Hier ist der Antritt der Fahrrad Podcast auf detektor.fm mit der ersten November-Ausgabe 2026.
Mein Name ist Gerolf Meyer und ich begrüße euch alle und nochmal ganz besonders Thomas, Jonathan, Helmut, Stefan, Thomas, Wiebke, Matthias, Mario und Jochi, denn sie sind neu dazugekommen in unserem Peloton auf Steady. Und dieses Peloton, das sind die Leute, die diesen Podcast mit einem Betrag ab drei Euro im Monat möglich und für alle Menschen hörbar machen. Und wenn ihr wollt und könnt, dann springt doch auch gern mit auf. Wie das geht, findet ihr im Link zu Steady in den Show Notes.
Und wir haben es in den letzten Ausgaben immer wieder gesagt: Unser Ziel sind 400 Mitglieder bis Ende des Jahres. Aktuell sind wir bei 341. Und wenn wir das mit den 400 schaffen, dann muss dieser Podcast nicht hinter die Paywall und er ist für alle Menschen hörbar. Herzlichen Dank euch allen, die das möglich machen. Und an der Stelle möchte ich mich auch nochmal bei all jenen bedanken, die uns auf Apple Podcasts oder per Direktüberweisung an detektor.fm unterstützen.
Thema der Ausgabe
Um die Kraft von vielen Menschen, die sich für eine ihnen wichtige Sache zusammentun, geht es auch in dieser Ausgabe. Das hier ist ein Fahrrad-Podcast und seitdem ich das hier mache, fragen mich immer wieder Menschen, wie man denn so viel übers Fahrradfahren, über das Fahrrad und über die Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, sprechen kann. Doch wer diesen Podcast hier kennt und wer sich auch nur ein bisschen mit dem Fahrrad auseinandersetzt, der oder die weiß, es gibt so viel zu sagen rund um diesen Gegenstand, der uns alle bewegt und der mit so vielen Themen verknüpft ist.
Das können spannende Themen sein: Technikthemen, Zukunfts- und Sport- und Alltagsthemen und auch solche, mit denen man erstmal nicht rechnet und die auch nicht immer einfach zu verarbeiten sind. Um so ein Thema geht es in dieser Ausgabe und ich freue mich, dass ich mit Sebastian Herrmann aus München über die Kraft eines Pelotons sprechen kann, das sich mit der Situation in der Ukraine beschäftigt.
Chain Reaction Bike Konvoi
Wir gehen rein: Antritt, der Fahrrad-Podcast von detektor.fm. Im Februar 2022 hat Russland die Ukraine überfallen und seitdem ist vieles anders als es davor gewesen ist. Zum Beispiel auch für Sebastian Herrmann, denn der ist Journalist und Radsportler und er hat nach dem russischen Angriff mit ein paar Freunden den Chain Reaction Bike Konvoi gegründet.
Ihr Ziel ist es, mit dem Fahrrad Rettungswagen für Menschen in der Ukraine zu organisieren und diese Rettungswagen dann auch dorthin zu bringen. Im August 2025 hat Christian hier im Antritt mit Sebastian über so eine große Krankenwagen-Überführungsfahrt in die Ukraine gesprochen und als er Sebastian gefragt hat, wie es weitergeht mit dem Bike Konvoi, hat er gesagt: „Das besprechen wir im Wirtshaus.“ Da haben wir uns erst einmal getroffen und inzwischen sind mehrere Besprechungen dazugekommen und es geht weiter mit dem Chain Reaction Bike Konvoi.
Über neue Ideen, die da entstanden sind, kann ich jetzt mit Sebastian sprechen und ich grüße herzlich nach München. Hallo Sebastian!
Hallo Gerolf! Radfahren, Krankenwagen und Ukraine – wie hängt das bei euch genau zusammen? Dazu muss ich ein kleines Stückchen ausholen. Ich war auch vor dem Bike Konvoi schon viermal in der Ukraine und beim allerersten Mal in den Karpatenausläufern. Nachts um zwei, auf dem Weg zum Grenzübergang, sind wir mit einem Krankenwagen einem anderen Wagen hinterher gefahren, der uns zur Grenze gefahren ist. Und es war vollkommen übermüdet. Ich fühlte mich wie auf einer Langstreckenfahrt auf dem Rad.
Die Zeitwahrnehmung war komplett durchgewinkt und die Strecke war so, wo ich dachte, da fährst du doch normalerweise mit dem Rennrad. Gewundene, ganz gut asphaltierte Straßen durch den Wald, schön hügelig und wellig. Da kam die Idee zum allerersten Mal, dass ich das auch mal mit dem Rad machen muss. Und dann ist es schlicht und ergreifend so, es treibt mich um dieses Thema in der Ukraine.
Es ist kein Thema, ich meine, das geht uns an und vor allem geht es uns darum, Menschen zu helfen, die da in Not sind, die diese Angriffe aushalten müssen. Dann kam letztendlich die Entscheidung: Ich kenne viele, viele Leute, die gerne Fahrrad fahren, die gerne Rennrad fahren, Gravel-Bike, Mountainbike, und das ist eigentlich schon der springende Punkt.
In einem Umfeld, in dem man viele Menschen kennt, kann man viele Menschen ansprechen und das haben wir da gemacht. Wir sind fünf Freunde, wir kennen uns alle übers Fahrradfahren. Wir sind so normale langweilige Vorstadt-Familienväter, die sich Samstagvormittag oder Samstagfrüh treffen in der Hoffnung, ihre Rennrad-Leidenschaft mit dem Familiendasein irgendwie ansatzweise zu verbinden ohne zu viel Porzellan zu zerbrechen.
Da kennen wir uns, wir fahren gerne Radmarathons, Privés, solche Sachen. Das war dann eigentlich sozusagen die Keimzelle. Wir sind Rennradspinner, Mensch, dann lassen wir uns doch mal andere Rennradspinner ansprechen, ob wir nicht gemeinsam was auf die Beine stellen. Und dann in Pflicht untergreifend die ganz einfache Frage: Was muss man Fahrradfahrern anbieten, wenn man was von ihnen will? Eine Fahrradtour!
