellen.
Mentale Vorbereitung
Aber Christian, bereitest du dich irgendwie trotzdem ein bisschen nochmal anders darauf vor, auch vielleicht sogar mental, ich sag mal, die Verantwortung allein zu übernehmen? Oder sagst du, da wächst du auch eher so rein?
Ja, ich versuche mich da mental ganz intensiv darauf vorzubereiten, indem ich möglichst wenig dran denke. Denn je mehr ich dran denke, desto schlechter kann ich nachts schlafen. Und nein, das sind also machen wir uns mal nichts vor, das sind ja schon riesige Fußstapfen. Und ich war, muss man auch so sagen, ich war in meinem Leben ja noch nie Chefredakteur. Ich meine, ich glaube, dass ich diesen ganzen operativen Teil, also wie erstelle ich ein journalistisches Produkt, sodass es pünktlich und innerhalb des Budgets erscheint, zu einer vernünftigen Qualität, ich glaube, das habe ich jetzt in meinen 30 Berufsjahren als Wirtschaftsjournalist einigermaßen gelernt.
Aber auch wie man ein Team führt, habe ich, glaube ich, einigermaßen gelernt. Aber es hängen ja noch eine ganze Menge andere Sachen dran am Chefredakteur sein, die ich jetzt erst so nach und nach mitbekomme. Dazu gehört es zum Beispiel, für solche Podcast-Aufzeichnungen zur Verfügung zu stehen und irgendwie über die zukünftige Strategie eines Mediums zu sprechen. Das ist definitiv alles sehr neu für mich. Und ja, insofern denke ich natürlich darüber nach, aber versuche auch nicht zu viel darüber nach zu grübeln.
Ausblick auf die Zukunft
Ich halte das für sehr schlau und glaube auch, dass du damit auf dem richtigen Weg bist. Ja, und in der Hinsicht muss man sagen, hat dir Gabriele wirklich was voraus, denn sie war logischerweise auch schon im brand eins Podcast zu Gast.
Aber wenn wir über den Podcast reden, also ich meine, wenn man ein bisschen Christian jetzt mal ein bisschen weiter vorausschaut, dann gibt es demnächst in nicht allzu langer Zukunft 30 Jahre brand eins. Und wenn wir dann hier im Podcast wieder miteinander sprechen, weil ich sage mal, das ist eine Pflichtveranstaltung, dann bei 30 Jahren. Wo steht dann brand eins?
Du hast ja schon so drei Punkte angekündigt, wo du hin willst. Habt ihr denn dann alles schon geschafft?
Ich glaube, geschafft hat man die nie. Denn das sind ja drei Dinge: ins Gespräch kommen, digitale Transformation, Community bilden. Damit ist man ja nie fertig. Also ich würde mir natürlich wünschen, dass wir dann in vier Jahren deutlich weiter sind als jetzt. Aber fertig ist man damit nie.
Nächste Schritte
Was sind denn da so die nächsten Schritte, die du dir so vorstellst? Also sind das tatsächlich irgendwie andere Bezahlmodelle auch? Oder also habt ihr schon konkrete Ideen auch?
Also wir haben ja mit dem Community-Bereich, darüber kann man glaube ich am besten sprechen, weil da sind wir auch schon am weitesten. Was, wie gesagt, auch gar nicht darauf beruht, dass ich da jetzt schon besonders viel gemacht hätte. Aber wir starten jetzt ja gerade diese ÜbernehmerInnen-Community, die natürlich schon ein Teil davon ist.
Wir denken über weitere Mischungen aus, sage ich mal, Abo- und Community-Modellen nach, wo man sagt, das sind Abonnements, die, ähnlich wie wir sie jetzt auch schon haben, mit einem Führungs-Abo und einem Beratungs-Abo, immer noch so ein Element von Interaktion beinhalten. Also wo man dann eben zum Beispiel an Online-Fortbildungskursen teilnehmen kann als Teil des Abonnements. Das sind Dinge, die laufen jetzt schon und die werden hoffentlich gut laufen und stärker laufen. Und wir werden noch mehr von diesen Modellen bekommen.
