Die detektor.fm-Jahrescharts 2017

Eure Lieblingsalben 2017

05.01.2018

Ihr habt abgestimmt, wir haben ausgezählt und festgestellt: die Jahrescharts 2017 sind fest in der Hand alter Helden. The National, Arcade Fire und The xx - alle haben es in die von euch gewählten Top 10 geschafft. Wer sonst noch in eurer Gunst stand? Hier sind die detektor.fm-Jahrescharts.

Platz 10: Grizzly Bear – Painted Ruins

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Grizzly Bear – Painted Ruins

„Wenn es passiert, passiert’s, wenn nicht, dann nicht“ – das war laut Grizzly Bear-Sänger Ed Droste die Devise bei „Painted Ruins„. Zum Glück ist es passiert – kunstvoll ausgeschmückte Arrangements und sphärischer Harmoniegesang legen sich Schicht um Schicht übereinander. Es gibt zwar keinen unmittelbaren Ohrwurm, aber Grizzly Bear machen weiterhin wunderbar versponnenen Experimentalpop.


Platz 9: Kettcar – Ich vs. Wir

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Kettcar – Ich vs. Wir

In letzter Zeit hat das Politische wieder verstärkt Einzug in die Popmusik gehalten. Plumpe Parolen sind aber nicht die Sache von Marcus Wiebusch und Kettcar. Wiebusch beobachtet genau und setzt sich für Humanismus, Empathie und politisches Engagement ein. Auf „Ich vs. Wir“ liefern Kettcar den passenden Protestsoundtrack in dieser verwirrenden Zeit. Treibend, hymnischer Pop mit Haltung.


Platz 8: Future Islands – The Far Field

Cover Future Islands

Future Islands – The Far Field

Vom plötzlichen Ruhm durch den Fernsehauftritt bei David Letterman hat sich die Synthiepop-Band Future Islands nicht unter Durck setzen lassen. Auch auf ihrem fünften Album „The Far Field“ gibt es leidenschaftliche Songs mit entwaffnend ehrlichen Texten. Die Songs sind opulenter arrangiert als zuvor, haben aber immer noch Ecken und Kanten. Natur spielt eine große Rolle – Sänger Sam Herring ist von der Poesie von Sonne und Mond inspiriert.


Platz 7: Spoon – Hot Thoughts

Cover Spoon Hot Thoughts

Spoon – Hot Thoughts

Seit über 20 Jahren machen Spoon aus Austin Musik zwischen Indierock und Postpunk. Auf ihrem neuen Album „Hot Thoughts“ lassen sie die Gitarren größtenteils weg. Es schimmern die Synthies, mal gibt eine zarte Marimba den Ton an, dann wummert das Schlagzeug in altbekannter Manier direkt in den Magen. Der neue Sound ist gewöhnungsbedürftig, aber Spoon haben immer noch ein Händchen für Ohrwürmer und lässig-coole Rocksongs.


Platz 6: Bilderbuch – Magic Life

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Bilderbuch – Magic Life

„Schick Schock“ war das Album mit dem sich Bilderbuch 2015 direkt in alle Jahrescharts gespielt haben. Mit „Magic Life“folgt 2017 darauf die musikgewordene Poolparty. Sänger Maurice Ernst reimt ganz locker: „Komm vorbei in meinem Bungalow, by the rivers of cashflow“. Hier soll keine Geschichte erzählt, sondern ein Gefühl transportiert werden – das Gefühl von Prosecco-Bläschen im Bauch und Jacuzzi-Bläschen auf der Haut.


Platz 5: Slowdive – Slowdive

slowdive

Slowdive – Slowdive

Gut Ding will Weile haben – das haben sich Slowdive wohl gedacht und 22 Jahre nach „Pygmalion“ mit „Slowdive“ 2017 ein neues Album veröffentlicht. Das Quintett aus Reading hat in den späten 80er und frühen 90er Jahren das Shoegaze-Genre maßgeblich mitgeprägt. Auf „Slowdive“ bespielen sie das weite Feld zwischen Dreampop und eben Shoegaze ohne dabei retro zu klingen.


Platz 4: Arcade Fire – Everything Now

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Arcade Fire – Everything Now

Arcade Fire kritisieren auf „Everything Now“ den unendlichen Datenfluss: Tweets, Statusmeldungen, Instastories – Brot und Spiele des 21. Jahrhunderts. Das tun sie mit prächtigen Abba-esken Melodien, Disko- und Elektrofunknummern. Den Song „Infinite Content“ gibt es einmal als laute Punkrock- und einmal als zarte Akustik-Version. Hier bekommt jeder die Arcade Fire-Variante, die ihm besser gefällt, es ist alles jederzeit möglich.


Platz 3: The War On Drugs – A Deeper Understanding

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The War On Drugs – A Deeper Understanding

Auf „A Deeper Understanding“ hat Adam Granduciel alias The War On Drugs zehn Songs zwischen Folk, Blues und Neopsychedelia gepackt, die sich bestens für den Roadtrip durch den mittleren Westen der USA eignen. Der Sound der Americana-Größen wie Bruce Springsteen, Tom Petty oder Neil Young dienen Granduciel als Basis, dem er ein aktuelles Gewand verpasst. Dreieinhalb Jahre hat er an der Platte gearbeitet und erst aufgehört, als jedes noch so kleine Detail an seinem Platz war.


Platz 2: The National – Sleep Well Beast

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The National – Sleep Well Beast

The National wollten auf „Sleep Well Beast“ alles etwas lockerer angehen. Zunächst erklingt aber Altvertrautes: getragene Stücke mit dezenter Orchestrierung, Matt Berningers Bariton, dramatisches Gitarrengesäge. Dann zieht das Tempo doch an und The National ergehen sich in ausgiebigen Gitarrensoli. Auch das aktuelle politische Klima hat seinen Weg in die neuen Songs gefunden, zur Revolution rufen sie aber nicht auf.


Platz 1: The xx – I See You

Cover The xx

The xx – I See You

Tanzmusik hatte wohl niemand von dem Trio aus London erwartet, das für seine minimalistischen Popsongs bekannt ist. Sich von solchen Erwartungen freizumachen ist eines der Ziele, das The xx mit ihrem dritten Album verfolgen. Eisige Synthies, Streicherarrangements und ein Chor-Sample – die Band hat sich anderen Einflüssen geöffnet. Trotz des volleren Sounds und der Hinwendung zum Dancefloor, die Grundstimmung bleibt melancholisch.


Und jetzt Tacheles: die detektor.fm-Musikredaktion um Doris Hellpoldt, Anke Behlert und Gregor Schenk hat es sich im Studio gemütlich gemacht und die Top 10 der detektor.fm-Hörercharts diskutiert.