Krankenwagen und ihre Bedeutung
Ja, und von dem, was du jetzt gesagt hast, Ukraine ist drin gewesen, also dieses erste Erlebnis in den Karpaten und die anderen Touren dort und das Radfahren. Die Krankenwagen sind jetzt noch nicht drin. Was hat es mit denen auf sich? Die Krankenwagen, das kam schon eben, wie gesagt, davor mit über einem Freund, mit dem ich das im Dezember 2022 das erste Mal gemacht habe, einen Krankenwagen zu überführen.
Den hatte er aufgestellt. Damals kam auch der Kontakt zu dem Verein, mit dem wir zusammenarbeiten. Bambagua heißen die. Das sind vor allem Ukrainistinnen, wie Geo-Studentinnen oder ehemalige Studentinnen aus Bamberg. Mit denen haben wir das gemacht. Und diese Rettungswagen, die werden leider dringend gebraucht, weil sie von den Russen gezielt angegriffen werden.
Das ist zwar ein Kriegsverbrechen, aber das scheint die nicht zu scheren. Es sind über 600 Rettungswagen zerstört worden seit Kriegsbeginn 2022. Und ein Rettungswagen, der transportiert im Schnitt fünf Schwerverletzte pro Tag. Das macht schon einen gewaltigen Unterschied. Die transportieren verletzte Zivilisten, die transportieren verletzte Soldaten, die transportieren Patienten inzwischen einzelnen Kliniken hin und her, je nachdem, was für ein Fahrzeug das ist.
Also ob es ein Vierradantrieb ist oder ob es dann doch ein eher ein bisschen klappriger VW T5 oder irgendwas ist. Das ist einfach eine meine ich einfache Möglichkeit, einen wesentlichen Unterschied zu machen. Wir haben jetzt mit dem Chain Reaction Bike Konvoi insgesamt 22 Rettungswagen überführt, von 14, die wir gerade der ersten Fahrt im Juli 2025 überführt haben. Weitere vier die wir mit Spenden im Januar 2026 überführt haben.
Und aus dem Peloton der Leute, die mit uns vergangenen Sommer in die Ukraine geradelt sind, da ist so eine Energie entstanden, dass viele auf eigene Faust solche Fahrzeuge besorgt haben. Dazu kommen noch viele Feuerwehrfahrzeuge. Und das ist jetzt einfach das, worauf wir uns spezialisiert haben. Das macht einfach einen Unterschied.
Jetzt sagen wir mal 22 mal 5 pro Tag, das ist schon was, wo man merkt, da kommt die Hilfe hin, wo sie soll und macht einen Unterschied. Ja, und ich frage nach für die Leute, die von euch noch nichts gehört haben. Also ihr kauft in Deutschland gebrauchte Rettungswagen oder vielleicht bekommt ihr die auch geschenkt, das weiß ich nicht genau. Ihr arbeitet die auf und dann fahrt ihr die dort rüber und das Radfahren dient dem Spendengewinn und auch der Überführung teilweise.
Genau. Also hier sind die Spenden für Bandakur, den Verein. Die kaufen mit dem Geld die Rettungswagen. Da gibt es eine Handvoll spezialisierte Händler für gebrauchte Rettungsfahrzeuge. Die Kosten, die etwas klapprigen, fangen bei 12.000 Euro an. Die besseren gehen so bis 22.000, 23.000 Euro. Die sind in der Regel gut in Schuss. Die müssen nach einer gewissen Kilometerleistung ausgemustert werden. Die sind alle TÜV geprüft und sind alle mit den notwendigen medizinischen Geräten ausgestattet.
Und wir haben die Rettungswagen beim großen Bike Konvoi im Juli 2025 als Begleitfahrzeuge benutzt. Da sind wir in sechs Etappen von München bis an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren und ein Teil von uns am Tag und darauf dann noch bis in Lwiw in der Westukraine. Und da haben uns die Rettungswagen als Zeichen der Sichtbarkeit. Da sind 14 Wagen unterwegs, die alle mit unseren Logos beklebt sind. Es fällt auf.
Und das andere ist, dass die uns, wie gesagt, als Begleitfahrzeuge unterstützt haben. Und da haben die Mitfahrer ihr Gepäck reingetan: Isomatte, Schlafsack. Wir haben in Turnhallen übernachtet, großartige Unterkünfte auch gehabt unterwegs. Teilweise Essen bekommen von den Rotariern, Roten Kreuz, von der deutschen Diplomatie. Und teilweise haben, das heißt teilweise, dann haben die Wagen unterwegs auch auf vorher ausgemachten Punkten auf uns gewartet mit Verpflegung, wo man dann die lieben Riegel und Gels, die wir alle so…
Die Leute, die die Wagen gefahren sind, sind dann auch im Supermarkt eingekauft. Also sie waren Zeichen der Sichtbarkeit, sie waren Gepäcktransport, sie waren Versorgungsfahrzeuge. Und abends in den Unterkünften waren wir dann alle zusammen, alle Radfahrer, Radfahrerinnen, alle Leute, die die Wagen gefahren sind und sind dann da so in Wind und Wetter mehr und mehr zu so einem wirklich dichten Peloton einer tollen Gruppe zusammengeschweißt worden.
Rückkehr nach Lwiw
Über diese Fahrt hast du im letzten Jahr, im letzten Sommer, ja auch mit Christian gesprochen. Das Gespräch verlinke ich natürlich. Das findet man in den Show Notes. Ihr seid aber danach auch nochmal dort gewesen, seid aber nicht mit dem Fahrrad hingefahren, sondern im letzten Winter direkt mit Krankenwagen am Steuer sozusagen. Was hast du da erlebt?
Es war, wie gesagt, als wir die vier Rettungsfahrzeuge aus weiteren Spenden nochmal erkaufen konnten. Zwei davon kamen von einer Hamburger Firma, die einen Show Wind Park betreibt. Da waren zwei Jungs von denen dabei, die auch bei… das ist einer von den Radfahrern, aber die konnten auch… jetzt schweife ich fast ab. Die konnten auch ganz tolle Geschichten erzählen. Die müssen also Sicherheitstraining machen, wie sie aus dem Hubschrauber springen müssen, ins Wasser rein und sich befreien und so weiter.