Das Thema ins Gespräch kommen, das ist, glaube ich, am wenigsten planbar. Da gibt es ja auch keine ABC-Strategie. Da kann man nicht irgendwie plötzlich abhaken, sondern muss man einfach Geschichten machen, über die Menschen sprechen wollen. Und man kann die Menschen nicht dazu zwingen, über diese Geschichten zu sprechen. Heute in Zeiten von Social Media noch viel weniger als vor 20 30 Jahren, als wir noch Massenmedien hatten, die irgendwie so ein bisschen den öffentlichen Diskurs bestimmen konnten. Das funktioniert ja heute noch nicht mal mehr bei der Bild-Zeitung so richtig.
Und das Dritte mit den Digital-Modellen, da ist der nächste Schritt, dass wir zum Jahreswechsel mit einer neuen App starten wollen, also einer neuen brand eins App, wo wir unsere digitalen Angebote nochmal in einer anderen Form bündeln. Hoffentlich für Abonnentinnen und Abonnenten attraktiver als bisher und dann hoffentlich auch die Zahl oder den Anteil unserer Digital-Abonnenten steigern werden.
Überflüssigkeit im Übergang
Christian, Gabriele hat es vorhin ein bisschen flapsig vielleicht, aber vielleicht auch nicht ganz unernst gemeint gesagt, so nach vier Monaten idealerweise ist sie eigentlich überflüssig im Übergang. Jetzt sind, wenn wir hier aufzeichnen, gut zwei Monate zu Ende. Ist sie schon überflüssig? Deutet sich das schon an? Oder sagst du, nein, nein, bleib mal bitte mindestens bis zum Ende des Jahres?
Ich habe diese Rechnung von Gabriele auch mit großem Interesse gehört. Die kannte ich auch noch gar nicht und habe daraus entnommen, dass ich von der Zeit, bis ich in vier Monaten sozusagen bewiesen haben könnte, dass Gabriele überflüssig sein könnte, die Hälfte hinter mich gebracht habe. Mit anderen Worten, noch ist gar nichts fix. Wir sind quasi auf dem Weg dahin, auch erst in der Halbzeit.
Nein, aber im Ernst, ich bin ganz zuversichtlich, dass wir hier eine gute Zeit bis zum Jahresende zusammen verbringen und dass es hoffentlich nicht nach vier Monaten heißen wird: Nee, der kann das jetzt doch nicht.
Ausblick auf neue Möglichkeiten
Gabriele, dann vielleicht ganz zum Schluss zu diesem Themenbereich. Du hast es vorhin angedeutet, du guckst schon ein bisschen, ich sage mal, intensiver auch auf andere Sachen. Die Tafel hast du vorhin beispielsweise angedeutet, dass du da mal ein bisschen darüber nachgedacht hast. Dieses Übergeben kann ja auch was Befreiendes haben. Und das habe ich da schon auch rausgehört. Gibt es da schon Dinge, auf die du dich freust?
Also wegziehen habe ich gehört, aber ja, ich werde weg von Hamburg, damit dieses auf keinen Fall passiert, dass ich hier jeden Morgen antanze und nicht weiß, wo ich hin soll. Sondern ich werde auch da was Neues anfangen. Ich ziehe nach Bremen, wo mein Mann lebt, in eine eigene Wohnung. Allerdings, wir sind seit 35 Jahren ein Wochenende-Paar und sollten das nicht auf die letzten Tage jetzt so verdichten, dass die Beziehung nicht mehr erhalten kann.
Und ich weiß es nicht. Ich habe viele Sachen, die ich mir angucke und Geschichten, die ich mache. Ich denke über viele Sachen nach, aber nichts davon ist so spruchreif, dass ich es dir in deinen Podcast diktiere, lieber Christian.
Schade, ich würde es natürlich gerne hören. Genau, wir können ja in einem halben Jahr noch mal reden, wenn du möchtest, oder auch nicht.
Sehr gerne. Vielleicht bist du ja dann schon überflüssig und hast noch mehr Zeit. Also von daher würde es möglicherweise passen. Und für alles andere ist Bremen ja auch nur eine gute Stunde entfernt mit Zug oder Auto.
Das stimmt, immerhin Hansestadt. Die aktuelle brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer und der aktuelle Chefredakteur Christian Rickens, der bald ab dem kommenden Jahr dann der alleinige Chefredakteur ist, im brand eins Podcast. Und ich sage, wir sind gleich wieder da.
Chancen für die Wirtschaft
Gabriele, dann zoomen wir doch mal noch ein bisschen raus. Ich habe es ja am Anfang angedeutet und ihr habt es auch schon angesprochen. Ihr seid als brand eins nur ein Beispiel von gut einer halben Million in ganz Deutschland. Also das Thema Übergeben und Übernahme, das ist wirklich groß. Siehst du das für die Wirtschaft insgesamt als große Chance?