Da haben wir mit großen Ohren und Augen zum Gehör dabei. Da sind wir die vier Wagen bis an die Grenze gefahren und einmal übernachtet und sind dann am nächsten Tag über die Grenze. Und wir haben dort die Wagen direkt hinter der Grenze übergeben. Es war deshalb vor allem eindrücklich, weil es war unfassbar bitterkalt. Also wenn man an der Grenze ist, das dauert oft… also ich habe da schon alles erlebt, von zwei Stunden bis zwölf Stunden oder sogar noch länger, wie man da rumhängt.
Es hatte minus 17 Grad, meine ich. In den Nachrichten hatte man gelesen, dass es in Kiew noch 7, 8 Grad weniger hatte. Da waren die Heizungen weitgehend kaputt. Und da die paar Stunden an der Grenze zu stehen, mal wieder diesen ganzen Papierkram nicht zu kapieren und zu hoffen, dass es irgendwie funktioniert, währenddessen förmlich zu frieren, das war eindrücklich.
Und wir hatten wie immer ein kleines Problem, weil an irgendeiner Zulassungsstelle, also die Bahnberg UA macht auch die ganzen Zollpapiere fertig. Das ist auch eine Wissenschaft für sich. Jeder, der Steuererklärungen mag, der findet auch daran seine Erfüllung. Jeder, der das nicht mag, findet darin seine Verzweiflung. Die hatten, ich meine, aus einem G bei einer Fragestellnummer in ihren Papieren eine 6 gemacht. Also es war in irgendeinem deutschen Amt, da gab es einen Tippfehler.
Und das ist dann bei der Ausreise aus Polen, EU-Außengrenze, deswegen ist da besonderer Stempelspaß angesagt. Das war puh, aber die waren halt wahnsinnig nett und haben uns dann da irgendwann durchgelassen. Und anschließend, wir kennen die Leute in Lwiw und der Ukraine mittlerweile ganz gut. Da war es dann wirklich nur so hinter der Grenze umarmen, Hallo sagen, sich erkundigen, ob es allen noch gut geht.
Das ist nämlich auch eine Angst, die durch diese Freundschaften jetzt immer mitfährt: Hoffentlich sind alle noch am Leben, hoffentlich sind alle unversehrt. Dann haben wir uns kurz auf die Schultern geklopft, sind wieder zurück und dann mit dem Nachtzug von Przemysl an der polnisch-ukrainischen Grenze bis nach München zurück. Super Sache!
Veränderungen und Radfahren in der Ukraine
Ja, das ist auch so eine Veränderung. Es gibt seitdem, also seit 2022 gibt es viel mehr Zugverbindungen an die Grenze. Auch von hier von Leipzig, weil natürlich viele Leute dorthin fahren aus verschiedensten Gründen oder von dort natürlich auch herkommen. Auf eurer Webseite gibt es eine Unterseite, die zeigt eure Partner und da steht auch der VIV Bicycle Club.
Wie gut kennst du die Leute und welche Rolle spielt Radfahren in solchen Zeiten dort? Wir kennen die Leute einigermaßen gut mittlerweile und Radfahren spielt eine verblüffend wichtige Rolle. Wir hatten uns im Vorfeld wirklich Sorgen gemacht, ob das angemessen ist. So dürfen wir eine Radfahrt in ein Kriegsgebiet organisieren oder ist es pietätlos, ist es zynisch, ist es Kriegstourismus?
Die Ukrainer haben das gar nicht nachvollziehen können. Die haben immer irgendwie erstaunt reagiert und haben gelacht, dass wir solche Bedenken hatten. Am VIV Bicycle Club selbst, da haben wir uns im Vorfeld der Tetiana, heißt die, getroffen, die uns vor Ort Kontakte verschafft hat und geholfen hat. VIV Bicycle Club ist, wenn ich das richtig verstanden habe, eher so eine Art Dachverein für verschiedene Clubs in der Westukraine.
Und als wir im Juli 2025 dann über die Grenze sind, haben wir uns ein paar Radfahrer vom Westroad Cycling Club, die da angedockt sind, hinter der Grenze empfangen. Die hatten einen Teambus dabei, so einen Radsprinter. Ihren Trainer, der also in osteuropäischer Grill gemusterte Ballonseite mit Drillabpfeife um den Hals da stand. Da hat man irgendwie gedacht, okay, wenn der einem im Nacken sitzt, da tritt man sofort 10 Watt mehr, auch wenn es weh tut.
Aber da stellen sich keine Fragen mehr. Und dann was war anders? Sechs, sieben Radfahrer, eine Radfahrerin. Die Verständigung hat lustigerweise dann auf Italienisch geklappt, weil einer von uns, der auch Sebastian heißt, der ist teilweise in Italien aufgewachsen. Und einer der ukrainischen Radler hat eine Weile in Norditalien gearbeitet und dann haben die Italienisch miteinander gesprochen.
Und ich habe mich lange mit einem jungen Mann namens Roman unterhalten, der als Soldat an der Front war, als einer der wenigen einen Angriff auf sein Fahrzeug überlebt hat. Dann Verletzung hatte und aus der Armee ausgestiegen ist und mit seiner Frau in die Westukraine gegangen ist. Und der hatte ganz offensichtlich ein Trauma mitgenommen von den Erlebnissen und hat davon erzählt, wie wichtig das für ihn jetzt ist, jeden Tag Radfahren zu gehen.
Er sagte relativ nüchtern: „I have problems concentrating.“ Und dann fährt er. Ich habe seit jetzt länger keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, aber eine Weile konnte man sehen bei Strava, dass er wirklich jeden Tag seine Runden dreht, um das alles zu bewältigen und damit wieder zurechtzukommen. Das ist der tragische Teil. Der schöne Teil ist es dann, mit anderen Menschen einfach seine Leidenschaft zu teilen.
Das ist so. Die wollen auch nur Radfahren. Da geht es ja darum, wie sie verdammt kriegt. Es geht darum, dass man seine Leidenschaften und seine Freiheit bewahren kann, dass man das tun kann, was man möchte, ohne Angst zu haben. Und ein Teil davon ist es eben, Fahrrad zu fahren.
Dann sind wir da im großen Pulk hinter einem Polizeiauto hergefahren, das quasi Gleitschutz durch den Verkehr gegeben hat, die uns mit einer sagenhaften Unbedingtheit dann durch den dichten Stadtverkehr von Lwiw über eine Art Schneise frei gebolzt haben, muss man fast sagen. Wir sind dann mit 30 da durch diese gestopfte Stadt, über rote Ampeln und so weiter. Und da vergisst man dann auch, worum es eigentlich geht. Und es macht dann einfach nur Spaß.
Dann hockt man abends mit den ganzen Leuten zusammen, wird gegrillt, es wird Bier getrunken. Man muss sich eine Strategie überlegen, wie man mit diesem selbstgebrannten Schnaps, der einem ständig angeboten wird, zurechtkommt, ohne dass man sofort unter dem Tisch liegt. Solche Dinge. Man trifft einfach dann Menschen, die auch das Radfahren lieben und mit denen man jetzt einfach unter diesen Voraussetzungen zusammenkommt und die wir hoffentlich alle treffen, wenn dieser flüchtige Krieg eines Tages vorbei ist.
Materialversorgung für Radfahrer
Weißt du, ob die Leute, die dort Radfahren, genug Material zum Radfahren haben? Das frage ich mich gerade so. Also Krankenwagen ist klar, logisch in einem Krieg. Aber ich habe keine Ahnung davon, wie ist die Versorgung mit Radsportdingen und werden die vielleicht auch gebraucht? Das kann ich gar nicht genau beantworten.
Wir haben ihnen damals all unser Material, das wir für die Tour dabei hatten. Wir hatten sehr, sehr viele Ersatzschläuche, Pumpen, Ersatzmäntel, solche Dinge haben wir ihnen alles dagelassen. Die fahren auch schöne Fahrräder. Man staunt ja manchmal, wenn man… wir kommen alle aus München, was man dann am Samstag so im Perlacher Forst, wo sich die Carbonladung aus der Stadt raus bewegt, was man da so an Material sieht.
Man denkt sich: Wow, okay, uns geht es allen ganz gut. Oder wir haben halt einfach alle die gleichen Prioritäten. Die haben auch schöne Fahrräder. Die hatten auch sehr geschmackvolle Trikots, die sie gestaltet haben, von denen wir dann auch eins geschenkt bekommen haben. Man kann, ich sehe jeden Tag auf Strava, was die machen in und um die Lwiw. Die fahren als Gruppe Rennrad.
Ich gehe mal davon aus, dass es natürlich in Kriegszeiten sehr viel knapper ist. Aber der Punkt ist ja, da gibt es Alltag. Ich habe dann eine falsche Vorstellung von Krieg, weil ich dann beim ersten Mal in Lwiw so erstaunt war, dass da Alltag ist. Die Stadt ist ziemlich voll, weil viele, viele Leute aus anderen Teilen der Ukraine dorthin geflogen sind. Aber die Cafés haben auf, die Geschäfte haben auf. Natürlich geht man dann auch abfahren oder Bier trinken in der Craft Beer Kneipe und solche Sachen.
Die gibt es da alle. Aber dann kommt halt zwischendrin immer wieder der Luftalarm und man sieht die Friedhöfe voll werden oder wir waren in der großen Reha-Klinik, wo man die Leute sieht, die an der Front verwundet worden sind oder die bei Luftangriffen verwundet worden sind und die da auf die Beine kommen. Und es nimmt einen sehr, sehr mit.
Aber wie ich vorhin schon mit dem Grillfest gesagt habe, was mich auch immer wieder so fasziniert, ist die Engen der Licht und Schatten in einem Selbstzusammenwohnen. Ist immer entweder erschüttert oder auf seltsame Weise überdreht und aufgekratzt. Das existiert beides nebeneinander. In einem Moment schnürt es einem die Kehle zu, wenn man dieses Fahnenmeer auf diesem Friedhof für die Gefallenen sieht und die Angehörigen dort sieht.
Und im nächsten Moment sitzt man mit der Gruppe in einer Spare Ribs-Kneipe. Das ist da die lokale Spezialität. Trinkt Bier und lacht und schreit durcheinander und hat die beste Zeit seines Lebens. Und das ist irgendwie beides. Wahrscheinlich bedingt sich das beides. Das aus diesen intensiven schlechten Gefühlen, das dann ins Gegenteil umkippt und umgekehrt.
Chain Reaction Bike Konvoi und Road Captains
Ja, klingt von außen logisch, aber ist natürlich total von außen jetzt. Also meine Frage danach nach dem Material ist natürlich auch völlig naiv, weil ich habe zum Glück, möchte ich sagen, keine Vorstellung davon, wie das ist in so einer Situation zu sein. Du warst jetzt schon ein paar Mal näher dran.
Und ich habe es ja in der Anmoderation gesagt: Ihr habt euch ein paar neue Dinge überlegt, wie ihr weitermacht mit dem Chain Reaction Bike Konvoi. Wenn man bei euch auf die Seite geht, dann sieht man, ihr habt jetzt Road Captains. Was sind die Road Captains und was passiert da?
Erstmal muss ich sagen, wir hatten eigentlich gedacht, dass das eine einmalige Sache ist, dass wir so ein Brett nicht nochmal organisiert kriegen. Weil neben Beruf und Familie ist das wirklich ein echtes Brett gewesen. Das ist dann aber so, wie wahrscheinlich niemand besser kennt als Radfahrer. Man ist in den Radmarathon oder in Brevet gefahren und ich fahre Brevets.
Und die Frage: Was mache ich da eigentlich? Was soll der Scheiß? Der gehört natürlich ganz fest zu jedem dieser Brevets, insbesondere wenn das Wetter fürchterlich ist. Mein Brevet-Kumpel Markus, der auch mit dem Orga-Team ist, wir haben uns eben schon über Stunden über dieses „Was soll das alles?“ unterhalten.
Aber der Punkt ist ja dann, sobald man dann angekommen ist und das Ziel erreicht hat und all diese Anstrengungen und all dieses Warum von einem abfällt, dann macht es ja irgendwie zack und man denkt sich: Das war jetzt gerade echt richtig geil, was wir da gemacht haben. Halleluja! So was passiert als nächstes? Das war jetzt, was den Chain Reaction Bike Konvoi angeht, nicht unmittelbar so.