Ja, ich glaube, dass es eine große Chance ist, weil wir es mit einer neuen Unternehmergeneration zu tun haben werden, die erstens gut ausgebildet ist, die selbstbewusst ist, die oft genug, wir haben einige Beispiele in der nächsten Ausgabe, die oft genug auch von Anfang an antritt mit der Idee, etwas anderes oder das Erbe ein wenig anders zu konfigurieren und etwas anders weiterzuführen.
Wir kommen ja in eine Zeit, in der die Umfeldbedingungen einfach völlig anders sind als die der Eltern. Wir haben eine Welt, in der geostrategisch nichts mehr so ist, wie vor 30 Jahren. Wir haben eine Welt, in der Klima eine völlig andere Rolle spielt für jedes Unternehmen, aber gerade auch für kleine mittelständische Unternehmen, die versuchen müssen, mit dem Klimathema nochmal eigen umzugehen. Wir haben KI, was für viele der Väter noch nicht wirklich eine Herausforderung war, für die nächste Generation aber eine wird.
Und wir haben es zu tun mit einem Arbeitsmarkt, in dem die neuen Chefs nochmal ganz andere Strategien brauchen, um neue Leute zu kriegen und diese neuen Leute zu motivieren und mit denen zu arbeiten. Also die Welt hat sich sehr verändert. Die nachkommende Generation muss sich darauf einstellen. Und ich habe das Gefühl, dass es einen durchaus ecklecklichen Anteil von Nachfolgern gibt, die das verstanden haben.
Was aber zu dem Thema auch gehört, ist, dass von den 500.000, ich glaube, dass bis 2029 wohl eben auch eine halbe Million an Unternehmen aufgeben werden, weil sie eben keine zukunftsfähige Strategie haben, weil sie sich überlebt haben und, und, und. Und das ist erstens immer großer Schmerz für die Familien, die es aufgebaut haben. Das ist für Regionen nicht so besonders toll. Und ich denke, dass wir uns auch als Volkswirtschaft damit auseinandersetzen müssen, wie man diesen Umbruch hinkriegt. Grundsätzlich ist es nicht Schlimmes, wenn Unternehmen aufgeben, aber es wäre ganz schön, wenn das ein Thema wäre, bei dem man sich auch über die Frage unterhält, was macht man in solchen Kommunen? Gibt es Möglichkeiten, dort andere Firmen anzusiedeln? Gibt es Unterstützung? Und, und, und. Die werden wir brauchen, weil das ist eine Zäsur.
Gespür für Unternehmenskultur
Christian, Gabriele hat es gerade angedeutet, vor allen Dingen auch die, ich sage mal, Auswirkungen und auch die vielen externen Punkte. Aber so eine Übernehmerin oder ein Übernehmer bekommt ja auch gleich eine Geschichte, eine Kultur und auch jede Menge Erwartungen, auch beispielsweise aus der Belegschaft oder von den Kundinnen und Kunden mitgeliefert. Braucht man als Übernehmerin oder als Übernehmer vielleicht sogar ein besonderes Gespür?
Ja, wahrscheinlich muss man sich schon darauf einlassen, auf das Unternehmen, in das man dann hineinwächst oder hineinkommt als externer Geschäftsführer. Wobei ich glaube, dass man da auch die Sentimentalität nicht übertreiben muss. Also wir arbeiten ja gerade an einem aktuellen Heft und das kann ich vielleicht schon als kleine Preview geben. Da wird ein Interview drin sein mit einem Experten, wirklich für Unternehmensübergaben und Übernahmen.
Und aus diesem Interview habe ich eine spannende Erkenntnis mitgenommen. Der sagte nämlich, na ja, hier in Deutschland würde eben immer die bestehende Firma im Sinne des Geschäftsmodells und des Firmengeländes und des Maschinenparks eigentlich als das angesehen, was übergeben und übernommen wird. Und man könnte es doch auch anders sehen. Das, was die Familie eigentlich auszeichnet und was in der Familie bewahrt werden sollte, das ist die unternehmerische Tradition, also der Mindset und die Fähigkeit zum Unternehmertum und das Kapital, das man angesammelt hat.