Aber ja, es hat an uns geblubbert und gekehrt. Und was ist von der Anmoderation auch gesagt, im Wirtshaus wir haben unsere Stammkneipe in München, wo wir uns zur Zulagebesprechung relativ regelmäßig treffen. Da haben wir mehrere Sitzungen gehabt und irgendwie hat es dann eigentlich immer noch so ein Pixar von WanderQ auch gebraucht.
Jetzt war das im Mai, glaube ich, wo wir gesagt haben: Klar, machen wir das nochmal. Vor allem auch, es ist halt verdammt nochmal immer noch nötig, weil die Situation gerade für die Zivilbevölkerung schlimmer denn je ist. Und jetzt haben wir uns überlegt, dass wir die Kraft der Gemeinschaft, die wir im Fahrradfahren entdeckt haben oder die im Fahrradfahren liegt, dass wir die gerne im Vorfeld schon stärken wollen.
Also jeder Fahrradfahrer weiß, wie viel leichter es ist, wenn man in der Gruppe fährt und man im Windschatten fahren kann und sich im Wind abwechselt. Und wie viel schneller man dann ist, wie viel weiter man kommt. Das ist sozusagen die Grundidee. Und dazu haben wir jetzt lokale Ableger gegründet, beziehungsweise es gibt sogenannte Road Captains.
Die meisten sind Leute, die beim ersten Mal mitgefahren sind, die jetzt bei sich zu Hause in ihren Heimatfahrradrevieren als autonome Teams, als autonome Radfahrer auf eigene Faust Ausfahrten organisieren, Veranstaltungen planen, Spenden sammeln. Da haben wir jetzt 15 Standorte von Freiburg, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, in Erfurt. Auch kleinere Orte wie Freudenstadt im Schwarzwald oder in Wendland haben wir jemanden. Wir haben auch jemanden in Zürich, in Graubünden, in Dublin.
Und die stellen jetzt alle für sich was auf die Beine. Da ist schon einiges passiert. Also zum Beispiel in der Nähe von Düsseldorf läuft gerade eine Aktion von einem Radladen namens Cycle Collective. Die haben ein Rennrad, wo der Damen leicht beschädigt war. Den haben sie von einem Spezialisten reparieren lassen. Dieses Fahrrad hat jetzt einen ukrainischen Künstler gestaltet, so eine Zebra-artige Camouflage, die ich finde ganz toll aussieht.
Auch was er sich dazu überlegt hat, sozusagen, so dieses, was aus Narben Neues wächst, was aus Beschädigten Neues werden kann. Das wird gerade verlost. Dazu läuft eine Spendenkampagne. Am 4.12. sind drei von uns aus München auch da. Wir machen eine Ausfahrt über 53 Kilometer von Erzbusch aus, wo der Radladen ist. Und dann gibt es einen Abend, um ein bisschen erzählen und vielleicht ein bisschen zu viel Glühwein trinken. Mal gucken.
Es gibt andere Aktionen. Wahrscheinlich gibt es ein Konzert mit einem Sinfonieorchester aus der Ukraine. Die Freiburger planen. Das ist allerdings noch ein Planungsstadium. Ein 24-Stunden-Event als Spendenkriterium. Im Idealfall geht es ums Stadion vom SC Freiburg. Die Frage, ob ich das jetzt überhaupt schon sagen darf, weil das ist noch nicht in trockenen Tüchern.
Also sozusagen, die haben angeklopft. Da müssen wir mal gucken. Aber das ist sozusagen die Kategorie an Events, die sich die Leute überlegen. Wir dürfen als Charity-Partner bei der Cyclocross-Meisterschaft wahrscheinlich auch in Baierbronn im Januar dabei sein. Wir planen alle zusammen am 27. Februar. Der 24. Februar ist ja eigentlich der Jahrestag der Vollinvasion. Aber wir nehmen den Samstag danach und wollen an allen diesen 15 bis 16 Standorten eine Ausfahrt organisieren. Oder halt ein Social Ride, wie man das heute sagt, wenn mehr als drei Leute auf einmal Fahrrad fahren gehen.
Ja, das sind so die Dinge, die laufen. Wir haben eventuell einen Partner, mit dem wir vielleicht Challenges… Für Firmen anbieten können, wo Spenden erradelt, erlaufen, erschwommen oder sonst was werden. Und ja, das ist das, was die World Captains vor Ort machen.
Wir spielen ein bisschen die Zentrale und versuchen, das alles zu koordinieren, anzuschieben, zu machen und zu tun. Das heißt, vor Ort geht es dann bei diesen Veranstaltungen, wenn ich das richtig verstehe, einerseits um Aufmerksamkeit für das Thema und dann immer auch um irgendeinen Spendenaspekt, dass da was zusammenkommt, aus dem dann Rettungswagen anteilig finanziert werden. Ja, genau. Natürlich, das übergeordnete Ziel ist es, dass wir Spenden bekommen.
Aber es geht auch darum, dass wir einfach miteinander Fahrrad fahren, weil das ist das, was wir alle können und das, was wir alle am liebsten machen. In München haben wir jetzt die letzten drei, vier Monate immer mindestens einen Social Ride organisiert. Das ist dann nur noch relativ klein. Das teilen wir über Strava und über Group Rides, und dann treffen wir uns. Und dann sind wir, weiß ich nicht, 14, 15 Leute, fahren gemeinsam Rad und unterhalten uns.
Und im Sommer saßen wir dann auch noch im Biergarten. Jetzt beim letzten Mal saßen wir halt in unserer Radladenbasis, die eine gute Kaffeemaschine hat. Und dann isst man auch Kuchen, trinkt Kaffee und unterhält sich. Also da geht es auch darum, einfach so Austausch miteinander zu sein. Und wir reden auch nicht die ganze Zeit darüber. Das ist ja auch normal.
Also, was macht man, wenn man Fahrrad fährt? Man redet. Entschuldigung, wenn ich es so dreckig sage, man redet auch manchmal einen richtigen Scheißdreck. Und das macht mir auch wahnsinnig Spaß. Wir unterhalten uns über Material und was Radfahrer so tun. Man muss auch ein bisschen über das Radfahren sprechen beim Radfahren. Das ist so. Manche Leute machen da sogar Podcasts drüber. Egal, anderes Thema.
Diesen Podcast, diese Ausgabe, die werden jetzt ein paar Leute hören. Welche Unterstützung ist für euch am besten? Wie kann man euch unterstützen? Geht es einfach um Geld? Geht es um Aufmerksamkeit? Braucht ihr noch neue Road Captains? Was ist am besten für euch, für euer Ziel? Was ist am besten? Wahrscheinlich alles davon.
Also ich glaube, bei Road Captains stoßen wir jetzt langsam an eine Grenze, weil das heißt, wir entwickeln uns zu einer Personalabteilung. Das Koordinieren ist natürlich auch Aufwand. Ich möchte jetzt aber niemanden irgendwie damit verscheuchen. Also wenn jemand sagt, hey, ich habe hier im Ort die Community am Start und ich will unbedingt mitmachen, bitte meldet euch.
Ansonsten, jeder, der mag, soll sich bitte bei uns melden. Wir haben Flyer, die sie verteilen können. Jeder, der Ideen hat, wie man sich wenden kann, um Spenden zu bekommen oder Aufmerksamkeit zu generieren, auch von irgendwelchen Social Media Reichweiten bis hin zu klassischen Medien. Die gute alte Print-Regionalzeitung spielt da auch noch eine Rolle.
Aber vor allem auch, ey, kommt mit uns Radfahren! Schaut einfach hin und wieder bei generaldirection bikeconvoy.org vorbei. Da posten wir alle Ausfahrten, die es gibt. Schaut auf CoopRides vorbei oder geht in unseren Strava Club. Dann könnt ihr in Erfurt, München, Garmisch, Ulm, Frankfurt, Berlin, whatever, könnt ihr auch mit uns Fahrrad fahren.
Und natürlich, am 19.06.2027 startet der zweite BikeConvoy. Wir fahren wieder auf der Theresienwiese in München los. Diesmal können wir sogar an dem Fuß der Bavaria uns aufstellen, dieser großen Monumentalstatue, der Bayerischen Freiheitsstatue, sagen wir es so. Da ist eine Treppe, die zu dieser Statue führt.
Das letzte Mal konnten wir da nicht sein, weil das Oktoberfest schon aufgebaut wurde. Für alle Nicht-Eingeweihten: Links und rechts der Bavaria befindet sich auch dieses sogenannte Kotzhügel, wo während des Oktoberfestes die ganzen Bierleichen sich hinlegen. Da nehmen wir die Aufstellung und ich hoffe, wir schaffen es wieder. Der 10. Rettungswagen war das letzte Mal unser Ziel, 18 hatten wir geschafft. Die Dimension möchten wir wieder erreichen.
Wir hatten das letzte Mal den Lost and Found Choir dabei. Die haben drei Lieder gesungen. Wir hatten eine Demo angemeldet, sind mit über 400 Radfahrern und Polizeigeleit einmal durch die Stadt bis zum Perlacher Forst geradet. Und alleine das war ein Erlebnis. Und jeder, der Bock hat, fährt da mit. Ab Januar ist die Anmeldung freigeschaltet.
Es sind sechs Etappen bis zur Grenze. Man kann auch nur eine Etappe mitfahren oder zwei oder drei, ganz wie ihr wollt. Wo steht ihr gerade bei dem Ziel, wieder mit zehn Rettungswagen zu fahren? Und wie viele Leute können da überhaupt mitfahren insgesamt? Also das Ziel kann ich noch nicht so ganz beantworten. Ich würde sagen, was die Spendengelder angeht, sind wir jetzt bei ungefähr einem Rettungswagen, den wir damit kaufen können.
Das hört sich noch nicht viel an. Das war aber das letzte Mal ähnlich, was das Spendenaufkommen angeht. Wir haben jetzt eigentlich auch erst mit der Spendenkampagne so richtig angefangen. Wir müssen aber noch lang hin. Deswegen kann ich gar nicht genau sagen, wie es ausschaut. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir wieder eine nennenswerte Zahl schaffen.
Mitfahren können ungefähr 100 bis 120 Leute für die Etappenfahrt. Man kann ja auch, wenn man sich ganz hart einschränken will, die Strecke auch als BWB fahren bis an die Grenze. 1300 Kilometer am Stück für die Kenner, Genießer und Feinschmecker unter uns. Sie dürfen auch das machen. Dafür ist die Anmeldung nochmal extra.
Wir haben auch zeitgleich einen 600er Brevet, das auch auf der Theresienwiese startet. Das geht dann nach links und wieder zurück. Das hat jetzt mit dem BikeConvoy wenig zu tun, aber es geht ja darum, weil es ist Paris-Brest-Jahr. Die Leute brauchen ihre Qualifikationen. Auch wenn man sagt, ich brauche noch einen 600er, das kann man sich auch da anmelden und dann zumindest den Anfang mitnehmen und dabei sein.
Und genau, wir haben wieder Trikots. Aha, wir verkaufen Trikots über Rose, unseren Partner. Das letzte Mal gingen 50 Euro pro Trikot direkt in die Aktion. Die Größenordnung, denke ich, wird es dieses Mal auch wieder sein. Damals sind zwei ganze Wertungswagen über die Trikots zustande gekommen. Wir haben, glaube ich, 450 Stück in der Größenordnung verkauft. Da schaffen wir diesmal mehr. Da baue ich auf euch.
Vor allem haben wir 300 Frauentrikots. Letztes Mal haben wir, glaube ich, noch 50 Frauentrikots verkauft. Da geht noch ein bisschen mehr, hoffe ich. Das klingt eindrucksvoll. Ich habe vor diesem Gespräch erst nach den Trikots geschaut bei Rose. Ich habe sie dort nicht gefunden. Also das Frauentrikot war, glaube ich, als nicht mehr lieferbar. Das Männertrikot habe ich gar nicht gefunden.
Ab wann gibt es denn dort? Ich hoffe, dass die noch vor Weihnachten zu haben sind. Ganz genau kann ich das auch nicht sagen. Die Trikotaktionen kümmern sich der Andi und der Chris. Diesmal werden welche vorproduziert. Das letzte Mal war es so, wir haben Erstbestellungen eingeholt und dann sind sie produziert und verkauft worden.