Und in welchem Geschäftsmodell das dann zur Anwendung kommt, das kann ja nochmal eine ganz andere Frage sein. Und da in diesem Interview, das ich nun gerade hier in der Rohfassung gelesen habe, sagt er, na ja, warum nicht einfach sagen, wir sperren den Laden, verkaufen ihn und nutzen das Know-how und das Kapital, um etwas ganz anderes zu machen, um als Familie unternehmerisch tätig zu bleiben, aber möglicherweise nicht mehr in dem Geschäftsfeld, in dem wir jetzt seit 50, 60, 100 Jahren unterwegs waren.
Und da gibt es ja auch ein aktuelles Beispiel, das wäre die Firma Fisman. Da haben ja die Erben gesagt, wir verkaufen, wir nutzen das Kapital, um eben als Kapitalgeber unterwegs zu sein bei Klimatechnologien und wahrscheinlich ein Modell, das wir in Deutschland auch in Zukunft noch häufiger sehen werden. Ist auf jeden Fall ein anderer Ansatz.
Überraschende Geschichten
Und Gabriele, ihr habt ja für die aktuelle brand eins mit wirklich sehr, sehr unterschiedlichen Leuten auch gesprochen. Ich glaube, so ein gutes Dutzend. Was hat dich am meisten überrascht? Gibt es eine Geschichte, die auch bei dir hängen geblieben ist?
Also ich muss sagen, ich fand das Interview, den Namen spreche ich immer falsch aus, weil ich immer richtig anfange und falsch ende. Professor Pfannenschwarz, das fand ich interessant, weil er ist ein Professor für Unternehmertum, arbeitet mit Menschen, die bald ein Unternehmen übernehmen oder aber eins gründen wollen und, und, und. Und ist selber ein Unternehmenserbe.
. der auch sich von seiner Familie hat breitschlagen lassen, diese Firma zu übernehmen, um nach ein paar Jahren festzustellen, dass sie erstens nicht überlebensfähig ist und dass er es zweitens nicht kann. Darüber spricht er sehr offen und hat daraus eben auch die Erkenntnisse für seinen Studiengang gemacht. Und das hat mich beeindruckt.
Das Interview fand ich eindrucksvoll. Ansonsten finde ich all diese Geschichten, ich meine, du hast deswegen interessiert, Übergang und Nachfolge, Journalisten auch so, weil du kommst da vom rein ökonomischen sehr schnell zur Psychologie und zu Familiengeschichten. Du bist sehr nah dran an den Menschen. Das ist halt das Tolle an Nachfolgen.
Ja, und es gibt ja nicht nur das aktuelle Heft zum Thema, sondern ihr macht dieses Thema richtig groß. Ihr habt es auch schon angedeutet, es gibt einen Newsletter, Veranstaltungen und sogar eine eigene Übernehmertum-Community. Warum? Also die Kollegen, die das vorbereitet haben, haben im Vorfeld viele, viele Gespräche geführt mit Menschen, die entweder ihr Unternehmen abgeben, aber auch eines übernehmen und haben festgestellt, dass sich die nächste Generation in den bestehenden Verbänden, die es ja gibt für Mittelständler, ganz viele, aber dass sie sich da nicht wirklich aufgehoben fühlen und dass sie nach etwas suchen, wo sie mit ihresgleichen reden können.
Menschen, die in der Situation sind, die ich vorhin zustehend versucht habe, die also jetzt das Erbe ihrer Väter in eine völlig neue Zeit führen müssen und völlig neue Antworten auf die Probleme finden müssen. Und für die ist ein Ort, an dem sie sich mit Menschen in gleicher Situation unterhalten können, aber gleichzeitig auch jede Menge Input kriegen, den wir halt dadurch, dass wir ganz gut vernetzt sind, jederzeit bieten können.
Dass wir eben die Pfannenschwarzen aus dieser Welt kennen, die dann Workshops bieten und die ihnen zeigen können oder Gesprächspartner sind für diese schwierige Aufgabe. Das war der Auslöser, dass wir festgestellt haben, es gibt eine Gruppe von Leuten, die richtig schwere und auch aufregende Jobs vor sich haben und für die es einen eigenen Ort des Austauschs geben sollte.
Denn man darf, glaube ich, nicht unterschätzen, wie einsam es auch sein kann, an der Spitze, wenn man übernommen hat und plötzlich für alles verantwortlich ist. Vielleicht hat man zur eigenen Familie ein zwiespältiges Verhältnis und sagt: „Ich will jetzt auch nicht alles mit meinem Vater oder meiner Mutter besprechen, die da sowieso schon viel zu oft in der Firma rumsitzen.“ Wo man zu seinen eigenen leitenden Angestellten vielleicht nicht hingehen kann, weil man auch noch gar nicht weiß, wie loyal sind die zu mir.
Das kann sehr entlastend sein, wenn man sagt: „Ich habe ein Netzwerk von Menschen, denen es im Moment verdammt ähnlich geht und ich bin mit dieser Einsamkeit an der Spitze nicht allein.“
Das klingt aber auch so, Christian, als ob diese Übernehmertum-Community auch schon so etwas sein könnte wie eine Vorlage für die Communities, die du auch schon angesprochen hast, also sich stärker zu vernetzen in Zukunft, vielleicht auch in Nischen. Absolut, das ist genau Teil dieser Strategie.
Und wie groß oder wie klein nun die Nischen sein müssen, da sind wir, glaube ich, auch unideologisch. Wenn wir das Gefühl haben, es gibt bei unserer Zielgruppe den Bedarf, sich zu vernetzen in einem bestimmten Cluster, dann sind wir da offen und werden das machen. Wir können auch etwas Nützliches dazu beitragen.
Das war schon beim Führungsabo so, dass wir gesagt haben, da können wir etwas Zusätzliches anbieten, was gewünscht wird. Und das hat sich auch als richtig erwiesen. Und auch da denken wir natürlich darüber nach, welchen Sinn hätte es, daraus eine Community zu machen? Was haben wir an zusätzlichen Angeboten? Was sind die Bedürfnisse?
Jede Community fängt mit der Frage an: Was können die brauchen, diese Leute, und können wir es bieten? Und wenn beides zusammenkommt, kann man versuchen, daraus mehr zu machen. Und wichtiger wäre vielleicht auch zu sagen, das ist ja keine Community nur für Erbinnen oder Erben von Unternehmen, sondern das ist auch eine Community natürlich für Menschen, die als externe Geschäftsführer irgendwo reinkommen, sei es angestellt, sei es, weil sie das Unternehmen gekauft haben.
Das ist eine Community für Senior-Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen, die da eben rein wechseln, um als Geschäftsführer für eine Familie zu arbeiten. Also der Kreis ist jetzt weit größer als die 500.000, die jetzt gerade ein Unternehmen erben in der nächsten Zeit.
Christian Rickens und Gabriele Fischer, die aktuelle brand eins Chefredaktion, bald dann ab 2027 macht das Christian Rickens allein. Ich sage danke, dass ihr dieses Gespräch hier nochmal zu zweit geführt habt. Das kann ja auch eine Herausforderung sein, aber ich finde, ich habe euch sehr, sehr gern zugehört und hier durchaus viele spannende Gedanken und Impulse mitgenommen. Deswegen Dankeschön für diese Offenheit.
Danke dir. Danke auch, Christian. Und ich habe es schon verraten, in der aktuellen brand eins gibt es noch viel mehr spannende Geschichten zu diesem Thema, haben wir ja auch hier im Podcast schon gehört. Denn die brand eins Kolleginnen und Kollegen haben dafür gut ein Dutzend Unternehmen besucht.
Ihr findet die Ausgabe digital beispielsweise direkt über die Shownotes dieses Podcasts hier und analog natürlich wie gewohnt im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder auch direkt als Abo. Hier im Podcast spielen das Übergeben und das Übernehmen von Firmen auch immer mal wieder eine Rolle.
Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an die Episode mit Viktoria Schütz. Sie hat das Maschinenbauunternehmen ihres Vaters übernommen. Und da war es, glaube ich, so ein bisschen wie Christian gerade angedeutet hat, obwohl sie es anfangs nicht mal geschenkt haben wollte. Diese Geschichte hat viel mit Abgrenzung und auch eigener Handschrift zu tun. Den Link zu dieser Episode findet ihr auch in den Shownotes. Das Gespräch mit Viktoria Schütz, eine Empfehlung von mir.
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So oder so können wir uns nächsten Freitag hier im Podcast wiederhören. In diesem Sinne, gern bis dahin. Der brand eins Podcast: Wirtschaft anders denken. Jede Woche bei detektor.fm.
Der brand eins Podcast wird produziert vom Podcastradio detektor.fm. Redaktion: Stefan Ziegert, Katja Stamm und Gerolf Meyer. In Zusammenarbeit mit Frank Dahlmann vom brand eins Magazin. Moderation: Christian Bollert.