Und diesmal wird vorproduziert, was ich wahnsinnig toll finde, dass Rose sich das traut und für die Aktionen ins Risiko geht. Es ist auch ein neues Design diesmal, ein bisschen am Blaulicht angelehnt. So viel kann ich verraten. Ich hoffe, es gefällt. Ich finde es geil. Das werden wir in diesem Podcast auch noch mal erwähnen, wenn das dann erhältlich ist. Und ich werde es auch noch mal verlinken, natürlich.
Ich frage mich hier am Ende zwei Sachen. Die eine, die kannst du mir vielleicht gar nicht beantworten, aber du hast es vorhin schon so ein bisschen gemacht. Ich habe mich gerade gefragt, was bedeutet diese Zeit jetzt, die jetzt gerade anbricht? Ich kann mich an Fernsehberichte erinnern in den letzten Tagen, Energieinfrastruktur, also in der Ukraine, dass die vor allem angegriffen wird, Strom und Heizung. Hast du da irgendwie noch einen Einblick?
Oder du hast es eigentlich vorhin schon gesagt. Also du hast von der Kälte gesprochen. Naja, das ist das akute Problem und das intensiviert sich, weil Russland hat ja seine Taktik da eingehend verändert, dass sie mittlerweile die Städte einfach bombardieren, um sie unbewohnbar zu machen, langfristig, was sie selber offen aussprechen. Natürlich schlagen sie da vor allem auf die Energieinfrastruktur.
Das heißt, die Leute haben dann weder Strom noch Wasser, noch Heizung. Und ich glaube, es wird dann ganz, ganz hässlich erwähnt werden. Das ist die ganz akute Hilfe, die gebraucht wird. Jetzt kann man natürlich darauf einwenden: Jaja, aber ihr sammelt Geld für Rettungswagen, die erst im kommenden Sommer überführt werden. Ja, das stimmt.
Aber was dadurch möglich ist, dass unser Partnerverein sich dann um andere Sachen kümmern kann. Also wir übernehmen jetzt den Rettungswagen-Part und dadurch kann sich beim Werk UA um Spendungen kümmern, die für warme Kleidung, für Generatoren, Heizgeräte, solche Sachen gebraucht werden. Also sich um die Rettungswagen, den Aspekt, das kümmern wir uns jetzt darum.
Ja, Bamberg UA werde ich auch verlinken, ist auch in den Shownotes. Und was ich mich so in der Vorbereitung noch gefragt habe, Sebastian, ist, hat sich für dich das Radfahren irgendwie geändert, während der Beschäftigung mit diesem Thema, mit dieser Aktion? Hat es da für dich auch irgendeinen Prozess gegeben? Kannst du das sagen?
Ja, vielleicht schon. Ist es so absurd, dass es jetzt vielleicht klingt? Das hat das Radfahren mit Sinn aufgeladen, das Sinn stiften. Das ist ja, ich glaube, diese Sinngefühle, die verschafft einem das Fahrrad ja ohnehin. So absurd das manchmal ist, zumindest geht mir das so. Ich habe das Gefühl, das erfüllt mich, obwohl ich jetzt nichts getan habe, als ein paar Stunden irgendwie durch die Gegend zu eiern und mich währenddessen auch immer wieder zu fragen, was soll das?
Aber irgendwie ist aus dieser körperlichen Anstrengung heraus, aus diesem Repetitiven, schält sich für mich ohnehin so ein Sinngefühl heraus. Und das ist jetzt dadurch für mich mehr nicht zu leben erweckt worden, aber kompletiert worden. Vielleicht so dieses: Ah, wenn man eine Leidenschaft hat und die mit anderen Menschen teilt, dann kann man die auch nutzen, um mit anderen Menschen zusammen etwas zu tun.
Und zusammen, also wieder was, was vermutlich jeder Radfahrer kennt, wie sehr das zusammenschweißt. Wir waren sechs Tage bis zur Fernsehung unterwegs. Davon hatten wir vier Tage wirklich absolutes Höllenwetter. Als wir losfuhren, hat es weit über 30 Grad. Und ich habe gedacht, oh Gott, oh Gott. Ab dem dritten Tag hat es geregnet und wir hatten sechs, sieben Grad.
Die letzten vier Etappen waren alle über 200 Kilometer lang, meistens 240. Und abends in der Zunahle, das ist so, wenn man halt zusammen so was durchgestanden hat, das macht einen zu einer Gemeinschaft und das bringt einem die Leute so nah. Und ich habe immer das Gefühl, wenn ich lange fahre, dass das irgendwie so die Isolierung in meinen Gefühlskabeln so zerbröseln lässt und diese Gefühle so unmittelbar werden.
Und ich werde dann auch gerne wahnsinnig sentimental oder so angefasst und merke, da das teilt man mit den anderen Menschen, zumal wir da zu einem gewissen Ziel aufgebrochen sind. Und also um auf deine Frage zurückzukommen: Wie hat sich das Fahrradfahren für mich verändert? Es hat es zu einer sinnvollen Tätigkeit gemacht.
Und wir haben alle gelernt, hey, der Krieg in der Ukraine, der geht uns wirklich an, weil da kannst du in sechs Tagen hinradeln. Manche, die das als Baby gemacht haben, sind da auch in drei Tagen hingeradelt oder in vier. Also es ist echt nah, da kannst du immer Rad hinfahren. Ja, es ist wahnsinnig nah.
Ich finde diese Sinnfrage sehr interessant. Also in meiner, ich kann ja jede Woche irgendwie über Radfahren nachdenken. Ich denke sogar mehr als einmal die Woche über Radfahren nach. Und ich glaube, dass das eine der Stärken des Radfahrens darin liegt, dass man sich mit seiner Umwelt in Beziehungen setzt.
Also du bist angreifbar, du bekommst Dinge mit und dass da so ein bisschen der Sinn herkommt. Und das klingt mir jetzt bei dir danach, ich interpretiere das jetzt einfach mal, dass du dich noch in einer ganz anderen Art und Weise in Beziehungen setzt. Weil Sebastian fährt nicht nur durch die Landschaft und kriegt alles mit, sondern er weiß auch noch, wofür er es tut.
Und dass das noch mal einen ganz anderen Sinn hat. Also es klingt für mich so danach, als hätte es mehr Tiefe bekommen bei dir. Vielleicht ein bisschen, ja. Ja, es wäre vielleicht das heißt, es hat mehr Tiefe bekommen.
Und über die Aktion hat es auch einfach mehr menschliche Tiefe bekommen, in dem Sinne, dass wir so wahnsinnig viele tolle Leute kennengelernt haben, mit denen man jetzt was gemeinsam gemacht hat und gemeinsam was weitermacht. Dieses Gemeinschaftsstiften mit des Radfahrens, das geht bei mir zumindest manchmal ein bisschen unter, weil ich auch viel alleine fahre.
Also ich mag beides wahnsinnig gerne. Ich fahre gerne mit meinen Freunden, aber ich brauche es manchmal regelrecht, dass ich auch alleine fahre und dann einfach mal drei, vier Stunden lang. Ich höre mir dann auch nichts an oder irgendwas, sondern ich hocke einfach auf diesem Rad. Ich fahre dann oft die gleichen Strecken bei mir ums Eck, weil irgendwann ist halt auch alles ein bisschen abgegrast und man kennt so seine Routen.
Manchmal neige ich dann vielleicht ein bisschen zu sehr zu Vereinzelungen, was das angeht. Und da hat mich auch die ganze Sache wieder ein bisschen rausgerissen. So, es gibt schon echt wahnsinnig viele wirklich tolle Menschen. Auch das hat mir das Fahrrad gezeigt.
Sebastian Herrmann hat mithilfe des Fahrrads einige tolle Menschen zusammengezogen und die haben sich ein Ziel vorgenommen und machen immer mehr Leute mit. Der Chain Reaction Bike Konvoi hat sich zur Aufgabe gemacht, Rettungswagen in die Ukraine zu überführen, diese Rettungswagen vorher zu finanzieren und überhaupt mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema zu schaffen. Und es wird weitergehen.
Es gibt einen neuen Bike Konvoi im nächsten Juni. Ihr habt gehört, in dem Gespräch, es gibt Road Captains in verschiedenen deutschen Städten, Schweizer Städten, in Irland sogar auch. Und Sebastian, ich danke dir, dass du mir hier so ausdauernd davon erzählt hast, was ihr da macht. Und ich wünsche euch viel Erfolg und einen langen Atem, der hoffentlich nicht mehr so lange gebraucht wird.
Aber da sind wir noch ganz woanders. Vielen, vielen Dank, dass ich euch davon noch mal erzählen durfte, von einem Thema, das ja jetzt nur so ein wenig gute Laune macht, aber das mit dem zu tun hat, was wir alle lieben, was wir alle gerne machen, das Radfahren.
Vielen, vielen Dank. Sebastian hat den 27.02.2027 erwähnt, an dem die Road Captains an mindestens 14 Orten in Deutschland und Europa Ausfahrten und Aktionen veranstalten werden. Das ist der Samstag nach dem 24.02. Und es wird dann fünf Jahre her sein, dass Russland die Ukraine angegriffen hat, wobei die Annexion der Krim und der Krieg im Donbass ja schon 2014 stattgefunden beziehungsweise begonnen haben.
Und für diese Ausfahrten am 27.02., an diesem Samstag, suchen Sebastian und Mitstreiter noch Kilometerpaten, also Menschen, Firmen und Organisationen, die je gefahrenem Kilometer an diesem Tag Geld spenden für Rettungswagen, die dann 2027 in die Ukraine überführt werden können. Wenn ihr da mitmachen wollt, meldet euch beim Chain Reaction Bike Konvoi. Ihr erreicht Sebastian und Co unter info@chainreactionbikekonvoi.org.
Und wenn ihr generell mehr zum Thema wissen wollt, schaut auf chainreactionbikekonvoi.org vorbei. Ich spreche sicher für ganz viele Menschen, wenn ich sage, dass ich mich sehr auf den Tag freue, an dem es diesen Konvoi nicht mehr geben muss. Und ich hoffe, dieser Tag ist nicht mehr weit.
Und ich habe euch außerdem unsere Folge vom März 2022 verlinkt, in der wir mit Andre Pfeil von der Firma Cosmo gesprochen haben. Denn bis dahin hat diese Firma aus in der Ukraine hergestellten Titanrohren in Russland Titanrahmen bauen lassen. Und wir haben damals mit Andre darüber gesprochen, wie Cosmo vom Krieg betroffen ist.
Und im Juni 2023 haben Christian und ich mit Viktoria Prokopenko von U Cycle in Kiew darüber gesprochen, welche Rolle Fahrräder im Krieg spielen. Und auch das ist ein hörenswertes Gespräch, das ich euch verlinkt habe. Wenn ihr es gut findet, dass wir hier einen breiten Blick aufs Thema Fahrrad haben, dann unterstützt uns doch gern ab drei Euro im Monat über Steady. Den Link dazu findet ihr in den Show Notes.
Und wenn ihr aufspringt und unser Peloton damit den ersehnten 400 Mitgliedern näherbringt, dann bekommt ihr die nächste Ausgabe dieses Podcasts in einer Mail von mir an euch schon am 12. November. Im Podcast Player eurer Wahl findet ihr den nächsten Antritt dann am 13. November.
Und wenn ihr uns vorher treffen wollt, wir sind am 7.11. um 15:30 Uhr in der Scheune in Dresden für einen Live-Podcast zu Gast. Dort geht es dann mit Uwe Buchholz um BMX und mehr in der DDR. Und wenn ihr es nicht dorthin schafft, uns aber schreiben wollt, dann macht das gerne an antritt@detektor.fm, auf Instagram an Antritt Podcast oder auf Mastodon. Dort findet ihr Christian Detektor FM und mich mit eigenen Accounts.
Diese Folge hat Wiebke stark geschnitten und ich wünsche uns allen sinnstiftende Fahrten, auch im November und eine gut justierte hell-dunkle Grenze.
[Musik: Juan Atkins – The Mission]